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Waterloo- Manövrieren oder frontal angreifen?
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Mephisto
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Anmeldedatum: 12.07.2005
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BeitragVerfasst am: Do, 23. Februar 2006 14:54 Beitrag speichern    Titel: Waterloo- Manövrieren oder frontal angreifen? Antworten mit Zitat

Musketenknecht hat geschrieben:
Zitat:
Allerdings wurden die grossen strategischen Entscheidungen damals schon vom Bewegungsgefecht und der militärischen Logistik bestimmt.
Napoleon hatte mit seinen schnellen Marschbewegungen, seinen leichten Truppen und seinen ausgefeilten Nachrichten-/Logistik-Aktivitäten bereits eine neue Ära eingeleitet.

Borodino zeigt hingegen, daß gut angelegte verschanzte Stellungen den Angreifer vor grosse Probleme stellen und zu schweren Verlusten führen können. Andererseits wird der Verteidiger dann auch zum Festhalten an diesen Positionen gezwungen, selbst wenn sie bereits abgeschnitten sind.

Wellington hat m.E. auf diese veränderten Bedingungen sehr angemessen reagiert, denn er hat sich meist in Stellungen verteidigt, die aufgrund ihrer natürlichen Lage eine Art Verschanzung besassen und mit wenigen Arbeiten "verteidigungsbereit" gemacht werden konnten. Und sowohl in Spanien als später auch auch in Waterloo hat er seine Truppen meist in derartigen Positionen aufgestellt.
Wer sich das Gelände in Belgien einmal genau angesehen hat, erkennt recht schnell, weshalb der "alte Fuchs" Wellington in Quatre Bras nur ein Verzögerungsgefecht angenommen hat.

In Waterloo konnte er nämlich ohne grossen Aufwand durch die Besetzung und (dummerweise nur teilweise) Verbarrikadierung der vorgelagerten Stellungen (die Gutshöfe Hougoumont, La Haye..), und auch durch den Hohlweg und die wenigen befahrbaren Strssen/Wege, eine Art "Gelände-Verschanzung" erlangen.
Auch wenn dies aus Zeitmangel nur sehr unvollständig erfolgte, war die Wirkung erheblich.

Ich habe mich gefragt, was Napoleons Truppen wohl passiert wäre, wenn die englischen Truppen bereits 3-4 Tage vorher vor Ort gewesen wären und die Gutshöfe, Wege und Strassen fachgerecht von den Pionieren/Sappeuren "verschanzt" worden wären.

Man denke sich dazu einen Trockengraben (1,5 tief, 2,5 m breit) um die Mauern der Gutshöfe herum, um das Übersteigen der Mauern zu verhindern. Dazu Wolfsgruben und spanische Reuter vor den Zufahrten und Toren der Höfe. Zudem Stangen-Barrikaden an der Rückseite des Hohlweges und hinter den Hecken im Zentrum.

Dann noch eine gut postierte Erdschanze hinter dem Höhenrücken zwischen Hougoumont /La Haye und eine zweite Schanze auf der linken britischen Seite, um die britische Artillerie gegen Kavallerie zu schützen
und den gesamten Verteidigungsabschnitt dauerhaft mit Schrapnell-Feuer abdecken zu können.

Eine derartig vorbereitete Stellung wäre dann für die Franzosen bereits nach kurzer Zeit zu einem verlustreichen Fiasko geworden.................


HKDW hat geschrieben:
Zitat:
Warum sollten sie so eine ausgebaute Stellung angreifen? Wäre ja schwachsinn gewesen, im ACW - Western theatre of war - wurde immer versucht eine befestigte Stellung auszufklankerien.
Dazu wird die eigene Truppe ebenso gefesselt, die Maginotlinie läßt grüßen.
Zu Festungen, nochmal sicherlich nicht ohne Zweck, vor allem wenn der Gegner glaubte unbedingt eine Festung nehmen zu müssen um seine strategische Position zu verbessern.


Mephisto hat geschrieben:
Zitat:
Frontalangriffe sind idR kostspielig –
selbst wenn keine Feldbefestigungen bestehen!
Eine existente Feldbefestigung, eine geschützte Stellung
hätte den jeweiligen Befehlshaber umso mehr zu Flankenmanövern
verleiten müssen.
Jeweils aus unterschiedlichen Gründen wurden aber Frontalangriffe
befohlen (Borodino, Waterloo).
So etwas muss man sich aber auch „leisten“ können. (Menschen /
Material - siehe Preussen 1870, USArmy 1864/5)

Bei Torres Vedras hat Massena die einzig richtige Entscheidung getroffen
und sich – da die Befestigung nicht zu umgehen oder kurzerhand zu stürmen war -
….zurückgezogen.


HKDW hat geschrieben:
Zitat:
Da wirft sich bei mir immer wieder die Frage auf, haben Feldbefestigungen Schlachten entschieden? Also - Niederlagen wohl ja aber Siege?


Musketenknecht hat geschrieben:
Zitat:
Gute Frage....

Ich denke, daß über die Feldbefestigungen (defensive Position) keine direkten Siege zu erzielen waren.

Aber um einen überlegenen Gegner aufzuhalten und ihm hohe Verluste zuzufügen, waren sie doch schon geeignet.

Jedenfalls sofern man Scharnhorsts Lehren für solche Stellungen beachtet hat und der Rückzugsweg freigehalten wurde.

Oder ??


Mephisto hat geschrieben:
Zitat:
Um auf die äusserst interessante Frage des Musketenknechtes bzgl. Waterloo zurückzukommen:
Die Stellung der Engländer war nicht unumgehbar (wie T.V.).
Rechts wie links hätte Napoleon einen Umfassungsangriff versuchen
können; hätte links oder rechts mehr Druck machen können.
Es wird auch behauptet, ein Umfassungsangriff (linke Flanke der
Engländer) wäre ursprünglich geplant gewesen und hätte von Grouchy
durchgeführt werden können, wenn denn Blücher tatsächlich auf dem Rückzug gewesen wäre.
Natürlich immer davon ausgehend, dass N morgens nicht wissen konnte, daß die Preussen auftauchen würden.

In jeder dieser Varianten hätte die Stellung der Engländer umgangen
werden können. Ein “mehrtägiges” Verschanzen hätte dies auch nicht verhindern können.

Und wie F. Engels schreibt:
Zitat:
Soldaten sind hinter einer Brustwehr von geringem Nutzen, wenn ein Hagel von Kartätschen sie überschüttet.

Der verstärkte Einsatz zBsp. von Haubitzen bei Hougoumont oder La Haye Saint hätte die Trockengräben, Spanischen Reiter, etc... sinnlos werden lassen. Disziplin hin - Disziplin her.

Die Kunst des Angreifers bestand also im Manövrieren, im Umgehen. (siehe dazu Jomini)
Frontalangriff war nur die einfachste und evtl. schnellste, die “Dampfhammer”-Methode.
War sie auch die richtige?
Alles eine Frage der Religion…


Umgekehrt betrachtet muss es natürlich heissen:

Die Kunst des Verteidigers bestand darin, dem Gegner mit Hilfe von befestigten Stellungen den eigenen Willen aufzuzwingen.
Entweder kostspieliger Angriff auf die Stellung oder Umgehung unter Eingehung anderer Gefahren...
_________________
Gruss
Mephisto



Musketenknecht hat geschrieben:
Zitat:
Schon korrekt....

Nur ohne den guten Grouchy und seine Truppen, die ja bekanntlich Blücher festhalten und zum Kampf stellen sollten, hätte der gute Napoleon für einen Flankenangriff sein eigenes Zentrum (insbesondere durch Abzug von Kavallerie-Verbänden) schwächen müssen.

Und wer weiss, wo dann Wellingtons Gegenangriff (Gab es da nicht Gordons Kavallerie-Angriff bis ins französische Zentrum ?) geendet hätte.
In Plancenoit ?? Also Durchbruch durch sein Zentrum ??

Aber auch dies sind nur Hypothesen.

In einem Punkt sind wir uns aber wohl einig:

Die Entscheidung kann von einer solchen rein defensiven Stellung nicht erreicht werden.

Um Scharnhorst zu bemühen:

"Jede Defensive muß auch bereits die Basis für einen Angriff legen, sonst bleibt sie ziellos. "

Und ich denke, daß der gute Wellington eben dieses Vorgehen meisterhaft beherrscht hat.

Musketenknecht


Mephisto hat geschrieben:
Zitat:
Du schreibst, Napoleon hätte sein Zentrum entscheidend schwächen müssen.
Er hatte morgens noch 2 Korps (Lobau und die Garde) zur freien Verfügung.

Wenn Napoleon nicht von Anfang an den Frontalangriff geplant hätte sondern
a. eine Umgehung des linken feindlichen Flügels oder
b. einen energischeren Angriff auf diesen
dann hätten Hougoumont und La Haye Sainte mit Ihrem Festungscharakter keine Rolle gespielt.
Die Front hätte sich von Ost-West in Nord-Süd-Richtung verschoben.

Seht Ihr das anders?
_________________
Gruss
Mephisto


Admin hat geschrieben:
Zitat:
Nein Mephisto, ich sehe es genauso wie Du ... denn

1. war Wellington defensiv aufgestellt (die Erfahrungen aus Spanien, die zwar Napoleon nicht direkt mit ihm hatte - aber dafür z.b. Soult umso mehr - dürften ihn sogar bestärkt haben in der Einschätzung Wellingtons als "Defensivkünstler")

2. hat z.B. Austerlitz (für mich eine wirklich "geniale" Schlacht) bewiesen, dass man mit vermeintlich geschwächten Abschnitten (die jedoch sehr wichtige Aufgaben im gesamten Schlachtablauf haben -> zumindest Halten der Positionen) und Verlagern operativer Elemente auf andere Bereiche (z.B. Flügel) Erfolg haben kann

Borodino ist ja ähnlich gelagert ... man kann ja auch hier trefflich streiten - ob Davout's Plan der Umgehung der russischen linken Flanke erfolgreicher gewesen wäre als das "stupide" Anrennen an die Feldschanzen im russischen Zentrum.

Schöne Grüße
Markus Stein


Musketenknecht hat geschrieben:
Zitat:
Ähmmmm...

War da auf dem linken britischen Flügel nicht ein weiterer Gutshof namens Papelotte, den man besetzt hatte und genauso gut befestigen konnte ???

Und biegt sich der Höhenrücken, auf dem die Briten standen dort nicht in Richtung Nord-Osten nach hinten ??

Und gibt es dort (zwischen französischer und britischer Aufstellung) nicht einen schönen, noch tieferen Hohlweg ??

Und hätte Wellington daher bei einer Schwerpunktverlagerung weiter nach Nord-Ost (auf seine linke Flanke) nicht "nachverlagern" können, ohne wesentliche Geländevorteile zu verlieren ??

Und gleich am Morgen die "klassische Reserve" der Garde einsetzen ?

Und wurde Hougoumont nicht, wegen des verlustreichen Flankfeuers von dort, berannt, um die Grundlagen für einen Angriff auf Wellingstons rechte Flanke (und somit Zugang auf seinen Höhenrücken) zu erlangen ??

Und wäre La Haye nicht zur einer Gefahr für die verlagerte linke Flanke der Franzosen geworden ??

----------
Aber lassen wir die Hypothesen.

Ich beuge mich.

Der Musketenknecht



Lkw hat geschrieben:
Zitat:
Hallo Gemeinde,

N1 hatte wenig Zeit (die Preussen an seiner Flanke) und ich denke auch

keine Lust auf irgendwelche Umfassungsmanöver (seine späte

Arroganz?), sein Streben war die Vernichtung der Allierten im Zentrum

mit aller Gewalt.

Wäre bestimmt auch aufgegangen bei einem früheren Schlachtbeginn am

Morgen (der Schlamm vom Dauerregen in der Nacht verhinderte dies)...

Auch das Marschtempo der bereits geschlagenen Preussen konnte so nicht

erwartet werden....Denke die Schlacht stand schon einige Zeit auf der

"Messers Schneide"......

Gruss LKW


Zuletzt bearbeitet von Mephisto am Do, 23. Februar 2006 14:59, insgesamt einmal bearbeitet
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Mephisto
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BeitragVerfasst am: Do, 23. Februar 2006 14:58 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

@Musketenknecht
Du beugst Dich? Kein Grund zur Veranlassung! Wink

Dein Einwand Papelotte als Hindernis auf dem linken Flügel der Engländer ist durchaus berechtigt.
Vielleicht lässt Du aber drei Gegenargumente gelten:
- Papelotte war genau wie Hougoumont umgehbar.
- Das Gehöft Hougoumont ist - in Bezug auf einen Direktangriff – in seinen Ausmassen
und seiner militärischen Bedeutung nicht mit Papelotte vergleichbar
- Am Morgen waren dort nur schwache Kräfte, während Hougoumont bereits besetzt war.
Ich muss mich aber zu Papelotte noch mal schlau machen. Question

Die Sache mit dem Hohlweg macht mich ebenfalls nachdenklich.
Seine Bedeutung wurde ja insbesondere nach dem Roman von Hugo sehr übertrieben.
Dieser Hohlweg stellt sich mir aber mehr als ein Problem für die Kavallerie in der Attacke dar.
Sollte er (in nord-östlicher Richtung verlaufend) das Vorrücken eines Korps von Ost nach West tatsächlich so sehr behindern???
Nochwas zum Nachlesen also. Rolling Eyes

Für die Umgehung hatte ich nicht mit der Garde gerechnet.
Aber sie hätte durchaus die Stabilität des Zentrums gewährleisten können,
während Lobau oder d’Erlon den Umgehungsmarsch vornahmen.
Der vertrödelte Morgen wäre dadurch nach meiner Meinung sinnvoller genutzt worden.

Natürlich hätte dann Wellington seinen linken Flügel stärken müssen.
Ob das so schnell möglich war?
Schliesslich lag Hougoumont doch seinen Reserven näher als Papelotte.

Im Übrigen war nach dem, was ich bisher gelesen habe, der Angriff auf Hougoumont von N nicht mit solcher Verbissenheit geplant, wie er dann durchgeführt wurde.
Eine „Maskierung“ hätte bei der von mir angenommenen Umgehung genügt.
Gleiches gilt doch wohl auch für Papelotte.


@ LkW
Dein erster Satz ist ja das Thema.

Zitat:
N1 hatte wenig Zeit (die Preussen an seiner Flanke) und ich denke auch
keine Lust auf irgendwelche Umfassungsmanöver (seine späte
Arroganz?), sein Streben war die Vernichtung der Allierten im Zentrum
mit aller Gewalt.


Hätte er letzteres über Flankenangriff nicht erreicht?
Die Preussen waren ja seiner Annahme zufolge auf dem Rückzug.
Also keine Eile.
Das er die Alliierten und hier speziell Wellington vernichten wollte, ist wohl klar.
„Keine Lust auf irgendwelche Umfasssungsmanöver“
Sollte die Antwort tatsächlich derart trivial sein Question Question Question
Oder gibt es triftige Gründe für die von Napoleon gewählte Angriffsart wie sie Musketenknecht aufzuzeigen (Papelotte, Hohlweg im Nordosten, etc…) versucht Question

Ich versuche dabei Begleitumstände wie die Preussen, oder aus der Ursprungsentscheidung resultierende Folgen wie den ausufernden Angriff auf Hougoumont, die diversen Kavallerieattacken und d’Erlons Formationswahl auszublenden.

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Mephisto
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BeitragVerfasst am: Do, 23. Februar 2006 16:12 Beitrag speichern    Titel: WATERLOO Antworten mit Zitat

Waterloo


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BeitragVerfasst am: Do, 23. Februar 2006 17:35 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Question
Zitat:
- Das Gehöft Hougoumont ist - in Bezug auf einen Direktangriff – in seinen Ausmassen und seiner militärischen Bedeutung nicht mit Papelotte vergleichbar

http://bcosenza.free.fr/papelotte.htm



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HKDW
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BeitragVerfasst am: Do, 23. Februar 2006 20:57 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Nun, der Gag ist ja dass Napoleon die Karte falsch gelesen hat wie Bernard Coppens heruasgefunden hat, ergo sein ganzer Schlachtplan auf einer völlig falschen Lage basierte, da kann dann manövrieren auch nicht funktionieren.
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Musketenknecht
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BeitragVerfasst am: Fr, 24. Februar 2006 0:15 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo HKDW !

Hast Du sein Buch zur Hand und kannst Du seine Aussagen zu dieser Sache hier mal auszugsweise einstellen.

Ich kenne das Buch leider nicht, klingt aber wirklich interessant.
--------------
Mephisto: Was habe ich da nur ausgelöst ??

Ich weise nochmal daraufhin, daß ich diese Diskussion aufgenommen hatte, um das Thema "Sind Feldbefestigungen sinnvoll ?" mit Leben zu füllen und dort eine lebhafte Diskussion zu entfachen.

Jetzt haben wir uns an Waterloo festgefressen......
Nun gut.........Dann laßt uns über Waterloo diskutieren.
------------------
Papelotte:

Ich denke, daß gerade Papelotte ein wichtiger Stützpunkt gewesen wäre, wenn den Nassauern die Bedeutung des Gutshofes und sein Defensiv-Potential bewußt gewesen wären. Und wenn sie Zeit und Material gehabt hätten, den Gutshof und sein Umfeld besser zu befestigen.
Aber Sie standen im freien Feld wie eine Vorhut, während die sichernde Kavallerie der Briten dazu noch 600 - 800 m hinter ihnen auf dem Höhenrücken stehen blieb.
Dort war sicher der Schwachpunkt und die ungünstigste Truppen-Aufstellung in Wellingtons Defensiv-Linie.

Papelotte wurde daher erst zum "zentralen Widerstandspunkt", als der schwere französische Infanterie-Angriff auf die linke Flanke der Allierten einschlug.

Und es ist auch korrekt, daß das heutige Papelotte nach der Erweiterung in 1873 grösser ist, als La Haye Saint. 1815 war dies aber bekanntlich noch nicht so.

Dennoch bleibe ich bei meiner ursprünglichen Aussage;

Es hätte so nicht sein müssen und durch bessere Befestigungen hätten die Franzosen sich (auch) dort noch grössere Verluste eingefangen.
Hätte Wellington Zeit gehabt, für seine Artillerie noch einige Feldschanzen anzulegen, dann wären Napoleon seine (grösseren) Reserven schnell weggeschmolzen.


Ich mag gar nicht daran denken, was ein paar Sappeure aus dem Wäldchen südlich von Hougoumont "gebastelt" hätten, wenn sie Zeit gehabt hätten. Schussfeld erweitern, ein paar ordentliche Gräben und Hindernisse Question

Ach, immer diese Hypothesen....
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lkw
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BeitragVerfasst am: Fr, 24. Februar 2006 2:01 Beitrag speichern    Titel: Widerspruch HKDW Antworten mit Zitat

Grüß Gottle sagt der Bamberger, oder?

lt. meinen Quellen wusste N1 über die Geländebeschaffenheit gut Bescheid, da Soult 1794 das Plateau gegen die Österreicher bereits einmal im Sturm genommen hatte.

N1 hatte von Reille genau die Antwort erhalten, die Ihr hier sucht: warum nicht manöverieren, genauer gesagt die linke Flanke angreifen, also Papelotte. Doch er hielt die Chance für gekommen, die Angloallerierten zu stellen und durch einen Durchbruch im Zentrum zu vernichten. (Er hielt auch nicht besonders viel von den Truppen, selbst Wellington war später von den Leistungen seiner multikulti Armee überrascht).

Da Wellingtion die Schlacht annahm war der Moment da. Alles stand auf dem Spiel. Die Russen und Österreicher, mit den unbeugsamen Preussen waren am Sammeln und hätten allen Widerstand erdrückt. Die Briten mussten vernichtet werden.

Das die Preussen anstatt Grochy in der rechten Flanke bereits um 16.30 erschienen entschied die Schlacht. Einige Einheiten der Garde fehlten später beim Endspurt auf dem Plateau.

Ein Ausmanöverien hat meistens den Rückzug implantiert und was sollte N1 mit einer weiteren gewonnen Pyrrhusschlacht? Der Feind musste an Ort und Stelle vernichtet werden oder das Ende war nah.

Es war spitz auf Knopf und das wusste der Imperator.

Meine Meinung LKW

Cool
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Mephisto
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BeitragVerfasst am: Fr, 24. Februar 2006 11:32 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

H. Houssaye “N and the campaign of 1815 - Waterloo” schreibt folgendes:
Zitat:
Maneuvering he (Napoleon) considered unworthy of him.
Without doubt an attack against Wellington’s right which was numerous,
and covered by the village of Braine l’Alleud and the farm of Hougoumont,
and having as a redoubt the village of Merbe-Braine, would have
demanded much time and great efforts but the extremity of the enemy’s
left flank was very weak, quite unsupported, badly protected, and easy of
attack
. They might first operate by Papelotte and La Haye.
It seems as if at one time the Emperor had some idea of this.
But for Napoleon, it was a slight result indeed to inflict but a partial defeat
upon the English, and to throw them back on Hal and Enghien.
He longed for a conclusive battle, the Entscheidungsschlacht.
His aim was the same as at Ligny: to pierce the enemy’s army in the
centre so as to throw it out and annihilate it.
He would use his usual tactics, the parallel order, the direct attack,
the assault by masses upon the strongest point of the English front,
with no other preparation than a strong shower of shells.


Bezüglich der späterer Aussagen Napoleons bezgl. eines Angrffs auf den
linken Flügel äussert sich Houssaye genauso wie Clausewitz und nennt sie widersprüchlich.

Houssaye stellt für sich klar fest, dass der Angriff rechts (auf den linken
Flügel Wellingtons) am erfolgversprechendsten gewesen sei.

Der Äusserung, ein Flankenmanöver würde von Napoleon als seiner “unwürdig” betrachtet,
kann ich genauso wenig folgen wie Lkw’s Annahme einer “Unlust”.
Beides entschuldigt Napoleon (unnötigerweise), übrigens genauso wie die
Behauptungenm, er sei krank gewesen oder er hätte den “Sepoy General” unterschätzt.
Nichts von diesem erscheint mir schlüssig.
Vielmehr glaube ich an die bewusste Entscheidung zur
Vernichtungsschlacht; an eine Entschlosseneheit, die alle (guten) Gründe
für ein Manöver überlagert hat.
Houssaye selbst setzt dieses ja auch auseinander mit seinen Ausführungen bezgl. der “Entscheidungsschlacht”!
Der Entschluss zum Frontalangriff war für mich bewusst und konsequent.
Die Durchführung war es nicht.

Bezüglich der “usual tactics” Napoleons kann doch nur dieser spezielle
Feldzug gemeint sein, oder!?

Bezüglich der Frage des Musketenknechtes über das Gelände +
den Hohlweg nordöstlich von Papelotte sagt Houssaye: in den Anmerkungen explizit:
Zitat:
I have explored this portion of the ground.
The Levels are not less practicable and the slopes are not more abrupt
than they are around the main road.
Opposite La Haye the soil of the valley is very stiff. And further the Ohain
brook is only 0.30 to 0.40 cm in breath.
Und in gleicher Anmerkung:
Zitat:
Doubtless had they attacked at first by Papelotte,
Wellington would have ordered a partial change of the front and denuded
his centre and his right, to reinforce his threatened left. But such a
movement was exactly what the Emperor ought to have wished for since
it was his tactical interest to complete the English to maneuver.

(„Waterloo“, Buch II; Kapital III, Anm. 51)

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Mephisto

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Zuletzt bearbeitet von Mephisto am Fr, 24. Februar 2006 11:40, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: Fr, 24. Februar 2006 11:38 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Clausewitz in seinem „Der Feldzug von 1815“ diskutiert Napoleons Optionen in aller Breite.

Er stellt die Frage nach der „Paradeplatz-Aufstellung und dem
resultierenden Zeitverlust, lässt die Antwort jedoch offen.
Er schlussfolgert aus dieser (und mit anderen Faktoren) dass Napoleon
einen Frontalangriff von Anfang an geplant hatte.
Er nennt Napoleons spätere Vorgaben, den linken engl. Flügel angegriffen
haben zu wollen als widersprüchlich und nicht mit der Aufstellung übereinstimmend. (Siehe dazu auch Houssaye)
Er geht davon aus, dass Napoleon nicht ernsthaft mit den Preussen
gerechnet und auch keine Hilfe von Grouchy erwartet hat.

Die Farmen Papelotte, so schreibt Clausewitz, waren nur schwach
mit der leichten Infanterie Perponchers besetzt gewesen.
Wellington musste früher oder später mit ihrem Verlust rechnen.
Ein Vergleich mit Hougoumont ist nicht zu mache, da sich die Angriffe der
Franzosen nur auf ein Feuergefecht beschränkt, ein echter Sturm wie auf H aber nicht stattgefunden habe.
Dies sei eher eine Demonstration gewesen als ein ernster Angriff.

Weiterhin kritisiert er das Vorhaben einers Frontalangriffes, der nicht
nur „nicht der Natur der Sache“ sondern auch Napoleon nicht entsprach.
Einen Angriff auf den linken englischen Flügel hält er für möglich und
verweist dabei auf andere Kritiker (?).
Er geht nicht darauf ein, wohl weil er im Wissen von Blücher’s Anmarsch
diesen Gedanken verwirft.
Vielmehr nennt er einen Angriff auf Wellingtons rechte Flanke (!!!)
als die einzig erfolgversprechende Alternative insbesondere unter
Miteinbeziehung des Anmarsches von Blücher.
Die Front wäre so zBsp. am 18ten von Nord nach Süd verlaufen.
Wellington hätte sein „Ligny“ erleben können.
Am 19ten hätten dann sowohl Blücher als auch Grouchy auf einen
fortgesetzten Kampf Einfluss nehmen können.
Nicht meine sondern Clausewitz' Hypothese!

Quintessenz von Clausewitz Erörterungen ist jedoch,
dass an dieser Art Sieg Napoleon wenig gelegen war.
Hier deckt sich die Aussage Clausewitz’ mit der Houssayes (und Lkws Wink )
Es sollte ein entscheidender, ein vernichtender Sieg werden;
nicht nur ein Sieg.
Der Frontalangriff war auch nach Clausewitz bewusst geplant.
Der Sieg über Wellington im Frontalangriff war aber nur mit den Bataillonen der Garde und Lobaus zu erringen.
Mit dem Auftauchen Blüchers hätte demnach der ursprüngliche Plan geändert werden müssen.

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Zuletzt bearbeitet von Mephisto am Fr, 24. Februar 2006 13:51, insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: Fr, 24. Februar 2006 12:00 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Musketenknecht hat geschrieben:
Zitat:
Es hätte so nicht sein müssen und durch bessere Befestigungen hätten die Franzosen sich (auch) dort noch grössere Verluste eingefangen.
Hätte Wellington Zeit gehabt, für seine Artillerie noch einige Feldschanzen anzulegen, dann wären Napoleon seine (grösseren) Reserven schnell weggeschmolzen.

Wohl wahr und ganz Deiner Meinung (... unter der Voraussetzung dass man einzig und allein von einem Frontalangriff ausgeht.)

Zitat:
Jetzt haben wir uns an Waterloo festgefressen......

Schön dass Du noch dabei bist, und danke für den Hinweis bzgl. des Ausbaus von Papelotte in nachnapoleonischer Zeit.

@HKDW

Deine These klingt interessant.
Kannst Du das untermauern?!

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BeitragVerfasst am: Fr, 24. Februar 2006 13:54 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Leider bin ich ab heute eine Woche off-line.

Ich würde mich aber freuen, wenn sich hier zwischenzeitlich noch einige weitere Waterloo-Spezies beteiligten.

Norbert, Bagration, etc...wo seid ihr?
Was meint ihr?
Was sagen Bleibtreu und Hofschröer?
HKDW, was meint denn der gute Lettow-Vorbeck dazu?

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jebulon
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BeitragVerfasst am: Fr, 24. Februar 2006 21:53 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Sie können sicher meinen dass in Frankreich alle Foren viele sehr lange Themen über Waterloo haben... Unmöglich ! Napoleon hat eine Schlacht verloren ! Soult ist schuldig ! Nein ! und Grouchy ! Ney !
Sehr kompliziert für mich hier in eine andere Sprache zu argumentieren... Aber was ich kann sagen :

1)-Houssaye ist keine gute Quelle.
2)-Was erklärt Bernard Coppens ist sehr interessant, und ich denke (nicht nur "ich"), dass er recht hat. Napoleon hat die Karte falsch gelesen. Ich habe persönnlich mit ihm sehr lang darüber gesprochen...
3)-Und Ihre Karte ist auch falsch : Lobau war nicht wo man er sieht.

Leider nur auf französisch, aber sehr illustrierte :

www.1789-1815.com

Die Seite von Bernard Coppens
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BeitragVerfasst am: Sa, 25. Februar 2006 13:33 Beitrag speichern    Titel: Wie kann das den sein.... Antworten mit Zitat

Wie ist das genau möglich? Das N1 die Karten falsch liest? Hatte er den Zwicker nicht dabei? Späßle...Er hatte doch Adleraugen......Ne also was war da los, wer erbarmt sich und erklärt mir das? Rolling Eyes

Was mir auch noch unklar ist....Wieso wusste bzw. war die Abstimmung so schlecht zwischen N1, Ney und Soult...Wenn Soult dort bereits naja vor 20 Jahren genau die Österreicher schlug, muss er doch von dem Umstand des abflachenden Plateau noch Brüssel zu, gewusst haben, das 1tens die Angloallierten tief gestaffelt sein konnten (schwierig das Zentrum so zu vernichten), bzw. sich beim Zurückgehen der Einheiten hinter den Hügel es sich nicht unbedingt um einen Rückzug/Flucht der Allierten handeln muss, wie es Ney in seiner Umnachtung annahm. War da Soult nicht mehr gefragt worden? Wieso hat N1, Ney so krude agieren lassen mit dem Stolz der franz. Armee, den Schwadronen der Kürassiere?

Hatten wohl Alle diese holländischen,belgischen, Deutsch Briten unterschätzt....... Wink
Gruss aus dem sonnigen Ffm (Hellau)
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BeitragVerfasst am: Sa, 25. Februar 2006 14:49 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Das N1 die Karten falsch liest? Hatte er den Zwicker nicht dabei? Späßle...Er hatte doch Adleraugen


Noch besser : N1 hat eine falsche Karte falsch gelesen...
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HKDW
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BeitragVerfasst am: Sa, 25. Februar 2006 15:05 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

LKW

Da mußt du die Carnets lesen besonders die ersten 2 Bände, im ersten Band geht Bernard Coppens auf noch viel weitere Ungereimtheiten der Schlacht ein, leider ist die offizielle Meinung auf nichts anderes als auf Abschreiberliteratur begründet, Belle Alliance ist eine der schlechtest dokumentierten Schlachten in der Militärgeschichte, wie ja auch niemand wirklich Ahnung über die französische Kaisergarde hat.

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Hony soit qui mal y pense
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