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Das Lützowsche Korps
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Kamp
Soldat
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Anmeldedatum: 20.03.2004
Beiträge: 16

BeitragVerfasst am: Do, 7. Juli 2005 8:33 Beitrag speichern    Titel: Das Lützowsche Korps Antworten mit Zitat

Hallo!
Wie alle wissen wurde das Lützowsche Korps im Frühling des Jahres 1813 gegründet. Es bestand, soweit ich weiß, aus 4 Infanterieregimenten und 2 Kavallerieregimenten (event. Schwadronen). Das Rekrutierungsbüro von Lützow befand sich in Breslau (Gaststätte „Zum Goldenen Zepter“) . Aber kann mir jemand sagen, wo (in welchen Ortschaften) wurden die einzelnen Einheiten des Korps organisiert und wann sind sie ins Feld gezogen?
Ich hab´ mehrere Seiten im Netz durchgeschaut und nichts darüber gefunden.
Ich wäre für jede Information sehr dankbar!
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Tino
Tambour
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Anmeldedatum: 04.09.2004
Beiträge: 46
Wohnort: Bad Honnef

BeitragVerfasst am: Do, 7. Juli 2005 19:59 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

hallo, aus dem buch von Frank Bauer ,über das lützower freikorps geht folgendes hervor.
laut verpflegungsrapport vom 24.märz 1813 lagen truppen der infanterie in
zobten-7 Lts+490 mann
striegelmühle-1 lt+120 mann
bankwitz 1lt+101 mann
klein-kniegnitz 1lt+117 mann
gross-silsterwitz 1lt+67 mann
klein-silsterwitz 1 lt+30 mann

und von der kavallerie in
rogau 2wachtmeister+313 mann
wann sie ins feld gezogen sind geht ihr auch nicht genau hervor
die truppen wurden am 27.märz eingesegnet und am 23.april befand sich lützow mit einem teil der truppe schon in leipzig. also werden sie wohl so kurz nach der einsegnung losmarschiert sein.

tschöö tino
Twisted Evil
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Kamp
Soldat
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Anmeldedatum: 20.03.2004
Beiträge: 16

BeitragVerfasst am: Do, 7. Juli 2005 20:05 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Tino, vielen Dank für die Informationen.
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lkw
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Beiträge: 419
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BeitragVerfasst am: Sa, 9. Juli 2005 2:37 Beitrag speichern    Titel: Lützower Freikorps hat eine gewisse Bedeutung... Antworten mit Zitat

Hallo Kameraden,

habe folgendes recherchiert:

zum Frühjahrsfeldzug im März 1813 werden in Preußen Freikorps aus Freiwilligen, die sich selbst ausrüsten, darunter auch das Lützower mit 760 Mann, dabei auch solche Persönlichkeiten wie Jahn, Körner und Eichendorff, aufgestellt.

Der junge Theodor Körner besingt in seinen patriotischen Sammlungen die „wilde Jagd“ der Lützower Jäger nach den fremd herrschenden Franzosen.

Er schreibt kurz vor seinem Tod an seinen Vater:

der preußische Adler weckt Deutschland zum Kampf für die Hoffnung der norddeutschen Freiheit.
Meine Kunst ruft mich zu den Waffen, will mein Blut vergießen und mein Leben geben für die Freiheit meines Volkes. Möge Gott Dich und Mutter trösten, Euer Theodor ist für große Taten da.

Dies gelingt Ihm erst im Gefecht am 17.06.1813 mit einer Verwundung, als Franzosen und Württemberger einen Überfall bei Kitzen auf das Freikorps vollführen und es fast gänzlich aufreiben. Und vollendet seine „Aufgabe“ am 26.08.1813 bei Gadebusch.

Die Uniformfarben der Lützower schwarz, mit roten Abzeichen und goldenen Knöpfen hat nach dem Ende des Befreiungskrieges die Jenaer Burschenschaft, einige von Ihnen haben im Freikorps gedient, dazu animiert Ihre Fahne schwarz und rot quergestreift mit goldener Einfassung zu gestalten. Auch in Anlehnung an die alte Reichsfahne schwarzer Adler mit roten Krallen auf gelben Grund feierten 1817 auf der Wartburg 500 Studenten mit schwarz roter Fahne und goldenen Zweig die mittelalterlichen deutschen Werte, die Reformation und ihre Hoffnungen am 4 Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig auf eine dt. Einheit in Freiheit. Im Mai 1832 fanden sich dann 30.000 Bürger mit schwarz rot goldenen Fahnen zum Hambacher Schlossfest ein, um abermals ein einiges deutsches Vaterland zu forden. Unsere heutige Fahne war geboren………

Grüße an Alle
Cool
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lkw
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Anmeldedatum: 17.03.2005
Beiträge: 419
Wohnort: Frankfurt

BeitragVerfasst am: So, 10. Juli 2005 23:54 Beitrag speichern    Titel: Uniform der "Lützower" Antworten mit Zitat

Grüßle an die Freunde,

erstmal vielen Dank an Admin für die immer wiederkehrenden Uniformtafelserien zum Abspeichern......es ist eine wahre Freude, diese im Internet kostenlos zu erhalten... vielen, vielen Dank dafür..


dem Wahren, Schönen, Guten von der Macht vom Maine Euer lkw Cool



Lützower Freikorps.jpg
 Beschreibung:
die Franzjäger
 Dateigröße:  21.67 KB
 Angeschaut:  22450 mal

Lützower Freikorps.jpg


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Barclay de Tolly
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Anmeldedatum: 31.07.2005
Beiträge: 25
Wohnort: Tübingen/Toronto

BeitragVerfasst am: So, 31. Juli 2005 22:29 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Dies gelingt Ihm erst im Gefecht am 17.06.1813 mit einer Verwundung, als Franzosen und Württemberger einen Überfall bei Kitzen auf das Freikorps vollführen und es fast gänzlich aufreiben.

"Überfall"?
Nun, trotz des Waffenstillstandes plünderte jenes Freikorps (und wir alle wissen doch was das ist!!!) auf Rheinbundgebiet und wurde von General Normann mit der (ausgezeichneten!) württembergischen Reiterei gestellt und vernichtet.
Auch wenn wir in Anfällen von Patriotismus gerne die Rolle der Lützower beschönigen, wollen wir doch nicht zu Borussisten werden und Mörder und Diebe zu Helden machen nur weil sie bluttriefende Freiheitsgedichte verfassten ?
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Gunter
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Beiträge: 487

BeitragVerfasst am: Mo, 1. August 2005 13:25 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Das mag vielleicht etwas übertrieben sein, aber man muß sich schon fragen, was die Lützower eigentlich da trieben. Irgendwie ist es eben Pech gewesen, wenn sie noch dort waren, wo sie sich nicht befinden sollten. Eine interessante Frage ist natürlich wie sie selbst z.B. mit Gefangenen umgegangen sind. Daß die französische Seite das Korps nicht als ehrliche Gegner wahrnahm, war eigentlich logisch, nach all den Erfahrungen in Spanien und Rußland. Da hatte es ähnliche Organisationen gegeben, die einen üblen Ruf hatten für ihre Grausamkeit.
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HKDW
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BeitragVerfasst am: Mo, 1. August 2005 18:29 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Der arme Normann wrude ja dann auch ganz schön viktimisiert, aber Oli müßte doch alles übers Lützowsche Freikorps wissen?
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oliver
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BeitragVerfasst am: Mo, 1. August 2005 19:42 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Die Lützower erhielten meines Wissens erst so spät sichere Nachricht vom abgeschlossenen Waffenstillstand, daß sie nicht mehr rechtzeitig hinter die Demarkationslinie zurückkonnten. Die nach dem Datum des Waffenstillstands erbeuteten Gelder (alle aus öffentlichen Kassen, und im Namen des Königs von Preußen beschlagnamt, also nicht "geplündert"), wurden sofort beim nächsten Amtmann oder so zurückerstattet, wenn ich mich recht erinnere. Im Moment komme ich an meine Photokopien zu den Lützowern nicht ran.

Bei Kitzen ritt Lützow extra mit einem Adjutanten zu Normann, um den friedlichen Rückmarsch abzusprechen und zu vermeiden, daß es zu einem Zwischenfall kam. Er kam wohl auch in der Meinung zurück, es werde keine Probleme geben.

Man kann zumindest insofern von einem "Überfall" sprechen, als die Reiterei des Lützower Freikorps in Marschkolonne in der Flanke angegriffen wurde und keine feindliche Aktivität von Seiten der Württemberger erwartet hatte, einigen Lützowern sogar noch beim Anreiten der Württemberger von ihren Offizieren verboten wurde, den Säbel zu ziehen.

Wäre natürlich spannend, die Darstellung aus württembergischen Quellen hierzu zu hören.

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lkw
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BeitragVerfasst am: Mo, 1. August 2005 21:48 Beitrag speichern    Titel: jetzt aber mal schön langsam zum mitschreiben.. Antworten mit Zitat

Also was geht ab? Leute so nicht.....

Das wäre ja ein Witz der Geschichte, wenn die Lützower brandschatzend durch die Rheinbunden ziehen und abends am Lagerfeuer die dt. Einheit besingen, und auch noch die dt. Farben von den Uniformmerkmalen abgeleitet würden.

Zum Zweiten sind die Ausagen der Beiträge von Oliver und Barclay de Tolly wie Feuer und Wasser...

Zum Dritten ist eine Glorifizierung jeglicher militärischer Auseinandersetzung unzulässig. Vielleicht bietet sich diese Epoche gerade zu an, dies mal schnell zuzulassen, aber elendig vereckt sind die guten Jungs allemal.

Ich glaube, wenn wir einmal ein verlassenes Schlachtfeld aus der damaligen Zeit mit all den Toten und Sterbenden sehen würden.....würde uns die Lust am militärischen vergehen..... Evil or Very Mad

Also bitte vielleicht noch mehr Kommentare von den Cracks,
es ist wichtig, es geht hier um unseren Ursprung als Nation....erbitte die Tragweite diesen Threads abzusehen Exclamation
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oliver
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BeitragVerfasst am: Di, 2. August 2005 10:41 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Mein kurzer Beitrag zu den Lützowern vor und bei Kitzen fußt halt nur einseitig auf preußischen Quellen und Erinnerungen/Berichten von Lützowern.

Daß Lützow und seine Leute möglicherweise in ihren Rechtfertigungen (immerhin ein ganzes Regiment de facto vernichtet) manches beschönigt haben, ist denkbar, müßte aber dann durch anderslautende zeitgenössische Berichte belegt werden.

Denkbar ist natürlich auch, daß negative Berichte über die Lützower im nachhinein beschönigen sollten, daß einfach eine gute Gelegenheit genutzt wurde, sich eines lästigen Streifkorps zu entledigen, das - egal ob plündernd oder beschlagnahmend - Gelder wegnahm.

Möglicherweise wußte auch Lützow nichts von den Plünderungen einzelner Lützower, falls es welche gab. Man muß sich sowieso davor hüten, alle Angehörigen einer Einheit oder Gruppe über denselben Kamm zu scheren.

Letztendlich steht dann Aussage gegen Aussage, deren Glaubwürdigkeit jeder für sich selber werten muß, falls es ihm wichtig ist, alles in einem Satz zusammenzufassen, der mit "Es war so .." anfängt.

Für mich persönlich haben solche Fragen mit dem Ursprung der Deutschen Nation oder Lust an militärischen oder ähnlichem nichts zu tun. Es ist einfach eine interessante Aufgabe, herauszufinden, was nach den - ja immer nur zufällig überlieferten und dadurch in ihrer Gesamtheit nicht mehr objektiven - Quellen tatsächlich gewesen oder passiert sein könnte.

Wie es denn wirklich war, könnte man höchstens herausfinden, wenn man Berichte von allen Beteiligten hätte und sie alle noch nach auftretenden Widersprüchen befragen könnte, und selbst dann müßte man wieder entscheiden, welchem Berichterstatter man mehr glaubt und wer ein schlechtes Gedächtnis hat oder aus Eigeninteresse oder Spaß an der Geschichtsfälschung lügt.

Kurz, es wäre spannend, die Darstellungen und Berichte über Kitzen in württembergischen Quellen zu erfahren.

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HKDW
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BeitragVerfasst am: Di, 2. August 2005 14:33 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Erst mal vielen Dank an Oli für den interessanten Beitrag.
Zeigt er doch mal wieder - wie wenig ich zumindest zum Thema weiß, vorschnelle Schlüße sind eben schlecht, lieber dann den Mund halten und schweigen wenn die Cracks reden.
LKW - Oli ist der Crack über die neupreußische Armee von 1808 bis 1815, ich wüßte keinen der mehr darüber weiß.
Kitzen, da müßte doch Uwe Ehmke der Fachmann über die württemberger sein?

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BeitragVerfasst am: Mi, 3. August 2005 1:09 Beitrag speichern    Titel: ja, die Freikorps... Antworten mit Zitat

Logo,

kann ich mir ein Plündern von allen irregulären Truppen vorstellen, ist bestimmt auch passiert, auch das ein paar gefangene bzw. verwundete Franzosen dran glauben mussten, leider wahr, ebenso ein entwenden von Branntwein aus dem Keller eines Rheinbundlers, das die Hühner auf dem Hof auch nicht überlebt haben, ok, aber ein niederbrennen, vergewaltigen, erschlagen von deutschen Schwestern/Brüdern, die keinen Widerstand leisten, ne also, das will ich nicht glauben, Sorry! Und das sich dabei noch die Lützower hervorgetan haben sollen. Blasphemie!. Also wenn das stimmt, laufe ich sofort zu den Bonapartisten über. Pfui Teufel nochmal.....da bekomme ich ja Schmerzen in der Patriotenbrust Twisted Evil

Barclay de Tolly, bitte schreibe doch nochmal Deine Quellen nieder....

PS: habt Ihr eigentlich alle nur noch Urlaub?
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BeitragVerfasst am: Do, 4. August 2005 0:16 Beitrag speichern    Titel: Württembergische Sicht des Gefechts von Kitzen Antworten mit Zitat

Ich habe eine umfangreiche Darstellung der württembergischen Sicht in einem neuen Thread - erreichbar unter http://www.napoleon-online.de/phpBB2/viewtopic.php?t=499 - eröffnet ... bitte zu Kitzen dort posten.
Schöne Grüße
Markus Stein
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Mephisto
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BeitragVerfasst am: Do, 4. August 2005 20:39 Beitrag speichern    Titel: Eine Frau bei den Lützowern Antworten mit Zitat

Hallo an alle!

Anschliessend eine kleine Anekdote aus meiner Heimatstadt:

Zitat:
Doch bevor die Hanseaten marschieren, soll vom .kleinen Kruse, berichtet werden.
Seine Geschichte begann, als die "Neue Bremer Zeitung", am 5 November 1813 über die feierliche Beisetzung der Lützower Jägerin Johanna Prochaska berichtete, die bis zu ihrer tödlichen Verwundung im Gefecht an der Göhrde unerkannt in Manneskleidern gekämpft hatte.
Die „Lützower" eigentlich das Königlich preußische Freikorps, waren in Bremen nicht unbekannt.
Sie waren am ersten wie zweiten Zug auf Bremen beteiligt gewesen, lagen dort einige Zeit im „Quartier" Rittmeister von Petersdorf; wie Lützow selbst ein Mann aus dem Schill'schen Freikorps, warb 1813 mit Erfolg Freiwillige.
Quartiergeber war auch der brave Zimmermeister Lühring, dessen Begeisterung für den bunte Rock, welcher Farbe auch immer, ihre Grenzen hatte. Dies nicht von ungefähr, da seine älteste Tochter 1810 mit einem jungen französischen Offizier durchgegangen war.
Sein Seelenzustand durfte seither dem des Puschkinschen „Postmeisters“ -älter Leser erinnern sich: Im deutschen Film von Heinrich George so erschütternd verkörpert – nicht unähnlich gewesen sein. Das sorgend väterliche Auge ruhte insbesondere auf dem fünften Kind, der eben siebzehnjährigenAnna.
Vater Lühring hatte eingedenk der „Löcher“ die bekanntlich jeder Zimmermann „lässt“ besser auch die Türen verschlossen gehalten. Denn in der Nacht zum 13 Februar 1814 machte sich Anna im Anzug ihres Bruders Hermann davon
In Münster traf sie auf ein Depot der Lützower, wurde equipiert und dem Korps nach Wesel nachgesandt, wo sie treu und tapfer ihren Dienst aufnahm.
>Eduard Kruse<, wie sie sich nannte, schien zwar allen ein etwas wachstumsbedürftiges Bür schlein zu sein, aber der Mann wurde 1814 nicht mit der Elle gemessen.
Meister Lühring schaltete schnell. Er reimte die Eskapade der älteren Tochter mit der jüngsten Einquartierung, dem liebenswerten Lützower Leutnant Ewald und Anna's Tatendrang zusammen. Sein (Feldpost-)Brief an das Freikorps fand den richtigen Hauptmann, Herrn v. Helmen- streit, und volle Beachtung. Nicht lange und der >kleine Kruse< war als das entlarvt, was er bzw. sie wirklich war. Charme und flehende Worte des Fräulein Fußjäger verhinderten die postwendende Rücksendung.
Nächtens, so lautete allerdings der gestrenge Befehl, mussten aber mindestens zwei und dazu moralisch einwandfreie Kameraden das Quartier mit Anna teilen. Anna Lühring durfte den Feldzug bis zur Demobilisierung in Berlin mitmachen. Dort erhielt sie zwar von der Prinzessin Marianne von Preußen ein allerhöchstes Angebinde, wir nennen so etwas heute >Sammeltasse<, angeblich einen Kuß von Marschall Blücher auf die züchtige Stirn, aber auch einen bösen Brief von Vater Lühring aus Bremen. >Bleib wo du bist und laß dich hier ja nicht wieder sehen<, war der Inhalt. Da saß nun die Achtzehnjährige vater- und mutterlos im Sündenbabel Berlin. Der Boden für eine Tragödie, die für Bänkel- oder Moritatensänger bares Geld wert gewesen wäre, schien bereitet.
Hier schalteten sich nun Berliner Militärbehörden und der Senat zu Bremen kurz. Eine patriotische Seelentherapie entfernte die Moralinsäure aus dem Zimmermeisterherzen und Anna wurde am 4. Februar 1815 im feierlichen Zug in die Stadt geleitet
Das >Ende gut, Alles gut< war damit leider nicht gesichert. Der reale Dank des Vaterlandes erreichte erst spät, 1860, die völlig verarmte Anna in Harnburg. Eine kleine Pension half der kränklichen Kellnerwitwe auf.

Zitiert nach P. Galperin „In Wehr und Waffen, Wehrbürger, Söldner und Soldaten in Oldenburg und den Hansestädten“, 1983

_________________
Gruss
Mephisto

"Zum Sehen geboren, // Zum Schauen bestellt."


Zuletzt bearbeitet von Mephisto am Sa, 13. August 2005 2:58, insgesamt einmal bearbeitet
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