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Preußen und der Militarismus
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Joerg
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BeitragVerfasst am: Di, 28. Februar 2006 13:43 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Äh, nur mal als Frage:

Welchen Nutzen soll ich jetzt aus dieser verbissenen Diskussion ziehen?
Keines der Opfer des Militarismus eines der erwähnten Länder steht wieder auf, wenn wir uns einigten, daß Preußen ach so schlecht war.
Auch wenn wir jetzt definierten, daß sich Europas Antisemiten alle im Lützowschen Korps getroffen hatten - nützt daß jemandem?
Oder wie?

Jörg

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lkw
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BeitragVerfasst am: Mi, 1. März 2006 3:33 Beitrag speichern    Titel: Frage? Antworten mit Zitat

Hallo,

welche Antisemiten im Lützower Korps?

Gruss LKW Question
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HKDW
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BeitragVerfasst am: Mi, 1. März 2006 8:29 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Bei diesen Thema geht es um Phrasendrescherei, wie auch immer sehr oft in der Diskussion um Napoleon.
Preußen - Militarismus - in der Zeit von 1792 - 1815 - wo denn, bzw wo waren die Preußen anders als andere Staaten?

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Joerg
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BeitragVerfasst am: Fr, 3. März 2006 13:30 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hallo,

welche Antisemiten im Lützower Korps?

Gruss LKW


Hallo LKW,
Um die Quellen nicht zu zerreißen, hier erst mal das, was ich gefunden habe:

http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ludwig_Jahn
Er scheitert an einer Prüfung für die Oberlehrerstelle in Königsberg, wird Hilfslehrer in Berlin und widmet sich der Turnerei. In seiner 1810 in Lübeck erschienenen Schrift "Deutsches Volkstum" unternimmt er schroffe Angriffe auf die "Ausländerei" und "Verwelschung" seiner Zeit. u.a.:"Die Kleinstaaterei verhindert Deutschlands Grössemöchte, auf dem Erdenrund. Wer seinen Kindern die französische Sprache lehren lässt, ist ein Irrender, wer darin beharrt, sündigt gegen den heiligen Geist. Wenn er aber seinen Töchtern französisch lehren lässt, ist das ebenfallsmöchte, gut, als wenn er ihnen Hurerei lehren lässt. Polen, Franzosen, Pfaffen, Junker und Juden sind Deutschlands Unglück."

http://www.unifrankfurt.de/fb/fb04/download/ortmeyer/70_Jahre_Buecherverbrennung.doc

Benjamin Ortmeyer

Die Wartburgfeier

Die Wartburgfeier ist ein sehr klares Beispiel, wie der Kampf gegen Napoleon und die deutschen Fürsten, die in über 30 Kleinstaaten regierten, von reaktionären, also nach rückwärts gerichteten Anschauungen bestimmt wurde.

Auf dem Wartburgfest wurden dann eben nicht nur Bücher und Symbole der Fürstenherrschaft verbrannt.

Franz Mehring beschreibt die damalige Lage so:

"Der von Heine später so unermüdlich verspottete Maßmann, ..., machte den Vorschlag, einige Schriften zu verbrennen, die der patriotischen Jugend widerwärtig waren, wie einst Luther die Bannbulle des Papstes verbrannt hatte. Es war eine Nachäfferei, wie sie nur Jahn ersinnen konnte, von dem auch das Verzeichnis der Schriften herrührte, die verbrannt werden sollten: kunterbunt durcheinander der Code Napoleon..., einige Preßerzeugnisse, die sich gegen das Turnen oder für das Judentum aussprächen,..."(Franz Mehring, Gesammelte Schriften, Band 6, S. 379, Berlin 1980)

Unter dieen Büchern befand sich auch das des jüdischen Autors Saul Ascher, dessen Buch "Germanomanie" auf einer wohl von Turnvater Jahn ausgearbeiteten Liste der Bücher stand.

Saul Ascher kommentierte die Verbrennung seiner Schrift "Germanomanie" wie folgt:

"Um das Feuer der Begeisterung zu erhalten, muß Brennstoff gesammelt werden, und in dem Häuflein Juden wollten unsere Germanomanen das erste Bündel Reiser zur Verbreitung der Flamme des Fanatismus hineinlegen...

So verbrannten sie z.B. die Schrift: die Germanomanie; etwa weil ich darin behaupte, daß jeder Mensch ebenso organisiert wie der Deutsche ist; daß das Christentum keine deutsche Religion ist, daß Deutschland nicht vorzugsweise den Urdeutschen zum Wohnsitz,..." (Saul Ascher, "Die Wartburgfeier",

Leipzig 1818, s. 13)

Die 450 Studenten in der Wartburg 1817 verbrannten dieses Buch mit den Worten:
"Wehe über die Juden, so da festhalten an ihrem Judentum und wollen über unser Volkstum und Deutschtum schmähen uns spotten." (Saul Ascher, zitiert nach Ludger Heid, Wenn Deutschland erwacht...", in "Tribüne", Nr. 114, S. 112)
....................

Ernst Moritz Arndt schrieb 1814:

"Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt und in diese Staaten hinein, und darum will ich nicht, daß sie auf eine ungebührliche Weise in Deutschland vermehrt werden. Ich will es aber auch deswegen nicht, weil sie ein durchaus fremdes Volk sind und weil ich den germanischen Stamm so sehr als möglich von fremdartigen Bestandteilen rein zu erhalten wünsche."
......
Gleichzeitig setzte Arndt sein Akzent vor allem gegen die sogenannten Ostjuden und führte weiter aus, daß die Juden aus ganz Europa nach Deutschland "hinströmen und es mit ihrem Schmutz und ihrer Pest zu überschwemmen drohen, da diese verderbliche Überschwemmung vorzüglich von Osten her, nämlich aus Polen droht..." (Zitiert nach E.M. Arndt, Ein Blick aus der Zeit auf die Zeit, 1814, abgedruckt in "Geschichte des Antisemitismus in Deutschland", Graf von Westphalen, S. 15, 16)
.................
Turnvater Jahns bösartige Deutschtümelei benutzte schon den biologistischen, rassistischen Ansatz bei der Definition seines "Deutschen Volkstums". In seiner so betitelten Schrift von 1806 schrieb er: "Mischlinge von Tieren haben keine echte Fortpflanzungskraft und ebensowenig Blendlingsvölker ein eigenes volkstümliches Fortleben...das Immer-wieder-überpropfen taugt nicht in der Baumschule und in der Völkerzucht noch weit weniger." (F.L. Jahn, Deutsches Vokstum, zitiert nach: Meyers Volksbücher 1896, S. 32, 33)


Um eines klarzustellen: Ich hatte die Frage gestellt, was es den Opfern nützt, wenn wir uns heute auf eine radikale These einigten. Ich bin nicht der Meinung, daß das Lützowsche Freikorps ein Sammelbecken für Antisemiten war. Ich bin aber überzeugt, daß Antisemitismus gesellschaftlicher europäischer Konsens war (dafür gibt es leider Belege) und da auch das Korps Lützow keine Ausnahme machte.

Belegen läßt sich dies nur am Fall F.L.Jahn.

Wenn man davon ausgeht, daß E.M.Arndt seine oben angeführten Erkenntnisse nicht erst im Winter 1813 gewann, geht man wahrscheinlich nicht fehl in der Annahme, daß der Propagandist des Deutschen Widerstandes gegen Napoleon auch einige (etliche) Studenten und andere judendliche Feuerköpfe beeinflußt hat, die sich dann auch im Freikorps Lützow fanden.

Eines noch: Anders als Ortmeyer spielt übrigens F.Mehring die Bücherverbrennung beim Wartburgfest herunter und legt ihr keinen größeren Wert bei. (Oder meine Ausgabe ist fehlerhaft).

Gruß
Jörg[/i]

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Mephisto
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BeitragVerfasst am: Fr, 3. März 2006 13:57 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
wenn wir uns einigten, daß Preußen ach so schlecht war.

Darauf werden wir uns sicher nie einigen,
aber Beiträge wie der Deine machen das Bild, dass man sich von Preussen macht, vielleicht ein wenig schärfer.
Vielen Dank dafür.

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Gruss
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BeitragVerfasst am: Fr, 3. März 2006 15:14 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Dann sollte man auch nicht die Rücknahme der Bürgerrechte für Juden vergessen, welche meinten, als Deutsche im Befreiungskrieg mitgekämpft zu haben.
Interessant ist die Rolle jüdischer Familien auch im Zusammenhang mit der Salonkultur in Berlin um 1800. Aber ich will nicht zu weit ausholen.
Wäre es unverfroren zu behaupten, dass Bonapartes religiös-tolerante Ansichten, ja sein Interesse an einer Verbesserung der Lebensumstände der jüdischen Bevölkerung und das Wiederaufrichten jüdischer übernationaler Verbindungen, als deren Schutzpatron er sich sah, und als der er auch auf Allegorien gezeigt wird, eine Gegenbewegung nicht gerade hemmten?

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lkw
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BeitragVerfasst am: Fr, 3. März 2006 21:30 Beitrag speichern    Titel: Danke Joerg fürs Recherchieren Antworten mit Zitat

Hauptaussage (stimme zu):

Ich bin aber überzeugt, daß Antisemitismus gesellschaftlicher europäischer Konsens war (dafür gibt es leider Belege) und da auch das Korps Lützow keine Ausnahme machte.

die anderen Aussagen:

insgesamt alles ekelhaftes Zeug...doch leider bereits seit dem Mittelalter hat es Tradition gehabt, z.B auch in Frankfurt, das der aufgebrachte Straßenmob die Juden als Schuldige für irgendwelche Probleme ausmachte und die Judengasse regelmäßig besuchte, um zu plündern und zu morden. Der Kaiser hielt aber insgesamt die Hand drüber und ließ es nicht ausufern...um sich hinterher viel Geld für wenig oder gar keine Zinsen von den jüdischen Banken zu leihen.

tja so war das leider...das zieht sich wie ein roter Faden auch durch die dt. Geschichte..und hatte lange vor dem unsäglichen 3ten Reich dem Zeitgeist entsprochen......

Gruss LKW Embarassed
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B-Altona
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BeitragVerfasst am: Di, 7. März 2006 22:06 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

Preussischer militarismus hin und her.
Ich glaube wenn ich es richtig gelesen habe das der Bruch in europa mit dem 1. weltkrieg entsteht. Davor konnte sich keine europäische Macht etwas vorwerfen mit Hinblick auf militarismus. Das der eutsche kaiser nicht gerade eine gute figur machte sieht man wohl ein. Das Rwsultat des 1. weltkrieges war so erschütternd für alle das die Siegermächte einen
Schuldigen total Schuldigen finden mussten. Deutschland das auflagen bekam die wenn sie nicht durch andere Ereignisse uafgehoben würden bis ind die 50 Jahre nachwirken würden unter anderem Kriegsschaden erstattungen an die Siegermächte. (DAs Zündholzmonopol wurde erst ind den 60iger jhren in deutschland aufghoben als ein Relikt des 1. Weltkrieges.
Die Nazisten haben dann alles versau...
Im übrigen sehen ich die tugenden von Preussen wir unter anderem wie Geogina.

Sehr viele Länder die sich nun mit grösster Friedfertigkeit schmücken hatten oft nur nicht die Macht wie die Acht auch wir Dänen. ( aber wir könne zeichenen Ha, ha, )
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jean luc
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BeitragVerfasst am: Mi, 8. März 2006 15:05 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

mal einige Anmerkungen.

A. das mit dem Schwert gegründete 2te Deutsche Reich hat Frankreich
Anno 1871 nicht nur große Territorien abgeknöpft, sondern auch sehr,
sehr viel Gold. Irgendwie verständlich, daß Frankreich, dessen Boden
zweimal von deutschen Truppen verwüstet wurde sich 1918 das vom
Besiegten, dem deutschen Reich hat entgelten lassen....

B. Ich finde es immer wieder erstaunlich, daß in allen Diskussionen um
das Diktat von Versailles der Friede von Brest-Litowsk vergessen wird.
Was da das Deutsche Reich vom Zarenreich abgepreßt hat, waren
nicht gerade Peanuts.....
Anstatt die Truppen im Osten gegen das eigentlich schon geschlagene
Frankreich einzusetzen wurden diese dazu verwendet den Forderungen,
denen sich die Sowjetregierung widersetzte, militärisch durchzusetzen.
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Laquay André
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BeitragVerfasst am: Mi, 8. März 2006 16:04 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

HKDW hat Folgendes geschrieben:
Bei diesen Thema geht es um Phrasendrescherei, wie auch immer sehr oft in der Diskussion um Napoleon.
Preußen - Militarismus - in der Zeit von 1792 - 1815 - wo denn, bzw wo waren die Preußen anders als andere Staaten?

Hier gebe ich ihm Recht. Gerade im Preußen eines Friedrich Wilhelm II. kann ich keine großen Unterschieden zu dem Verhältnis von Heer und Staat sehen, als in zum Bsp. Österreich. Wenn man den Begriff Militarismus, für diese Epoche anwenden will, dann sollte man ihn auch auf die anderen Staaten beziehen. (nicht zu vergessen, das welches von einem ehem. Offizier "kommandiert" wurde Wink )

Wenn man Antisemitismus als Thema diskutieren will, gerade unter dem Aspekt in der Armee, finde ich es interessant, besonders bei den von mir bereits erwähnten durchaus existierenden enormen Unterschieden zwischen den Staaten. Aber das sollte man vielleicht unter einem anderen Thread tun.
Den Beitrag von Joerg finde ich übrigens sehr gelungen und schön differenziert.

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PAXMONDO
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BeitragVerfasst am: Mo, 13. März 2006 3:09 Beitrag speichern    Titel: Antworten mit Zitat

ja das stimmt wohl ,preussen hat deutschland mehr geschadet als geholfen .wer weiss wie die geschichte wohl verlaufen wäre wenn der preussische könig, die kaiserkrone vom deutschen parlament nach der revolution von 1848 angenommen hätte statt sie abzuweisen und damit der erste totengräber preussens zu werden .aber wenn man sieht wie uns das habsburger reich (vorallem metternich) nach den befreiungskriegen gegen napoleon geknebelt hat und uns deutschen um den sieg und damit um unsere freiheit gebracht hat und wie das gleiche habsburger reich uns mit in den abgrund des ersten weltkriegs zog (dem ein dummer deutscher kaiser folgte) dann wäre das sicherlich auch nicht die beste lösung gewesen .was wäre wohl passiert wenn es 1848 geklappt hätte vielleicht hätten wir noch heute eine konstionelle monarchie wie in grossbritannien und die grossen kriege wären uns dann wohl erspart geblieben sowie der holocaust und deutschland wäre das land der dichter und denker geblieben ein vorbild für die menscheit .ohmann ein schöner traum aber es sollte wohl nicht sein(dank preussen).
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