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Joerg
Fr, 3. März 2006 13:30


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Hallo, 

welche Antisemiten im Lützower Korps? 

Gruss LKW 

Hallo LKW,
Um die Quellen nicht zu zerreißen, hier erst mal das, was ich gefunden habe:

http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ludwig_Jahn
Er scheitert an einer Prüfung für die Oberlehrerstelle in Königsberg, wird Hilfslehrer in Berlin und widmet sich der Turnerei. In seiner 1810 in Lübeck erschienenen Schrift "Deutsches Volkstum" unternimmt er schroffe Angriffe auf die "Ausländerei" und "Verwelschung" seiner Zeit. u.a.:"Die Kleinstaaterei verhindert Deutschlands Grössemöchte, auf dem Erdenrund. Wer seinen Kindern die französische Sprache lehren lässt, ist ein Irrender, wer darin beharrt, sündigt gegen den heiligen Geist. Wenn er aber seinen Töchtern französisch lehren lässt, ist das ebenfallsmöchte, gut, als wenn er ihnen Hurerei lehren lässt. Polen, Franzosen, Pfaffen, Junker und Juden sind Deutschlands Unglück." 

http://www.unifrankfurt.de/fb/fb04/download/ortmeyer/70_Jahre_Buecherverbrennung.doc

Benjamin Ortmeyer

Die Wartburgfeier

Die Wartburgfeier ist ein sehr klares Beispiel, wie der Kampf gegen Napoleon und die deutschen Fürsten, die in über 30 Kleinstaaten regierten, von reaktionären, also nach rückwärts gerichteten Anschauungen bestimmt wurde.

Auf dem Wartburgfest wurden dann eben nicht nur Bücher und Symbole der Fürstenherrschaft verbrannt. 

Franz Mehring beschreibt die damalige Lage so:

"Der von Heine später so unermüdlich verspottete Maßmann, ..., machte den Vorschlag, einige Schriften zu verbrennen, die der patriotischen Jugend widerwärtig waren, wie einst Luther die Bannbulle des Papstes verbrannt hatte. Es war eine Nachäfferei, wie sie nur Jahn ersinnen konnte, von dem auch das Verzeichnis der Schriften herrührte, die verbrannt werden sollten: kunterbunt durcheinander der Code Napoleon..., einige Preßerzeugnisse, die sich gegen das Turnen oder für das Judentum aussprächen,..."(Franz Mehring, Gesammelte Schriften, Band 6, S. 379, Berlin 1980)

Unter dieen Büchern befand sich auch das des jüdischen Autors Saul Ascher, dessen Buch "Germanomanie" auf einer wohl von Turnvater Jahn ausgearbeiteten Liste der Bücher stand. 

Saul Ascher kommentierte die Verbrennung seiner Schrift "Germanomanie" wie folgt:

"Um das Feuer der Begeisterung zu erhalten, muß Brennstoff gesammelt werden, und in dem Häuflein Juden wollten unsere Germanomanen das erste Bündel Reiser zur Verbreitung der Flamme des Fanatismus hineinlegen...

So verbrannten sie z.B. die Schrift: die Germanomanie; etwa weil ich darin behaupte, daß jeder Mensch ebenso organisiert wie der Deutsche ist; daß das Christentum keine deutsche Religion ist, daß Deutschland nicht vorzugsweise den Urdeutschen zum Wohnsitz,..." (Saul Ascher, "Die Wartburgfeier", 

Leipzig 1818, s. 13)

Die 450 Studenten in der Wartburg 1817 verbrannten dieses Buch mit den Worten:
"Wehe über die Juden, so da festhalten an ihrem Judentum und wollen über unser Volkstum und Deutschtum schmähen uns spotten." (Saul Ascher, zitiert nach Ludger Heid, Wenn Deutschland erwacht...", in "Tribüne", Nr. 114, S. 112)
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Ernst Moritz Arndt schrieb 1814:

"Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt und in diese Staaten hinein, und darum will ich nicht, daß sie auf eine ungebührliche Weise in Deutschland vermehrt werden. Ich will es aber auch deswegen nicht, weil sie ein durchaus fremdes Volk sind und weil ich den germanischen Stamm so sehr als möglich von fremdartigen Bestandteilen rein zu erhalten wünsche."
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Gleichzeitig setzte Arndt sein Akzent vor allem gegen die sogenannten Ostjuden und führte weiter aus, daß die Juden aus ganz Europa nach Deutschland "hinströmen und es mit ihrem Schmutz und ihrer Pest zu überschwemmen drohen, da diese verderbliche Überschwemmung vorzüglich von Osten her, nämlich aus Polen droht..." (Zitiert nach E.M. Arndt, Ein Blick aus der Zeit auf die Zeit, 1814, abgedruckt in "Geschichte des Antisemitismus in Deutschland", Graf von Westphalen, S. 15, 16)
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Turnvater Jahns bösartige Deutschtümelei benutzte schon den biologistischen, rassistischen Ansatz bei der Definition seines "Deutschen Volkstums". In seiner so betitelten Schrift von 1806 schrieb er: "Mischlinge von Tieren haben keine echte Fortpflanzungskraft und ebensowenig Blendlingsvölker ein eigenes volkstümliches Fortleben...das Immer-wieder-überpropfen taugt nicht in der Baumschule und in der Völkerzucht noch weit weniger." (F.L. Jahn, Deutsches Vokstum, zitiert nach: Meyers Volksbücher 1896, S. 32, 33)

Um eines klarzustellen: Ich hatte die Frage gestellt, was es den Opfern nützt, wenn wir uns heute auf eine radikale These einigten. Ich bin nicht der Meinung, daß das Lützowsche Freikorps ein Sammelbecken für Antisemiten war. Ich bin aber überzeugt, daß Antisemitismus gesellschaftlicher europäischer Konsens war (dafür gibt es leider Belege) und da auch das Korps Lützow keine Ausnahme machte.

Belegen läßt sich dies nur am Fall F.L.Jahn.

Wenn man davon ausgeht, daß E.M.Arndt seine oben angeführten Erkenntnisse nicht erst im Winter 1813 gewann, geht man wahrscheinlich nicht fehl in der Annahme, daß der Propagandist des Deutschen Widerstandes gegen Napoleon auch einige (etliche) Studenten und andere judendliche Feuerköpfe beeinflußt hat, die sich dann auch im Freikorps Lützow fanden.

Eines noch: Anders als Ortmeyer spielt übrigens F.Mehring die Bücherverbrennung beim Wartburgfest herunter und legt ihr keinen größeren Wert bei. (Oder meine Ausgabe ist fehlerhaft).
  
Gruß
Jörg[/i]
