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Rüstow
Operationen

Jede Bewegung hat einen Ausgangspunkt und eine Richtung, die gegeben ist, wenn neben ihrem Ausgangspunkt noch ein zweiter, Zielpunkt, gegeben ist.

Rüstow - Operationen Abbildung 1Der Ausgangspunkt einer Operation heißt das Subject derselben (siehe a Abbildung 1); der Zielpunkt das Object (siehe b Abbildung 1); die Linie, welche man durch beide bestimmt, die Operationslinie.

Da Operationen Bewegungen militärischer Kräfte sind, muß man sich ihre Subjecte als Sammelpunkte dieser Kräfte denken.

Das Subject wird somit abhängig von einem Stück Land, aus welchem die militärischen Kräfte kommen, und da diese während ihrer Thätigkeit beständiger Ergänzung bedürfen, wird es weiter abhängig von einem Landstrich, aus die erforderlichen Ergänzungen kommen, soweit das Heer sie nicht auf seinem Wege findet. Der erwähnte Landstrich heißt die Basis. Das Subject vermittelt die Verbindung des Heeres mit der Basis, in ihm ist die Abhängigkeit eines Heers von seinem Staate dargestellt.

Eine Basis kann mehrere Subjecte enthalten und ein Heer kann als Basis jeden Landstrich betrachten, dessen Verwaltung es in Händen hat, mag derselbe dem eignen Staate angehören oder nicht.

Ein Heer, welches sich im eignen Lande befindet, hat, wie es scheint, nach jeder Richtung hin eine Basis. Doch genügt es nicht, daß die Hülfsquellen eines Gebiets zur Benutzung offen stehen, ihre Benutzung muß durch Organisation erleichtert sein, wozu namentlich das Dasein von Centralpunkten der Verwaltung gehört. Nur der Besitz dieser Punkte, welche nun immer als Subjecte gelten können, macht aus irgend einem Gebiete eine Basis für ein Heer.

Eine Operation vom Subjecte aufs Object heißt eine vorläufige; jeder vorläufigen entspricht eine rückläufige vom Objekt b nach dem Subject a (siehe Abbildung 1) und umgekehrt.

Wenn ein Heer, auf einem beliebigen Punkt c seiner Operationslinie angekommen, mehrere Subjecte d, a, e, in seinem Rücken hat, so kann man sich die Bewegung desselben, obgleich sie in der That von a ausging, doch von d oder e ausgegangen denken und für dasselbe dann auch außer der rückläufigen Bewegung ca die anderen cd und ce als möglich annehmen. Wenn ein Heer auf diese Weise im Lauf einer Operation sich von einer Linie auf die andere versetzt, so sagt man, es wechsele die Operationslinie.

Mehrere Subjecte in entsprechender Breite und mannigfaltiger Gruppirung nebeneinander gestatten, in Bezug auf ein Object von mehreren Operationslinien die zweckmäßigste zu wählen, im Laufe der Begebenheiten die Operationslinien zu wechseln und endlich die Kräfte zu theilen und auf mehreren Linien zugleich zu operiren. Es ist somit klar, daß eine solche Gruppe von Subjecten die Gunst der Umstände erhöht.

Armeen von beträchtlicher Stärke, wie sie gegenwärtig die europäischen Staaten einander gegenüberstellen, sind weder auf einem Ausgangspunkte zu sammeln, noch auf einer Straße vorzuschieben; insoferne sie aber auf einer Straße ihre Ergänzungen empfangen und von einem Subjecte aus, sagt man doch, daß sie auf einer Linie operiren.

Jede Operation steht zu einer Schlacht in Beziehung, möge die letztere gesucht oder gemieden werden, möge die Operation ihr folgen oder vorangehen. Jede Operation steht aber auch zu möglichen Operationen des Feindes in Beziehung.

Da man auch geistig auf den Feind wirken kann, so ist es möglich durch Operationen, welche keine Entscheidung bezwecken, eine Reihe von Vorstellungen in jenem zu erwecken, die ihn wieder zu Thätigkeiten veranlassen, welche man wünscht oder ihn an Thätigkeiten verhindern, welche man nicht wünscht. Man kann durch dergleichen Demonstrationen das Gelingen der entscheidenden Operationen wahrscheinlicher machen, ihre Ausführung sicher stellen.

Auf jedem Punkte einer Operationslinie, den man erreicht hat, befindet man sich in einem verschiedenen Verhältnis zum angestrebten Ziel. Man soll dies beständig im Auge haben, der Feind aber soll es möglichst wenig erkennen. Deshalb können mit Vortheil frühere Abschnitte einer Operation, deren spätere direct zum Ziel führen, den Charakter von Demonstrationen annehmen.

Oertliche Punkte, welche demjenigen, der sie besetzt, die Vollendung einer Operation sichern oder ihm gestatten, die Vollendung einer feindlichen Operation zu verhindern, heißen strategische Schlüssel.

Bei der Anlage der Operationen im Großen geht die Absicht des politischen Angreifers, der es eben darum auch militärisch sein will, auf das Eindringen in das feindliche Land; die allgemeine Richtung seiner Operationen ist daher die vorläufige. Die Absicht des politischen Vertheidigers geht auf einen Gegenstoß aus dem Innern gegen die Grenzen des feindlichen Landes; auch die allgemeine Richtung seiner Operationen ist vorläufig. Innerhalb dieser allgemeinen Bestimmung treten aber besondere ein, welche die Operationen im Großen in Operationsabschnitte zerlegen; diese letzteren erhalten ihren Charakter und ihre Beziehung je nach dem Verhältnisse, in welchem sie zur Schlacht stehen.

Diejenigen Operationsabschnitte, durch welche man die Schlacht sucht, heißen offensive Operationen, diejenigen, durch welche man der Schlacht ausweicht, heißen defensive Operationen.

Alle Gesetze, welche auf die Operationsabschnitte anwendbar sind, gelten auch für die Operationen im Großen. Für jene nimmt nur die ganze Reihe der Umstände eine bestimmtere Gestalt an. Bei jedem Operationsabschnitte kommt die gegenseitige Lage zweier bestimmten Heere, mit bestimmten Basirungen, mit bestimmten Ausgangs- und Zielpunkten in Betracht; bei den Operationen im Großen und ihrer Anlage werden die möglichen militärischen Kräfte zweier Länder, die ganze Räumlichkeit, auf welcher dieselben vertheilt sind, die Entwicklung der Landesgrenzen, innerhalb deren verschiedene Basirungen möglich sind, die wichtigen Punkte der Staaten, welche als Objecte und Subjecte dienen können, in Erwägung genommen.