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Alltagsleben
Quartier

Die in den Napoleonischen Armeen gängige Praxis der Einquartierung bei Zivilisten wird sehr anschaulich vom württembergischen Leutnant von Koenig beschrieben:

Den 2. April [1812] kamen wir in die Nähe von Leipzig, wo wir 8 Tage rasteten. Ich kam mit meinem Zuge nach Groß-Döltzig bei Schkeuditz und wurde ins Pfarrhaus einquartiert. Ohne daß ich es wußte, hatte der quartiermachende Officier im Dorfe und also auch im Pfarrhaus gute Verpflegung eingeschärft. Als ich, nachdem wir im Dorfe aufmarschiert waren und die Quartierbillette unter der Mannschaft verteilt wurden, fragte, wohin ich komme, trat Herr Pfarrer Burman vor und lud mich ein ihm in sein Haus zu folgen. Er führte mich, nachdem ich, die Hauptsache für einen Reiter, von dem Pferdestalle Einsicht genommen hatte, in das für mich bestimmte Zimmer und fragte, wann ich zu speisen befehle. Ich erwiderte, wie ich nicht anders annahm, als daß ich mit ihm und seiner Familie zur gewohnten Stunde esse. Zu Tisch gerufen, empfing mich die Frau Pfarrerin, eine schöne und wie sich bald zeigte sehr freundliche Frau, etwas ernsthaft und die sechs Kinder, die bei Tisch essen durften, betrachteten mich mit großen Augen. Mein Platz war oben am Tische, rechts der Pfarrer, links seine Frau, neben mir eine Flasche Wein. Da ich diesen unberührt ließ und um Wasser bat, so sprach mir der Pfarrer zu und bemerkte auf meine Erwiderung, daß ich keinen Wein trinke, nur etwas erstaunt: So, Sie trinken keinen Wein?! Ich wußte wohl, worin die gewöhnliche Kost in einem Pfarrhause besteht. Als daher nach dem Gemüse eine weitere Speise aufgetragen wurde, dankte ich dafür und fragte die Frau Pfarrerin, ob sie alle Tage so essen, denn ich hatte bis dahin bereits bemerkt, daß beide einige Male fragende und erstaunte Blicke gewechselt hatten. Sie mußte zugestehen, daß dies nicht der Fall sei, und der Herr Pfarrer fügte hinzu, sie wollten nicht leugnen, daß ihnen bange auf mich gewesen sei, weil ihnen der Quartier machende Officier Wein und Kaffee besonders habe einschärfen lassen. Daher ihr Erstaunen. Ich versicherte ihnen nun, daß ich auch keinen Kaffee trinke - bei der damaligen Napoleonischen Continentalsperre ein sehr teurer Artikel -, sondern zum Frühstück um eine Wassersuppe bitte und so lange ich bei ihnen sei, keine Speise berühren werde, die sie meinetwegen machen ließen. Durch diese Erklärung wurde ich aus dem gefürchteten der freundlichst willkommene Gast und das besonders bei den Kindern, weil ich die Knaben auf meinen Pferden reiten ließ und mich den ganzen Tag bei der Familie aufhielt.