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Quellen
Jügel / Wolf
Preussen 1813-17

In der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt befinden sich 10 Hefte zu jeweils 6 Tafeln aus dem ab etwa 1813 herausgegebenen Werk Abbildung der neuen Königl. Preuß. Armee-Uniformen. Die Serie bestand aus insgesamt 60 Tafeln, die von Ludwig Wolf (nach der Natur) gezeichnet und von Friedrich Jügel gestochen wurden. Diese Tafelserie stellt eine außergewöhnliche Quelle dar, da sie in detaillierter Form die Neuuniformierung der preußischen Armee nach der Niederlage von 1806 zeigt - und zwar für jede Einheit mit der Darstellung mehrerer Chargen. Sie ist daher zur Beurteilung des Sollzustandes im äußeren Erscheinungsbild der preußischen Armee für die Zeit der Befreiungskriege von überaus großem Wert.

Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt.

Ich möchte hiermit ausdrücklich Oliver Schmidt danken, der die folgende, eingehende Analyse der für die Preußische Armee einzigartigen Bilderserie erstellt hat. Die einzelnen Hefte sind über einen entsprechenden Link aufzurufen - die dann aufgerufenen Unterseiten führen in übersichtlicher Form sowohl die Tafeln als verkleinerte Darstellungen - durch Klicken auf die Verkleinerung kann diese vergrößert werden - als auch den Kommentar Oliver Schmidts.

Allgemeine Bemerkungen

Der Wert der Tafeln von Wolf und Jügel liegt vor allem in der überaus detailgenauen Wiedergabe von Uniformen und Ausrüstung, trotz weniger Fehler, wie der Säbeltasche des 1. Leib-Husaren-Regiments (Tafel 26) oder den Aufschlagspatten des Garde-Schützen-Bataillons (Tafel 56).
Auch die Säbel- und Degenquasten (im Gegensatz zu den stets korrekt abgebildeten silbernen Portepees der Offiziere) sind fast überall nachlässig behandelt und zumeist unkoloriert geblieben. Nach der A.K.O. (Allerhöchsten Kabinetts-Ordre) vom14. November 1808 sollten zwar die 1. Kompanie des 1. Bataillons jedes Infanterie-Regiments einschließlich der Garde und die 1. Eskadron jedes Kürassier- und Dragoner-Regiments vollständig weiße Säbel- bzw. Degenquasten am weißen Band tragen, doch sind zum Beispiel auf den Tafeln 10, 28, 38 und 40 auch die Säbelquasten der Grenadiere und Füsiliere fälschlicherweise völlig weiß wiedergegeben. Weitere in ihrer Farbzusammenstellung für die dargestellte Einheit bislang unbekannte Säbelquasten finden sich auf den Tafeln 20, 26 und 52.
Dafür zeigen uns Wolf und Jügel die anderswoher nicht bekannten Uniformen der Tambours und Hautboisten beim Berliner Kadetten-Korps (Tafel 20).
Sehr interessant für den Forscher sind ebenso kleinere, ansonsten unbekannte Details wie der Räumnadelbeschlag eines Kanoniers (Tafel 14), die Farbe eines Trommelreifs (Tafel 20), das Paradezaumzeug eines Offiziers vom Brandenburgischen Husaren-Regiment (Tafel 21), die Trageweise des Spatens der Pioniere (Tafel 30) oder die Schabracke eines Stabsoffiziers der Infanterie (Tafel 37).
Für nützliche Hinweise danke ich Martin Klöffler.

Zur Datierung

Das Allgemeine Lexikon der bildenden Künstler, München, 1992, datiert die Tafelserie auf 1812 bis 1814 (Bd. 19, S. 213 f,), bzw. 1812 bis 1817 (Bd. 36, S. 292). Letzteres ist jedenfalls richtiger, da die Abbildungen in Heft 10 frühestens aus dem November 1816 stammen können.
Die frühesten Abbildungen stammen aus der Zeit nach der Einführung der Brustriemen am Tornister Ende 1810 und vor der Einführung der vor der Einführung des neuen Tressenbesatzes auf den Achselklappen der Lieutenants am 18. Juni 1812, eine sogar, falls kein Fehler des Zeichners oder Koloristen vorliegt, aus der Zeit zwischen Februar und Mai 1810 (Tafel 30).
Sicherlich verging zwischen Zeichnen, Stechen, Kolorieren und Veröffentlichen einer Tafel eine gewisse Zeit, und wahrscheinlich hatten Künstler und Verleger beim Erscheinen des ersten Heftes schon Vorarbeiten für weitere Hefte in petto. Möglicherweise wurde auch bei ein oder zwei Heften für einzelne Tafeln auf bereits „veraltete“ Vorarbeiten zurückgegriffen, zum Beispiel in Heft 5 bei Tafel 30, oder in Heft 7 bei den Tafeln 41 und 42.
Die Uniformen der Hefte 1 bis 5 sind im Grundzug diejenigen, die durch die beiden A.K.O.s vom 23. Oktober 1808 eingeführt worden waren und die das Aussehen der vorschriftsmäßigen Uniformen in der preußischen Armee bis zum Ende des Feldzuges 1814 bestimmten, auch wenn es im Laufe der Jahre zahlreiche Ergänzungen und Abwandlungen in Details gab. Die während der Befreiungskriege tatsächlich getragenen Uniformen und Notbehelfe bilden natürlich ein eigenes, riesiges Kapitel für sich.
Heft 6 gibt mit Freikorps und Landwehr drei im Jahre 1813 zur Ergänzung der regulären Armee aufgestellte Truppenteile, in sicherlich idealisierender Darstellung ohne Zeichen von Abnutzung und Verschleiß durch die Härten des Feldzugs. Da die am 25. April 1814 gestiftete Kriegsdenkmünze fehlt und die Lützower Jäger-Eskadron am 30. April 1814 aufgelöst wurde, ist eine Datierung vor dem Friedensschluß 1814 wahrscheinlich, möglicherweise sogar schon Anfang oder Mitte 1813, als das Interesse an Landwehr und Freikorps noch frisch war.
Heft 7 läßt sich, falls die Tafeln 41 und 42 bei Erscheinen noch aktuell waren, um die Jahreswende 1814/1815 datieren, zwischen Dezember und Februar. Beginnend mit diesem Heft tragen alle abgebildeten Soldaten zwischen den oberen beiden Knöpfen auf der Brust die Kriegsdenkmünze am orangefarbenen, schwarz-weiß eingefaßten Band. Auch die Kürassiere (Tafeln 51 und 52) verzichten nicht darauf, diese am 25. April 1814 gestiftete Medaille für alle preußischen Kombattanten der Feldzüge 1813 und 1814, später auch 1815, offen zu zeigen.
Heft 8 datiert wohl aus dem Anfang des Jahres 1816, um das Interesse an den am 13. November 1815 neugebildeten Garde-Landwehr-Bataillonen auszunutzen.
Heft 9 zeigt, folgt man den Abzeichenfarben der Infanterie, Uniformen nach dem 9. Februar 1816 und vor dem 25. März 1817. Die Benennung der Regimenter deutet auf die Zeit vor der A.K.O. vom 5. November 1816.
Heft 10 kann wegen der Benennung der Regimenter mit Nummern frühestens aus dem November 1816 stammen.

Zur Bezeichnung der Truppenteile

Die auf den Tafeln gestochenen Namen der Truppenteile sind nicht immer die offiziellen, sondern manchmal die wahrscheinlich umgangssprachlich üblichen, so zum Beispiel bei den Tafel 1 und 2 die veraltete Bezeichnung „1. Bataillon Garde“, oder bei den Tafeln 17 und 18 „Normal-Husaren-Eskadron“ statt dem korrekten Normal-Garde-Husaren Eskadron.

Preußische Uniformen 1810 nach Jügel/Wolf (Titelblatt 1. Heft)

Heft 1

(Tafel 1-6)

Preußische Uniformen 1810 nach Jügel/Wolf (Titelblatt 2 Heft)

Heft 2

(Tafel 7-12)

Noch unkommentierte Tafeln 13-60

Benutzte Literatur

  • v. Ardenne, Armand Freiherr. Geschichte des Zieten'schen Husaren-Regiments. Zweite Auflage, Berlin 1905.
  • v. Besser, Alfred. Geschichte des Garde-Schützen-Bataillons während der ersten 75 Jahre seines Bestehens. Zweite Auflage, Berlin, 1898.
  • Beutner, [Friedrich Wilhelm]. Die Königlich Preußische Garde-Artillerie, insbesondere Geschichte des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments und des 2. Garde-Feld-Artillerie-Regiments. Erster Band [bis 1863], Berlin, 1889. [Zweiter Band: Berlin, 1894].
  • v. Bonin, Udo. Geschichte des Ingenieurkorps und der Pioniere in Preussen. Erster Band, Berlin, 1877.
  • Bothe, Heinrich. Geschichte des Thüringischen Ulanen-Regimentes Nr. 6. Berlin, 1865.
  • Brecht, C. Geschichte des 3. Brandenburgischen Landwehr-Regiments Nr. 20. Berlin, 1864
  • Geschichte der Organisation der Landwehr in der Kurmark nebst den drei Vorpommerschen Kreisen und in der Neumark im Jahre 1813. Beiheft zum Militair-Wochenblatt für das 1ste und 2te Quartal 1857. Berlin, 1857.
  • v. Horn, [Arthur]. Geschichte des Königlich Preußischen Leib-Infanterie-Regiments. Berlin, 1860.
  • von Jagwitz, Fritz. Geschichte des Lützowschen Freikorps. Nach archivalischen Quellen bearbeitet. Berlin, 1892.
  • Jany, Curt. Geschichte der Königlich Preußischen Armee. Vierter Band: Die Königlich Preußische Armee und das Deutsche Reichsheer 1807 bis 1914. Berlin 1933.
  • Mackensen. Schwarze Husaren. Geschichte des 1. Leib-Husaren-Regimentes Nr. 1 und des 2. Leib-Husaren-Regimentes Kaiserin Nr. 2. Erster Band, Berlin 1892.
  • [Mila, A.] Geschichte der Bekleidung und Ausrüstung der Königlich Preußischen Armee in den Jahren 1808 bis 1878. Zugleich eine Ergänzungsschrift der Uniformirungs-Liste des Deutschen Reichs-Heeres. Berlin, 1878.
  • Pietsch, Paul. Die Formations- und Uniformierungs-Geschichte des preußischen Heeres 1808-1914. Band 1: Fußtruppen (Infanterie, Jäger und Schützen, Pioniere) und deren Landwehr. Band 2: Kavallerie, Artillerie, Train und deren Landwehr, Generalität, Generalstab u. a. 2 Bde., 2. vermehrte Auflage, Hamburg 1963-1966.
  • Das Preussische Heer der Befreiungskriege. Band 1: Das Preußische Heer im Jahre 1812. Urkundliche Beiträge und Forschungen zur Geschichte des Preußischen Heeres, Hefte 21-25. Band 2: Das Preußische Heer im Jahre 1813. Urkundliche Beiträge und Forschungen zur Geschichte des Preußischen Heeres, Hefte 26-30. Band 3: Das Preußische Heer in den Jahren 1814 und 1815. Urkundliche Beiträge und Forschungen zur Geschichte des Preußischen Heeres, Hefte 31-35. 3 Bde., Berlin, 1912-1914 [1920].
  • von Reinhard, Carl. Geschichte des Königlich Preußischen Ersten Garde-Regiments zu Fuß zurückgeführt auf die historische Abstammung des Regiments vom 1. Bataillon Leibgarde, dem Regiment Garde und dem Grenadier-Garde-Bataillon. 1740-1857. Potsdam, 1858.
  • v. Rentzell, [Dagobert]. Geschichte des Garde-Jäger-Bataillons. 1808 bis 1888. Nebst einem Anhang: Die 1. Kompanie des I. Reserve-Jäger-Bataillons im Feldzuge 1870/71. Berlin, 1889.
  • [Scherbening und v. Willisen]. Die Reorganisation der Preußischen Armee nach dem Tilsiter Frieden. Erster Band: Die Jahre 1806 bis 1808, mit einem Beitrag zur früheren Geschichte des Generalstabes. Beiheft zum Militair-Wochenblatt vom Oktober 1854 bis einschließlich Juni 1855; vom Mai bis einschließlich Dezember 1856 und vom Juli bis einschließlich Dezember 1862. Zweiter Band: Vierter Abschnitt. Die Jahre 1809 bis 1812. Beiheft zum Militair-Wochenblatt für August 1865 bis einschließlich Oktober 1866. 2 Bde., Berlin, 1862-1866.
  • Soehlke, Ernst. Das Dragoner-Regiment Ansbach. 1. Brandenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 2. 1689-1896. Ein Beitrag zur Geschichte der Dragoner. Berlin, 1896.
  • Windsheimer, Bernd A. Me fecit Potzdam. Altpreußische Blankwaffen des 18. Jahrhunderts. Das Altpreußische Heer, Erscheinungsbild und Wesen, 1713 - 1807, Teil IV, Band 9. Bissendorf 2001.