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Biberach 1796
Emigranten Condé

Franzosen gegen Franzosen kĂ€mpfen zu sehen, war an fĂŒr sich ein seltenes Schauspiel. Denn nur ausnahmsweise ließen sich Franzosen fĂŒr fremde Dienste zum Kampf gegen das eigene Vaterland anwerben. Nur eine so außerordentliche UmwĂ€lzung, wie sie die französische Revolution von 1789 mit sich brachte, welche die Vorrechte des Adels vernichtete und deren GĂŒter einzog, konnte einen solchen Bruderkampf zur Folge haben. Der König und die Königin waren bereits die ersten unglĂŒcklichen Opfer der französischen Revolution geworden. Die ĂŒbrigen Prinzen des königlichen Hauses hatten nur durch sofortige Flucht ihr Leben retten können. Die Offiziere, welche der Meuterei ihrer Regimenter entrannen, die Adeligen, welche die Wut der Empörung von ihren Besitzungen vertrieb, sie alle versammelten sich, soweit sie nicht in dem Krieg der VendĂ©e und der Chouans in der Bretagne ihre KrĂ€fte dem König weihten, um die flĂŒchtigen königlichen bourbonischen Prinzen.

Einer von diesen, Louis Joseph Prinz de CondĂ©, vierter Enkel des großen CondĂ© und Herzogs von Enghien, dem Sieger von Rocroi 1643 und von Allerheim 1645 (berĂŒhmte Schlachten des DreißigjĂ€hrigen Krieges), selbst kriegerisch bewĂ€hrt durch seinen Sieg bei Friedberg, ĂŒber den Erbprinzen von Braunschweig am 30.August 1762 ĂŒbernahm die Organisation der sich sammelnden Adligen, königstreuen Offiziere und Soldaten. Britische Gelder unterstĂŒtzen den Prinzen von CondĂ© hierbei auf das wirksamste. 1791 wurden die ersten Emigrantenformationen jenseits des Rheins, in Koblenz, Trier und Rastatt von Prinz CondĂ© aufgestellt. Das anfangs kleine Emigrantenkorps diente unter dem Oberbefehl des österreichischen Generals der Kavallerie Graf von Wurmser in der kaiserlich-österreichischen Oberrhein-Armee und begrĂŒndete seinen Waffenruhm unter Österreichs Fahnen, bereits am 1. Dezember 1793 in dem Gefecht von Berstheim im Elsaß durch beispiellose Tapferkeit und Bravour. Unter dem berĂŒhmten Namen CondĂ© hatten sie sich vereinigt, um König Ludwig XVI. zu rĂ€chen, und fĂŒr seinen Nachfolger Ludwig XVIII. zu kĂ€mpfen. Um die französischen Royalisten von den ĂŒbrigen alliierten Truppen zu unterscheiden, wurden diese angewiesen eine weiße Kokarde und eine weiße Armbinde mit der schwarzen Lilie (Als Zeichen der Trauer) am linken Arm zu tragen. Interessant ist hierbei auch zu bemerken, daß die CondĂ©er tapfere Soldaten waren, die ihre Verwundeten immer vom Schlachtfeld aufsammelten und mit sich fĂŒhrten, da sie gegen ihre republikanischen Landsleute im Kampf auf verlorenem Posten standen. Im Falle einer Gefangennahme durch republikanische französische Soldaten wurde nĂ€mlich jeder CondĂ©er, wegen Hochverrats an der Republik Frankreich, standrechtlich erschossen.

Die unter verschiedenen klangvollen Namen formierten Unterabteilungen des Korps CondĂ© zĂ€hlten hunderte und mehr adlige Offiziere, dagegen außerordentlich wenig gewöhnliche Mannschaften unter dem Gewehr. Die GesamtstĂ€rke des CondĂ©eschen Korps sollte ursprĂŒnglich 8.000 Mann betragen haben, doch scheint die meist ĂŒberlieferte Zahlenangabe von 5.300 Mann mit 3.500 Pferden nie ĂŒberschritten worden sein. Der Kern des Korps CondĂ© setzte sich im Feldzug von 1796 aus zwei Bataillonen „Infanterie noble“ zusammen. Diese beiden Bataillone nur aus Adeligen und vormaligen Offizieren bestehend, hatte eine StĂ€rke von etwa knapp 2.500 Mann. Desweiteren kamen etwa 700 Reiter der „Cavallerie noble“ dazu, ebenfalls nur Adelige. Das gleiche galt von den „Chevaliers de la Couronne“ und der „Eskadron des Dauphin“ jeweils mit weiteren 300 Reitern. Ferner gab es sechs Kompanien Infanterie, welche Boniface de Riquetti Vicomte de Mirabeau, der Bruder des berĂŒhmten französischen Redners, aufgestellt hatte. Außer der Mirabeau-Infanterie gab es noch Mirabeau-Husaren und –Ulanen. Zu den glĂŒhensten und begeistertsten AnhĂ€ngern der Bourbonen, zĂ€hlte das deutsche FĂŒrstenhaus der Hohenlohe, welche ein Regiment von 600 Mann unter Prinz CondĂ©s Befehl stellten. Zwei Prinzen des Hauses Hohenlohe kommandierten in demselben als höhere Offiziere. Es waren dies Prinz Ludwig von Hohenlohe-Bartenstein als Befehlshaber der JĂ€ger (Chasseurs ĂĄ Pied), und Prinz Karl von Hohenlohe-SchillingsfĂŒrst als Befehlshaber der FĂŒsiliere. Prinz Ludwig von Hohenlohe-Bartenstein wurde unter der französischen Restauration sogar mit dem Marschallsstab von Frankreich belohnt.

Die AufzĂ€hlung des Korps CondĂ© zeigt uns, daß seine Zusammensetzung zwischen 1793-1797 eine sehr gemischte war; die Regimenter Mirabeaus, Rohans und Salms trugen fast den Charakter von Freikorps. Bei ihnen befand sich viel geworbenes Volk aus der Fremde, darunter viele Abenteurer und Söldner. Auf Rechnung dieser sind manche Ausschreitungen zu setzen, ĂŒber welche in den Aufzeichnungen aus jenen Tagen manchmal geklagt wird. Dazuhin kamen die CondĂ©er nicht als Hilfesuchende und Schutzflehende aus ihrem Heimatland vertriebene Franzosen auf deutschen Boden, sondern meist als gnĂ€dige Herren, die gewohnt, den BĂŒrgern zu ihren FĂŒĂŸen zu sehen, sich auch hier erkoren rĂŒcksichtslos den Gebieter zu spielen. Mit brutaler Gewalt unter Mißhandlungen aller Art nahmen sie den Bewohnern ihr Habe ab und nur auf österreichischem Boden, als dem der eigentlichen Schutzmacht benahmen sie sich vorsichtiger,  so daß wirkliche Gewalttaten dort kaum vorkamen. Schon im FrĂŒhjahr 1796 warfen die kriegerischen Ereignisse ihre Schatten auch in Oberschwaben voraus. Die Truppen des Prinzen CondĂ© zogen durch Oberschwaben und verbreiteten Angst und Schrecken in der Bevölkerung, obwohl sie VerbĂŒndete der Koalition waren. Sollte doch angeblich kein MĂ€dchen vor ihnen sicher sein, keine GeldmĂŒnze im Schrank, kein Hahn im Hof, kein Dach vor seinem roten Zunder. Weit hinein in das Land stĂŒrmten die Glocken wenn es hieß „Die CondĂ©er kommen!“ Nicht umsonst hat sich noch bis heute im Volksmund abwertend der Begriff „Konde“ aus dieser Zeit erhalten.

Jedoch muß man den CondĂ©ern zugute halten, daß ihre Haltung im Kampf mit Respekt angesehen werden darf. Die CondĂ©er waren gefĂŒrchtet als DraufgĂ€nger und ohne Gnade sowie erbitterte Feinde der französischen Revolutionstruppen. Daß sie einen hohen Kampfwert besaßen zeigen die Beispiele in den Gefechten und Schlachten von Kammlach am 11. August 1796, Steinhausen und Biberach 30. September und 2. Oktober 1796, bei Schliengen am 24. Oktober 1796 und die Verteidigung von Konstanz am 7. Oktober 1799. Jedoch ließen sie sich manchmal auch rĂ€uberische und erpresserische Exzesse zu schulden kommen und war daher weitgehendst unbeliebt. Dennoch hielt Prinz CondĂ© jedoch auf eine strenge Zucht seiner Truppen.

Prinz Louis Joseph von Condé

Prinz CondĂ© wurde am 9. August 1736 als Sohn des Prinzen Louis Henry de CondĂ© und der Prinzessin Caroline von Hessen in Versailles geboren. Bereits im Alter von vier Jahren wurde der junge CondĂ© ehrenhalber zum Gouverneur von Burgund ernannt. Mit siebzehn Jahren trat der französische Prinz in den französischen Heeresdienst ein. Im Jahr 1757 nahm er wĂ€hrend des SiebenjĂ€hrigen Krieges (1756-1763) am Feldzug gegen Preußen teil, und siegte in dem Gefecht bei Friedberg in Hessen ĂŒber die Truppen des Erbprinzen von Braunschweig. Prinz CondĂ© erkannte sehr bald die Mißwirtschaft, die von sehr vielen Leuten in Frankreich betrieben wurde. CondĂ© war einer derjenigen welche  eine rasche Parlamentsreform verlangten. Im Juli 1789 vertrieb auch in die Revolution aus Frankreich. ZunĂ€chst floh er nach BrĂŒssel dann nach Turin. Ab 1791 weilte der alternde Prinz in Koblenz und stellte dort ein Freikorps, das berĂŒhmt-berĂŒchtigte Emigrantenkorps CondĂ© im Kampf gegen das revolutionĂ€reFrankreich auf. CondĂ© erhielt in der österreichischen Armee den Rang als Feldmarschall-Leutnant. Er zeichnete sich mit seinem Korps von 1793 bis 1795 unter Marschall Wurmser am Oberrhein besonders aus. 1796 focht er in SĂŒddeutschland, wo CondĂ©s Korps  mitunter bei Kammlach und Biberach sowie Schliengen schwere Verluste erlitt. Nach dem Frieden von Campo Formio trat der Prinz samt einem Großteil seines Emigrantenkorps, welches damals etwa zwei Divisionen umfaßte, vorĂŒbergehend in russische Diente ĂŒber. WĂ€hrend des Zweiten Koalitionskrieges verteidigte er mit seinem Korps am 7. Oktober 1799 Konstanz am Bodensee gegen eine französische Division MassĂ©nas. Nach der Schlacht bei Hohenlinden im Dezember 1800 flĂŒchtete CondĂ© in die Steiermark und mußte sein Korps gemĂ€ĂŸ den Friedensvereinbarungen von LunĂ©ville auflösen. Er begab sich daraufhin nach England und fĂŒhrte dort ein sehr bescheidenes Leben. Erst am 4. Mai 1814 kehrte CondĂ© nach Paris zurĂŒck, und erhielt sofort wieder einen Teil seiner GĂŒter und auch sein Schloß Chantilly zurĂŒck, wo er am 13. Mai 1818 verstarb.

PortrÀt des jungen Herzogs von EnghienLouis-Antoine-Henri de Bourbon-Condé, Herzog von Enghien

Der Herzog von Enghien wurde am 22. August 1772 in Chantilly als Sohn von Louis Henry Joseph Prince de CondĂ©, Herzog von Bourbon (1756-1830) geboren. Er war der Enkel des Prinzen Louis Joseph de CondĂ©. Im Jahr 1789 emigrierte er mit seiner Familie ins Ausland und trat danach in das Emigrantenkorps seines Großvaters ein. Als junger Offizier und ReiterfĂŒhrer konnte sich der Herzog von Enghien von 1792 bis 1801 im Korps CondĂ© besonders durch seine Tapferkeit auszeichnen. Nach der Auflösung des Emigrantenkorps 1802 nahm Enghien in Ettenheim im Badischen seinen Wohnsitz und heiratete Prinzessin Charlotte die Nichte des Kardinals Rohan. Er war Napoleon als besonders scharfer Gegner seiner Thronbesteigung bekannt geworden. Als Angehöriger des Herrscherhauses der Bourbonen unterstellte Napoleon dem Herzog von Enghien Putschabsichten und ließ ihn durch seine Soldaten ohne triftigen Grund oder Beweise am 15. MĂ€rz 1804 aus Ettenheim entfĂŒhren und verhaften. Aufgrund haltloser Denunziationen wurde der Herzog von Enghien durch ein Kriegsgericht verurteilt und in Vincennes am 21. MĂ€rz 1804 standrechtlich erschossen. Dies Tat Napoleons empörte damals ganz Europa.