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Biberach 1796
Moreaus Rückzug

Moreau leitet den Rückzug ein

Während der Kämpfe um Würzburg war Moreau in Bayern weitgehend inaktiv geblieben. Auch Feldzeugmeister Graf Latour, der zwar einige Bataillone und Eskadronen Verstärkungen aus Innerösterreich und Galizien erhalten hatte, konnte aufgrund seiner numerischen Unterlegenheit nur eine defensive Haltung einnehmen. Aber die schwere Niederlage Jourdans in der Schlacht von Würzburg und sein Rückzug an den Niederrhein Anfang September 1796 ließ Moreaus vorgeschobene Position in Bayern schließlich unhaltbar werden. Zu spät war Moreau der Sambre-Maas-Armee mit den Korps Desaix und Gouvion Saint-Cyr Anfang September nach Norden zu Hilfe geeilt. Zwar war es ihm am 1. September bei Geissenfeld (ca. 15 km südöstlich von Ingolstadt) nochmals gelungen, die von Neumarkt auf das südliche Donauufer zurückgekehrten Truppenteile des Generalmajors von Nauendorf und einige Einheiten Latours zu schlagen, doch der Druck auf Moreau wuchs ab Mitte September zunehmend. Da Moreau annahm daß Erzherzog Karl nach dem ungeordneten ja fast fluchtartigen Rückzug Jourdans an den Niederrhein nun alle frei verfügbaren Streitkräfte ihm entgegenwerfen und die Schwarzwaldpässe in seinem Rücken sperren würde, war er nun gewzungen, den Befehl zum Rückzug aus Bayern zu geben, wenn er seine Armee retten wollte. An eine erneute Offensive war unter diesen Umständen überhaupt nicht mehr zu denken. Moreau gab am 15. und 16. September schließlich den Befehl zum allgemeinen Rückzug und ging am 19. September über den Lech zurück.

Der österreichische Gegenangriff Mitte September 1796

Nachdem Moreau den Befehl zum Rückzug gegeben hatte, entschloß sich Latour trotz seiner zahlenmäßigen Unterlegenheit zur Gegenoffensive, und folgte dem abziehenden Gegner nach. Auch Generalmajor Graf von Nauendorf und Feldmarschall-Leutnant Fröhlich erhielten die Weisung nun zum allgemeinen Angriff überzugehen. Fröhlich, der unter sich die im Allgäu verbliebenen österreichischen Truppen kommandierte, eröffnete am 14. September gegen die Division Delaborde vom rechten Flügelkorps Ferino eine erfolgreich Offensive. Über Isny und Memmingen wurde die französische Division Delaborde bis zum 22. September hinter Ravensburg zurückgeworfen. Außerdem waren Mitte September auf Befehl des Erzherzog Karl österreichische Truppen unter Feldmarschall-Leutnant Freiherr Franz von Petrasch (1746-1820) im Rücken Moreaus aufgetaucht. Nach der Schlacht von Würzburg hatte der Erzherzog seinen Oberst Graf Maximilian von Merveldt (1764-1815) beauftragt, mit 11 Eskadronen nach der Festung Mannheim zu eilen und sich dort unter das Kommando von Petrasch zu begeben. Gemeinsam mit 9 Bataillonen von der Garnison von Mannheim sollten Petrasch und Merveldt gemeinsam das Rheintal von französischen Truppen säubern und die Verbindung Moreaus mit Frankreich unterbrechen (Die österreichische Garnison von Mannheim wurde wiederum mit Truppen aus Mainz ergänzt.). Am 18. September erreichten Petraschs Truppen Kehl, nachdem sie die wenigen französischen Truppen unter Brigadegeneral Marc- Armand-Elyseé Scherb (1747-1836) vor sich her getrieben hatten. Es gelang Petrasch aber anschließend nicht, den französischen Brückenkopf von Kehl zu erobern. So mußten einige österreichische Bataillone zur Beobachtung von Kehl zurückbleiben, während der schwache Rest (6 Bataillone und 14 Eskadronen) Ende September die wichtigsten Schwarzwaldpässe besetzte und versuchte, mit Feldzeugmeister Graf Latour in Oberschwaben Kontakt aufzunehmen.

Der Aufstand der Landbevölkerung im Hinterland

Den Österreichern kam dabei zu Hilfe, daß die Franzosen während des Sommers 1796 die Gegenden Südwestdeutschlands systematisch zur Ernährung und Bezahlung ihrer Armee ausplünderten. Nachdem die kleinen Staaten des Schwäbischen Reichskreises im August 1796 mit den Franzosen verschiedene Waffenstillstände unterzeichnet hatten, mußten sie horrende Kontributionen zur Unterhaltung der Rhein-Mosel-Armee aufbringen. Diese Kontributionen lasteten schwer auf der Bevölkerung. Viele Landesbewohner waren daher im September 1796 bereit, zu den Waffen zu greifen und mit den Österreichern gegen die Franzosen vorzugehen. Die Landesbewohner wurden aufgerufen im Landsturm, einer Art von Miliz, zu dienen. Der Landsturm machte etwa ab Mitte September 1796 die Straßen zwischen dem Oberrhein und Oberschwaben unsicher. Einzeln marschierende französische Soldaten, Versorgungs- und Artillerietrains, aber auch Verwundete, französische Soldatenfrauen und -kinder sowie Marketender wurden überfallen, ausgeraubt und manchmal sogar getötet. Das Land zwischen Oberrhein und Bodensee befand sich im offenen Aufstand gegen die Franzosen und die lokalen Behörden (darunter auch die vorderösterreichische Regierung) hatten die Aufständischen Ende September nicht mehr unter Kontrolle.

Der Rückzug Moreaus nach Oberschwaben

Inzwischen war am 12. September die selbständig agierende österreichische Division des Generalmajor Graf von Nauendorf mit 8 Bataillonen und 30 Eskadronen zusammen 9.500 Mann bei Neustadt wieder auf das nördliche (linke) Donauufer übergegangen hatte am 20. September Donauwörth besetzt und verfolgte nun das linke französische Flügelkorps unter Desaix. Zur gleichen Zeit hatte auch Feldzeugmeister Graf Latour mit seinem Truppenkorps die Verfolgung des französischen Zentrums unter Gouvion Saint-Cyr aufgenommen, bei welchem sich auch Moreau persönlich befand. Moreau erreichte mit dem Zentrum am 20. September die Schmutter, am 21. September die Mindel und am 22. September die Günz. Am 24. September traf das französische Zentrum unter Gouvion Saint-Cyr von Feldzeugmeister Latour weitgehend unbehelligt, an der Iller ein, während der linke Flügel unter Desaix auf dem linken Donauufer kurz vor Ulm stand.

Die Gefechte um Ulm und Desaix Übergang auf das südliche Donauufer

Die Desaix verfolgende österreichischen Division unter Generalmajor Graf von Nauendorf gelangte erst 24 Stunden nach Desaix vor Ulm an. Nauendorf warf am 24. September die unter dem Kommando des Brigadegenerals Montrichard (1760-1828) vor Ulm aufgestellten französischen Truppen in die Stadt zurück. Eine österreichische Abteilung kam hierbei bis nach Blaubeuren. Am 25. September zog Desaix durch Ulm, um nach Verstärkung der unter dem Brigadegeneral Eickemayer (1753-1825) stehenden französischen Garnison dieser Stadt und des Brückenkopfes bei derselben, sich mit den übrigen Truppen dem rechten Ufer der Blau entlang, mit dem rechten Flügel bei Ulm, dem linken bei Klingenstein aufzustellen. Er mußte diese Bewegung teilweise unter dem Artilleriefeuer Nauendorfs ausführen, und erlitt dadurch einige Verluste. Auch Ulm selbst wurde am Morgen des 25. September aus einer österreichischen Batterie beschossen, wodurch im unteren Stadtteil das Feuer ausbrach. Das Ulmer Heumagazin, der große Spitalstadel voller Früchte, der Gänseturm sowie 16 Häuser wurden ein Opfer des Feuers. Am 26. September machte die Besatzung von Ulm unter Führung von Eickemayers einen erfolglosen Ausfall und wurde zurückgeschlagen. Um Ulm vor größerem Schaden und Zerstörung zu bewahren ersuchte der Ulmer Stadtrat Divisionsgeneral Desaix die Stadt endlich zu räumen. Gegen eine Zahlung von 200.000,- Gulden Kontributionsgeldern war Desaix auch schließlich bereit dem Anliegen des Ulmer Stadtrates nachzukommen. Nachdem dann die Ulmer Bürger der geforderte Zahlung an Kontributionsgeldern nachkamen, zog Desaix mit seinen Truppen in der Nacht vom 26. auf den 27. September das nördliche Donauufer nach Ehingen hinab und ging dort auf das südliche Ufer der Donau über. Nauendorf dessen Truppen zu schwach waren um den Durchbruch des linken französischen Flügels zu verhindern, begnügte sich damit erst sechs Stunden nachdem der letzte französische Soldat Ulm verlassen hatte, in die Stadt einzurücken.

Die militärische Situation von Feldzeugmeister Graf Latour Ende September 1796

Nach dem 26. September hatte Moreau seine gesamte Rhein-Mosel-Armee für den Rückzug zwischen der Donau und dem nördlichen Bodenseeufer vereinigt, indem er nun auch den linken Flügel unter Desaix bei Ulm und Ehingen auf das südliche Donauufer herbeigezogen hatte. Noch hatte Moreau keine bedeutende Niederlage erlitten und seine Armee war intakt geblieben. Darüber hinaus besaß er gegenüber dem österreichischen Feldzeugmeister Graf Latour den Vorteil einer großen numerischen Überlegenheit. Seinen knapp verbliebenen 55.000 Mann konnte Latour nach offiziellen Angaben vom 22. September 1796 insgesamt nur etwa 46.700 Mann (46 Bataillone, 3 Kompanien und 90 Eskadronen) gegenüber stellen. Diese 46.700 Mann Latours waren darüber hinaus noch immer weit verstreut. Einige österreichische Bataillone, die Feldmarschall-Leutnant Fröhlich (insgesamt 15 Bataillone und 17 Eskadronen stark) bei seinem Angriff gegen die Division Delaborde zur Verfügung gestanden hatten und die noch zu den 46.700 Mann Latours zählten, durften leider Vorarlberg nicht verlassen, da sie organisatorisch zur kaiserlich-österreichischen Italienarmee zählten und als Reserve zur Deckung Tirols vorgesehen waren. Außerdem rückte Generalmajor Graf von Nauendorf mit seiner Abteilung (insgesamt 8 Bataillone und 30 Eskadronen stark) von Ulm aus auf dem nördlichen Donauufer vor, um möglichst schnell Kontakt mit dem östlich des Schwarzwaldes stehenden Feldmarschall-Leutnant Petrasch aufnehmen zu können. Auch Petraschs Truppen standen Ende September noch bei Rottweil und Villingen und konnten somit nicht in die folgenden Kämpfe in Oberschwaben eingreifen. So verblieben Latour zwischen dem Bodensee und dem südlichen Ufer der Donau Ende September 1796 einschließlich des ihm unterstellten französischen Emigrantenkorps Condé nur sein eigenes Hauptkorps in Stärke von 23 Bataillonen, 3 Kompanien und 43 Eskadronen (Rund 17.600 Infanteristen und 6.700 Kavalleristen) sowie die frei disponiblen Truppen Fröhlichs 11 Bataillone und 16 Eskadronen (7.700 Infanteristen und 2.600 Reiter gegen Moreau zur Verfügung. Insgesamt also nur 34 Bataillone, 3 Kompanien und 59 Eskadronen zusammen etwa 25.300 Infanteristen und 9.300 Kavalleristen.

27. und 28. September: Die gegnerischen Truppen sammeln sich

Feldzeugmeister Graf Latour hatte am 27. und 28. September mit seiner Hauptmacht die Iller bei Illertissen überschritten und folgte Moreau nach, der sich mit dem linken Flügel unter Desaix und dem Zentrum unter Gouvion Saint-Cyr bei Bad Buchau beiderseits des Federsees aufgestellt hatte. Der rechte Flügel unter Divisionsgeneral Ferino lag derweil weiter südlich in der Gegend um Ravensburg, entlang der Schussen von Bad Waldsee bis an das Nordufer des Bodensees. Die französische Nachhut kontrollierte am 28. September noch die Gegend zwischen dem Federsee und Biberach. Während die französische Rhein-Mosel-Armee konzentriert zwischen Bodensee und Donau lag, war die Stellung des Österreicher immer noch weitaus zerstreuter. Die mobile Division Graf von Nauendorfs agierte selbständig auf dem nördlichen Donauufer und sandte Kavalleriepatrouillen bis in die Gegend von Stuttgart und Tübingen aus, während die linke österreichische Flügelabteilung des Feldmarschall-Leutnants Fröhlich dem französischen rechten Flügel unter Ferino bei Ravensburg gegenüber stand. Nur das österreichische Hauptkorps der Oberrhein-Armee unter Graf Latours persönlichem Kommando lag am 28. September östlich von Biberach und konnte den Rückzug der Korps Desaix und Gouvion Saint-Cyr stören.

Moreaus Pläne

In Bad Buchau erfuhr Moreau am 27. September daß der österreichische Feldmarschall-Leutnant Petrasch mit seiner Division die Zugänge zum Schwarzwald versperrt hielt, und Scharen von aufgebrachten Bauern die Waldstädte besetzt hatten. Moreau mußte seinen Rückzug aufgrund der Niederlage Jourdans bei Würzburg und den Truppen Petraschs, die jederzeit Verstärkung von der bei Würzburg siegreichen kaiserlich-österreichischen Niederrhein-Armee erhalten konnten, im Rücken sowie den täglich stärker aufflammenden Unruhen in seinem Hinterland schnellstmöglich fortsetzen. Während sein rechter Flügel unter Ferino relativ ungestört von seiner Stellung bei Ravensburg am Nordufer des Bodensees entlang nach Westen marschieren konnte und das Zentrum unter Saint-Cyr gleichzeitig von Bad Buchau und Bad Schussenried aus die Straße westwärts über Saulgau-Mengen-Meßkirch nehmen konnte, mußte der linke Flügel unter Desaix beim Rückzug nach Westen aus seiner Stellung nördlich des Federsees entweder Saint-Cyr auf dem südlichen Donauufer nachfolgen oder bei Riedlingen wieder auf das nördliche Donauufer wechseln, da sich das Gebiet zwischen Donau und Bodensee westlich des Federsees stark verengt. Bei einem möglichen Rückmarsch von Desaix auf dem rechten Donauufer Richtung Mengen-Meßkirch hätte der österreichische Generalmajor Graf von Nauendorf relativ frei auf dem linken Donauufer operieren und eine schnelle Verbindung mit Feldmarschall-Leutnant Petrasch suchen können. Nur wenn Desaix bei Riedlingen wieder auf das linke Donauufer wechselte, konnte Moreau seine numerische Überlegenheit voll zur Geltung bringen, indem er eine möglichst breite Front abdeckte und einen Keil zwischen Petrasch und Nauendorf zu bilden versuchte. Ein Flußübergang im Angesicht des Feindes stellt aber immer ein erhöhtes Risiko dar und aus diesem Grund beschloß Moreau, seinen Verfolger Latour mit einem Gegenstoß seiner ihm zur Verfügung stehenden Truppen bei Biberach auf Distanz zu halten, um dann den linke Flügel unter Divisionsgeneral Desaix bei Riedlingen ungestört wieder auf das linke Donauufer wechseln zu lassen. Zunächst einmal verharrte Moreau daher am 29. und 30. September in seiner Stellung um den Federsee und bei Ravensburg entlang der Schussen.

Latours Pläne

Die Absichten des österreichischen Oberbefehlshabers sind weniger genau bekannt. Wie es scheint, war Latour aber davon überzeugt, daß sich die Franzosen auch zwischen dem 27. und 30. September auf dem Rückzug befanden und sich nach Westen absetzen wollten. Latour wollte seinem angeschlagenen, aber nicht besiegten Gegner auf den Fersen bleiben und ihm keine Ruhepause gönnen. Aber waren auch seine Truppen durch die vorherigen Kämpfe in Bayern arg mitgenommen, und alle seine Grenadier-Bataillone mußte er ja schon Ende August als Eliteformationen an Erzherzog Karl abgeben. Latours Divisionen und Brigaden bestanden meist nur noch aus einzelnen Bataillonen verschiedenster Regimenter, die darüber hinaus zum Teil nur noch eine Gefechtsstärke von 500 bis 700 Mann aufwiesen. Doch die Siege Erzherzog Karls bei Amberg und Würzburg, sowie die Erfolge gegen Delaborde beflügelten die Österreicher und gemeinsam mit Petrasch und Nauendorf hoffte Latour, die Franzosen so schnell als möglich über den Oberrhein drängen zu können. Schließlich würde die Bevölkerung Vorderösterreichs jeden Tag bejubeln, an dem sie nicht unter dem Joch der französischen Besatzung zu leiden hatte.

Gliederung der gegnerischen Armeen am 29. September

Am 29. September gliederte sich die österreichische Oberrhein-Armee unter Feldzeugmeister Latour wie folgt: Die Divisionen unter Feldmarschall-Leutnant Petrasch, Generalmajor Graf von Nauendorf sowie die Abteilung Feldmarschall-Leutnant Fröhlichs waren als eigenständige Korps zu betrachten und vom zukünftigen Schlachtfeld von Biberach zu weit entfernt, um in die kommenden Kämpfe eingreifen zu können. Die Erste Schlacht von Biberach wurde nur vom Hauptkorps der Oberrhein-Armee unter Latours Oberbefehl ausgefochten, das aus der Avantgarde unter seinem jüngeren Bruder Feldmarschall-Leutnant Graf Ludwig von Baillet* (3 Bataillone, 6 Kompanien und 12 Eskadronen), dem Schlachtkorps unter Feldzeugmeister Latour selbst (zwei Divisionen unter den Feldmarschall-Leutnants Freiherr von Kospoth und Feldmarschall-Leutnant Karl Aloys Fürst von Fürstenberg, mit insgesamt 12 Bataillonen und 12 Eskadronen) sowie einem österreichischen Detachment in Divisionsstärke unter Feldmarschall-Leutnant Karl Graf von Mercantin welches mit dem französischen Emigrantenkorps Condé vereint vorging (Insgesamt 7 ½ Bataillone und 19 Eskadronen). Auf französischer Seite griff der rechte Flügel Ferino trotz anderslautender Befehle Moreaus nicht in die Gefechte um Biberach ein, während das linke Flügelkorps unter Desaix mit den Divisionen Beaupuy und Sainte-Suzanne (21 Bataillone und 24 Eskadronen zusammen 16.500 Mann), sowie das Zentrum unter Gouvion Saint-Cyr mit den Divisionen Vandamme (Duhesme war im August vom Dienst abgelöst worden) und Taponier sowie die Reserve unter Divisionsgeneral Bourcier (24 Bataillone und 28 Eskadronen zusammen knapp 19.300 Mann), den Gegenstoß ausführen sollten.

*Anmerkung: Um die beiden Brüder besser unterscheiden zu können, wurde Feldzeugmeister Maximilian Graf Baillet de Latour stets nur ”Latour” genannt, während sein jüngerer Bruder nur unter dem Namen ”Baillet” bekannt war.

29. September: Vorstoß der österreichischen Avantgarde

Am 29. September erreichte die österreichische Avantgarde unter Feldmarschall-Leutnant Baillet (Biographie siehe Seite 38/Kapitel VIII.) die Reichsstadt Biberach an der Riß. Nach einem heftigen Vorpostengefecht besetzten die österreichischen Truppen die Stadt sowie die westlich des Flusses Riß liegenden Höhen um das Dorf Grodt. Feldzeugmeister Graf Latour bezog im Laufe des Tages mit der ankommenden Hauptmacht seines Schlachtkorps hinter der Avantgarde seines jüngeren Bruders eine Stellung in und um Biberach. Zur Sicherung seiner rechten Flanke zwischen dem Federsee und der Donau schickte Latour unter Kommando von Oberst Graf von Nostitz-Rieneck* einige Kompanien leichter Infanterie (Szekler-Grenzinfanterie) und vier Eskadronen von der Avantgarde gegen Ahlen, um die Straße von Riedlingen nach Biberach zu beobachten, da er den linken Flügel der Franzosen unter Desaix bereits in vollem Rückzug wähnte. An seiner linken Flanke befahl Latour der Division des Feldmarschall-Leutnants Mercantin (Biographie siehe Seite 38/Kapitel VIII.), bis nach Mühlhausen vorzurücken. Weiterhin beorderte Latour drei Bataillone vom Korps des Feldmarschall-Leutnants Fröhlich, welches am Nordufer des Bodensees stand, nach Wolfegg, um das Vorrücken seines eigenen Schlachtkorps zu unterstützen und die linke Flanke Mercantins zu decken. Allerdings unterließ Latour eine effektive Zusammenarbeit mit der Division unter Generalmajor Graf Nauendorf auf dem nördlichen Donauufer, was sich für die kommenden Ereignisse als schwerer Fehler erweisen sollte.

*Anmerkung: Johann Nepomuk Graf von Nostitz-Rieneck (1768-1840) war 1805 Generalmajor und kommandierte in der Schlacht von Austerlitz am 2. Dezember 1805 eine Kavallerie-Brigade. 1809 Feldmarschall-Leutnant befehligte Nostitz in den Schlachten von Aspern-Essling vom 21.-22. Mai 1809 bei Wagram vom 05.-06. Juli 1809 jeweils eine Division unter Erzherzog Karl. Während der Völkerschlacht von Leipzig vom 16.-19. Oktober 1813 hatte Graf von Nostitz die Befehlsgewalt über das österreichische Kürassierkorps.

30. September: Gefechte um Steinhausen – Baillet gegen Gouvion Saint-Cyr

Desaix und Gouvion Saint-Cyr verblieben mit ihren Truppen am 30. September ruhig in ihrer Stellung zwischen dem Bussen, dem „heiligen Berg der Schwaben“ und Bad Schussenried. Entgegen den Absichten Moreaus, der seine Armee konzentrieren wollte, entfernte sich die am 29. September noch bei Bad Waldsee liegende linke Division Ferinos unter Kommando von Brigadegeneral Jean-Charles Abbatucci (1770-1796) am 30. von Saint-Cyr in Richtung Ravensburg, da die äußerste rechte Brigade Ferinos unter Brigadegeneral Nicholas-Augustin Paillard (1765-1831) an diesem Tag bei Tettnang von Feldmarschall-Leutnant Fröhlich angegriffen wurde. Latour war nach wie vor überzeugt, daß sich die Rhein-Mosel-Armee auf dem Rückzug befand und keine weitere Gegenwehr leisten würde. Latour gab seinem Heer daher den Befehl zum allgemeinen Vorrücken: Sein jüngerer Bruder Baillet sollte mit der Avantgarde auf der Straße nach Bad Schussenried vorrücken. Das von Latour ausgesandte Detachment der Avantgarde am rechten Flügel unter Oberst von Nostitz sollte über Ahlen nach Westen marschieren und Mercantin von Mühlhausen Richtung Aulendorf vorgehen. Kaum hatte sich Baillet am Morgen des 30. auf der Straße nach Schussenried über Steinhausen vorgewagt, zogen sich die Vorposten der Division Duhesme* (Vom Zentrumkorps Gouvion Saint-Cyr) nach Westen zurück. Aber es war eine Finte! Ohne größere Vorsichtsmaßnahmen, geblendet vom leichten Erfolg seiner Truppen, rückte Baillet ungestüm auf der Straße nach Westen vor. Da wurde er mit voller Macht vom Zentrumskorps der französischen Rhein-Mosel-Armee unter Gouvion Saint-Cyr attackiert. Durch einen gefährlichen Gegenangriff der Brigade Lecourbe (Division Taponier) von Reichenbach in seine rechte Flanke wurde Baillet bis auf die Anhöhen vor  Steinhausen zurückgeworfen. Hier kam Baillet gegen 15 Uhr sein älterer Bruder Feldzeugmeister Graf Latour mit frischen Truppen des Schlachtkorps zu Hilfe. Gemeinsam behaupteten sie die Anhöhen in einem mörderischen Gefecht bis tief in die Nacht hinein.

*Anmerkung: Divisionsgeneral Philibert-Guillaume Duhesme (1766-1815) wurde aufgrund der Führung seiner Division in der Schlacht von Neresheim am 11. August 1796 von Moreau am 21. August 1796 vom Dienst suspendiert und im Kommando durch den brutalen und räuberischen Brigadegeneral Dominique-Joseph-René Vandamme (1770-1830) ersetzt. Die Division behielt aber wie es scheint nach wie vor den Namen ihres ehemaligen Kommandeurs.

Die gegenseitigen Verluste bei Steinhausen

In einem Bericht an Feldmarschall-Leutnant Fröhlich schrieb Feldzeugmeister Graf von Latour am 1. Oktober aus Grodt, daß er im Tags zuvor vorgefallenen Gefecht bei Steinhausen 131 Gefallene, 420 Verwundete sowie 300 Gefangene an Verlusten zu beklagen hätte. Besonders die Infanterie-Regimenter Nr. 17 „Hohenlohe“* und Nr. 35 „Wenkheim“ erlitten schwere Verluste. Ein prominentes österreichisches Opfer dieser Kämpfe war der tödlich verwundete Obristwachtmeister (Major) Graf Eduard von Wallis vom Infanterie-Regiment Nr. 35 „Wenkheim”. Graf von Wallis verstarb am 26. November 1796 in Biberach und wurde auf dem dortigen katholischen Friedhof beerdigt. An dem Gefecht um Steinhausen hatte auch ein Teil des Condéeschen Emigrantenkorps unter Führung des jungen Antoine-Louis-Henri de Bourbon-Condé Herzog von Enghien (1772-1804; Enkel des Prinzen von Condé. Biographie siehe Seite 36/Kapitel VII.) teilgenommen und dabei ebenfalls empfindliche Verluste erlitten: 7 Offiziere und Edelleute waren gefallen, 43 weitere wurden verwundet. Über die Verluste der französischen Truppen an diesem Tag liegen keine genauen Angaben vor.

*Anmerkung: Es ist noch unklar ob es sich bei den angeblich schweren Verlusten im Infanterie-Regiment „Hohenlohe“ tatsächlich um das österreichische Linien-Infanterie-Regiment Nr. 17 „Hohenlohe“ handelt oder ob es sich um das vom deutschen Fürstenhaus Hohenlohe für das französischen Emigrantenkorps Condé in glühender Verehrung der Bourbonen aufgestellte Regiment „Hohenlohe“ gemeint ist. Es ist auch sicher daß zumindest die Füsiliere und Jäger dieses hohenlohischen Regiments am Gefecht bei Steinhausen am 30. September beteiligt waren. Wie es dann scheint, standen sie am 1. und 2. Oktober wieder unter Prinz Condé mit Mercantin bei Olzreute. Unter anderem sollen angeblich Teile des Condéeschen Husaren-Regiments „Damas“ am 2. Oktober bei Steinhausen gekämpft haben, während sie am 30. September laut verschiedenen Quellen noch bei Bad Schussenried fochten. Dieser französische Graf Etienne de Damas war Kommandeur der französischen Emigrantenformation welche sich „Mirabeau-Legion“ nannte. Es ist möglich, daß dieses Husaren-Regiment „Damas“ im Oktober 1796 unter einem anderen Namen bekannt war oder umbenannt wurde. Tatsächlich hatte es auch nur die Stärke von einer Eskadron. Es kann auch sein daß dieses Husaren-Regiment „Damas“ in die „Cavallerie noble“ oder den „Chevaliers de Couronne“ des Korps Condé eingegliedert wurde.

30. September: Weitere Gefechte bei Ahlen und Michelwinden

Nicht besser als der Avantgarde unter Baillet erging es dem österreichischen Seitendetachment unter Führung des Obersten von Nostitz nördlich des Federsees. Als die schwache Abteilung auf ihrem Vormarsch nach Westen aus Ahlen hinausdrang, wurde sie von Desaix Artillerie beschossen. Die schwache österreichische Abteilung zog sich daraufhin schnell nach Ahlen zurück. Feldzeugmeister Graf Latour mußte zu deren Unterstützung einen großen Teil seines Schlachtkorps unter Feldmarschall-Leutnant Freiherr von Kospoth (Biographie siehe Seite 39/Kapitel VIII.) mit 6 Bataillonen und 6 Eskadronen von Biberach nach Stafflangen detachieren, während ein weiterer Teil seines Schlachtkorps während des Gefechtes ja bereits schon zur Unterstützung seines Bruders Baillet nach Steinhausen abgerückt war. Latour selbst behielt somit nur einen schwachen Rest seines Schlachtkorps auf der Höhe von Grodt zurück. Auch Feldmarschall-Leutnant Mercantin konnte mit seiner Division am linken Flügel von Mühlhausen aus nur bis Michelwinnaden vordringen, ehe ihm überlegene französische Kräfte des französischen Zentrums unter Gouvion Saint-Cyr entgegentraten und sein Vormarsch damit zum Stillstand kam.

1.Oktober: Die Ruhe vor dem Sturm

Die heftigen Kämpfe am 30. September mußten Latour klargemacht haben, daß sich die Rhein-Mosel-Armee Moreaus  nicht zwangsläufig ohne weiteren Kampf nach Westen absetzen würde. So versuchte er, die wenigen Truppen, die ihm zwischen der Donau und dem Gebiet bis Bad Waldsee zur Verfügung standen, am 1. Oktober östlich des Federsees zu konzentrieren. Die Hauptmacht seines Heeres versammelte Latour südöstlich des Federsees, da er wohl zwischen Bad Buchau und Bad Schussenried aufgrund der dort ausgefochtenen heftigen Kämpfe am 30. September den stärksten französischen Widerstand erwartete.

In der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober stellte Graf Latour seine Truppen in folgender Schlachtordnung auf: Feldmarschall-Leutnant Kospoth bildete mit 6 Bataillonen, 3 Kompanien und 10 Eskadronen (4.664 Mann Infanterie und 1.452 Mann Kavallerie) den rechten Flügel bei Stafflangen. Er sollte die Waldungen gegen Oggelshausen und Seekirch östlich des Federsees besetzen, sowie alle nördlich des Federsees nach Biberach führenden Straßen decken und sein schwaches Detachment östlich von Ahlen unter Oberst Nostitz (3 Kompanien Szekler-Grenzinfanterie von Baillet und 4 Eskadronen aus Kospoths Division) Von den 6 Bataillonen Kospoths gehörten übrigens zwei zum kurpfälzischen Reichskontingent. (Auch drei kurpfälzische Geschütze waren der Division Kospoth zugeordnet.) Die kurpfälzischen Truppen waren einige der wenigen Reichskontingente, die Ende September/Anfang Oktober 1796 noch Seite an Seite mit den Österreichern kämpften. Baillet mit der durch einen Großteil des Schlachtkorps verstärkten Avantgarde, zusammen 6 ½ Bataillone und 12 Eskadronen (3.768 Infanteristen und 1.436 Reiter) bildete auf der Anhöhe nördlich von Steinhausen das Zentrum. Baillets rechte Flanke zwischen der Anhöhe nördlich von Steinhausen und dem Federsee schien durch ein schwer begehbares Moor bis zum Federsee gedeckt. Feldzeugmeister Graf Latour selber blieb mit einer schwachen Reserve von 3 Bataillonen und 2 Eskadronen (1.954 Infanteristen und 266 Reiter) auf den Höhen um das Dorf Grodt, wenige Kilometer östlich von Steinhausen. Feldmarschall-Leutnant Mercantin und das französische Emigrantenkorps unter Prinz Condé waren nach den Kämpfen bei Michelwinnaden ein Stück weit nach Norden auf Baillet zu marschiert und bildeten mit ihren Truppen, insgesamt 7 ½ Bataillone und 19 Eskadronen (6.574 Infanteristen und 3.327 Reiter), den linken Flügel hinter Olzreute. Feldmarschall-Leutnant Fröhlich (bei Ravensburg) und Generalmajor Graf von Nauendorf (auf dem nördlichen Donauufer bei Ehingen) erhielten für den folgenden Tag keine besonderen Befehle und wirkten daher an den kommenden Kämpfen nicht mit (Fröhlich hatte zwar den Befehl, die Schussen zu überqueren, doch aus den vorhandenen Angaben geht nicht hervor, daß es an der Schussen am 2. Oktober zu Kämpfen gekommen ist.).

Im Ganzen betrug die Stärke des österreichischen durch kurpfälzische und condéeschen Truppen verstärkten Heeres bei Biberach ungefähr etwas über 23.400 Mann (16.960 Infanteristen und 6.481 Kavalleristen). Das sogenannte „Schlachtkorps“ Latours war nur ein „Rumpfheer“. So hatte Latour keine Freikorpstruppen für den Vorpostendienst und keine Grenadiere als Eliteeinheiten zur Verfügung (sämtliche Freikorps- und Grenadiereinheiten waren bei Erzherzog Karl). Für dem Vorpostendienst konnten nur einige der wenigen und kampfschwachen Grenzinfanterie-Formationen herangezogen werden. Außer den zwei des Karabiniers-Regiment Nr. 6 „Kaiser“ waren dem Schlachtkorps Latours auch keine schweren Kavallerietruppen zugeordnet (Generalmajor Graf von Nauendorfs mobile Division auf dem nördlichen Donauufer hatte hingegen viele Kavallerieeinheiten – darunter auch 22 Kürassiereskadronen - in ihren Reihen!).

Moreaus Angriffspläne für den 2. Oktober

Latours Stellung war insgesamt gesehen sowohl für die Offensive als auch für die Defensive äußerst ungünstig. Das ohnehin schon zahlenmäßig schwache österreichische Heer war durch die sumpfigen Waldausläufer des Federsees in zwei Hälften geteilt und konnte auf beiden Flanken leicht umgangen werden. Wurde die Stellung irgendwo durchbrochen, war der Weg nach Biberach für die Franzosen offen und diese dann folglich in Latours Rücken. Moreau erkannte oder erahnte die schlechte Stellung seines Gegners, und entschied sich für einen allgemeinen Angriff am 2. Oktober, um seinen Rückzug durch den Schwarzwald unbehelligt fortsetzen zu können. So blieb am 1. Oktober auch auf französischer Seite alles ruhig. Moreau und sein Generalstabschef Brigadegeneral Jean Louis Ebenezer Reynier (1771-1814) beschäftigten sich derweil in Bad Buchau mit den Vorbereitungen zu einem Angriff aller ihm zur Verfügung stehenden Truppen am folgenden Tag.

Der französische Angriff hatte von zwei Seiten des Federsees aus zu erfolgen. Vom Berg Bussen bis Ahlen sollte Divisionsgeneral Desaix mit seinen zwei Divisionen, insgesamt 21 Bataillone und 24 Eskadronen (16.500 Mann) nördlich des Federsees vorgehen, Ahlen erobern und den Feldmarschall-Leutnant Kospoth auf Biberach zurückdrängen. Von Bad Buchau bis Bad Schussenried hatte Gouvion Saint-Cyr mit seinen zwei Divisionen des Zentrums sowie der Reserve unter Divisionsgeneral Francois-Antoine-Louis Bourcier(1760-1828), zusammen 24 Bataillone und 28 Eskadronen (19.300 Mann), den Angriff südlich des Federsees gegen Steinhausen Richtung Biberach zu führen. Das französische Heer hatte im Ganzen 35.800 Mann (33.00 Infanteristen, 2.800 Reiter) für diese Angriffsbewegung zur Verfügung. Divisionsgeneral Ferino, der mit seinem rechten Flügelkorps immer noch bei Ravensburg entlang der Schussen stand, sollte mit Teilen seines Korps nach Nordosten marschieren und bei Oberessendorf in die linke Flanke und den Rücken des Feldmarschall-Leutnants Mercantin fallen. Ferino erhielt seinen Marschbefehl allerdings so spät, daß er nicht mehr in die Kämpfe bei Biberach eingreifen konnte.