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Biberach 1796
Armeen
Die Organisation der französischen Armee 1796

Die französische Infanterie

Im Frankreich der ersten Revolutionsjahre nach 1789 bildeten fünf Kompanien ein Bataillon, zwei Bataillone ein Regiment. Ab dem Jahr 1794 bestand ein Regiment dann aus drei Bataillonen und wurde als Halbbrigade (demi-brigade) bezeichnet, weil „Regiment“ ein royalistischer Ausdruck war. Um die Standhaftigkeit vor dem Feind und den Zusammenhalt zu festigen, wurde ab 1794 ein reguläres Bataillon der ehemaligen königlichen französischen Armee mit zwei Freiwilligen-Bataillone zu einer Halbbrigade zusammengefaßt, ein Verfahren, welches „Amalgame“ genannt wurde. Die Franzosen entwickelten während der Revolutionskriege noch größere taktische Abteilungen als die Halbbrigade. Zwei Halbbrigaden bildeten eine Brigade, wobei auch oft ein Kavallerie-Regiment an die Stelle einer Infanterie-Brigade treten konnte. Schließlich wurden aus allen Waffengattungen sogenannte Divisionen, welche zwischen 5.000 und 10.000 Mann stark sein konnten, gebildet.

Französische Infanterie 1795 (L. Sergent 1888)
Das Stabssystem

Das französische Stabssystem war allen anderen europäischen Staaten weit überlegen. In diese oben beschriebenen flexiblen Divisionen aufgeteilt, und mit allen Waffengattungen –Infanterie, -Kavallerie und Artillerie- ausgerüstet, sowie einem eigenen Generalstab ausgestattet, formierte eine französische Division eine kleine Miniatur-Armee, welche aus eigener Kraft stark genug war, allein gegen den Gegner zu kämpfen und diesem auch standzuhalten. Napoleon machte sich diese Erfahrungen später zunutze, und ab dem Winter 1799/1800 führten die Franzosen auf Befehl Napoleons darüber hinaus auch das formale Korpssystem ein, welche aus verschiedenen Divisionen bestanden. Bei den Korps handelte es sich um Miniarmeen, die kurzzeitig selbständig den Kampf mit dem Gegner aufnehmen konnten. Durch die Einführung der Korps wurden große Armeen wesentlich besser führbar, zumal ein Teil der Stabsarbeit des Oberbefehlshabers von den Stäben der einzelnen Korps übernommen werden konnte. Zwar waren die beiden französischen Armeen Moreaus und Jourdans 1796 schon in Flügelkorps und Zentrumkorps eingeteilt, doch dürfte das Korpssystem erst im Feldzug von 1800 richtig erprobt worden sein.

Die taktische Grundeinheit

Die taktische Grundeinheit der französischen Infanterie war nach wie vor das Bataillon und wurde von einem Chef de Bataillon (Major) kommandiert. Drei Bataillone bildeten die Demi-Brigade (Halbbrigade; Vergleichbar mit einem Regiment) unter dem Befehl eines Chef de Brigade (Oberst). Die Franzosen unterschieden ihre Halbbrigaden in Linien-Halbbrigaden (demi-brigade de ligne) und in Leichte-Halbbrigaden (demi-brigade legére). Die Linien-Halbbrigade bestand aus drei Bataillonen mit acht Füsilier- und einer Elite-Grenadierkompanie. Eine leichte Halbbrigade hatte ebenfalls drei Bataillone und bestand aus acht Jäger- (Chasseurs á pied)  und eine Elite Karabinier-Kompanie. Jede Kompanie bestand aus zwei Zügen und hatte eine Stärke von 3 Offizieren, 14 Unteroffizieren, 2 Trommler und 104 gewöhnlichen Soldaten, zusammen also 123 Mann stark. Jedes Bataillon hatte somit eine Sollstärke von 1.107 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften. Eine Halbbrigade zählte demnach insgesamt 3.321 Mann, der Leser muß jedoch berücksichtigen daß diese Sollstärken im Feld niemals erreicht wurden, und nur auf dem Papier standen. Nur manchmal wurden die Grenadier- oder Karabinier-Kompanien aus den Bataillonen herausgezogen um Elite-Bataillone in einer Stärke von 6 Kompanien zu bilden. Doch war dies im Gegensatz zu den Österreichern nicht gewöhnlich.  Bis 1803 wurde jeder französische Halbbrigade eine Artillerieabteilung beigegeben, welche die Aufgabe hatte, die drei 4-Pfünder-Geschütze welche jedem Bataillon beigegeben wurde, zu bedienen.

Bewaffnung des französischen Infanteristen

Die Hautpwaffe der französischen Infanterie war das Steinschloßgewehr Charleville, Modell 1777. Es wog 4,5 kg und hatte ein Kaliber von 17,5mm. Jeder Infanterist hatte zusätzlich 50 Patronen in seiner Tasche. Dieses Gewehr hatte eine Reichweite von knapp 229 Meter, es ließ aber schon ab 92 Meter in seiner Genauigkeit sehr zu Wünschen übrig. Nachdem sein Vorrat von 50 Patronen verbraucht war, blieb dem französischen Infanteristen als Waffe nur noch sein dreikantiges 32 cm langes Bajonett übrig.

Die französische Artillerie

Die französischen Artilleristen der Revolutionskriege waren mit 12-. 8- und 4-Pfünder-Geschützen sowie den 5- und 6- Zoll Haubitzen des berühmten Gribeauval-Systems ausgerüstet. Die französische Artillerie war Dank den Reformen von Comte Gribeauval (1715-1789) die beste Europas. Die Reichweiten der Artillerie reichten von 1.645 Meter bei 12-Pfünder, über 1.371 Meter bei 8-Pfünder und 1.097 Meter bei 4-Pfünder-Geschützen. Das wirksame und zielgenaue Feuer lag aber im Bereich zwischen 823 und 548 Metern. Die französische Artillerie bestand im Jahr 1796 aus acht Fußartillerie-Regimentern zu jeweils 20 Kompanien und neun leichten (berittenen) Artillerie-Regimentern zu jeweils 6 Kompanien.

Die französische Kavallerie

Die französische Kavallerie bestand zu Beginn des Jahres 1796 aus 84 Regimentern: zwei Karabiniers, 25 schwere Kavallerie-Regimenter, 21 Dragoner, 13 Husaren sowie 23 Chasseurs á Cheval (diese wurden von 1 bis 25 durchnumeriert, nur Nr. 17 und 18 blieben vakant). Die Regimenter der sogenannten schweren Kavallerie (Vorgänger der Kürassiere) bestanden nur aus 3 Eskadronen zu jeweils 170 Reitern, während alle anderen Kavallerie-Typen aus 4 Eskadronen zu jeweils 228 Reitern zusammengefaßt waren. Jede Eskadron bestand aus zwei Kompanien. Die Kavallerie der französischen Armee war während der ersten beiden Koalitionskriege (1792-1797/1799-1801) der österreichischen Kavallerie noch nicht gewachsen und auch kein gleichwertiger Gegner. Erst unter Napoleon, entwickelte sich die französische Kavallerie zur schlagkräftigsten von ganz Europa.

Die Organisation der österreichischen Armee 1796

Zur Grundstruktur

Zu Beginn des Jahres 1796 verfügte das Kaiserhaus Österreich auf dem Papier über eine Heeressollstärke von 180.000 Mann Infanterie, 48.000 Mann Kavallerie und 15.000 Mann Artilleristen. Die Masse der Rekruten waren „kaiserlich-österreichische Staatsbürger“. Diese Bezeichnung führten alle Rekruten des österreichischen Heeres welche in den verschiedensten Provinzen vom heutigen Belgien bis Polen unter der Herrschaft von Habsburg standen. Hauptsächlich stammten die meisten jungen Soldaten aus Deutschland, Ungarn und Böhmen, welche durch die Konskription rekrutiert ein Leben lang dienen mußten. Es gab aber auch eine wesentliche Anzahl adliger und bürgerlicher Ausländer,  welche freiwillig in das österreichische Heer eintraten. Größtenteils aus Süddeutschland stammend, bildeten sie einen beträchtlichen Teil des österreichischen Offiziers- und Unteroffizierskorps.

Die österreichischen Infanterie- und Kavallerie-Regimenter wurden nach dem sogenannten Regimentsinhaber benannt, der zwar für seinen Posten Geld erhielt, aber nicht mit dem tatsächlichen Kommandeur zu verwechseln ist. Dieser „Inhaber“ wurde vom Kaiser persönlich ernannt oder widerrufen. Natürlich war es dann auch möglich daß der Inhaber im Laufe der Jahre wechselte. Der Oberstinhaber hatte die Kontrolle und war Ansprechpartner für alle die Offiziere welche in sein Regiment eintreten wollten, oder auch für diese welche von ihm befördert wollen werden. So war z.B. der österreichische Herrscher traditionell der Regimentsinhaber des Infanterie-Regiments Nr. 1, daß daher Infanterie-Regiment Nr. 1 „Kaiser“ hieß, obwohl der Kaiser niemals dieses Regiment im Feld kommandierte. Die Funktion eines Regimentskommandeurs wurde im Allgemeinen von einem Oberst oder Oberstleutnant übernommen.

Die taktische Grundeinheit

Die Armeeorganisation befand sich noch auf dem Standpunkt dem man in Österreich am Ende des Siebenjährigen Krieges eingenommen hatte. Im Gegensatz zu den Franzosen kannten die Österreicher formal keine höhere taktische Formation als das Regiment. Selbst die Brigaden wurden von Fall zu Fall gebildet und den Generälen, die zur Verfügung des Armeeoberbefehlshabers standen, erst bei der Einleitung einer Operation die erforderlichen Truppenkörper unterstellt. Das heißt daß die österreichischen „Divisionen“ und „Korps“ (diese beiden Bezeichnungen sind mit der heutigen militärischen Bezeichnung nicht gleichbedeutend) meist spontan nach den Bedürfnissen des Oberbefehlshabers in einer „Ordre de Bataille“ zusammengestellt wurden. Sehr oft blieb nicht einmal das Regiment zusammen, und so sind als taktische Grundeinheit der Österreicher die Bataillone der Infanterie bzw. die Eskadronen der Kavallerie anzusehen, die dann je nach Lage einem Brigade- oder Divisionskommandeur unterstellt wurden.

Die große Masse der Infanterie gehörte der Linieninfanterie an und wurde nach den für sie bestehenden Vorschriften zum geschlossenen bedachtsamen Vorrücken verwendet. Das Tirailliren blieb der „leichten Infanterie“, welche sich aus den Grenz-Regimentern und zahlreichen Freikorps-Formationen zusammensetzte gebildet, vorbehalten. War von dieser nichts vorhanden, dann mußte eben zumeist auf ein Tirailleurgefecht verzichtet werden. Die Linieninfanterie ging immer in entwickelter Linie nach sehr komplizierten Vorschriften vor, die der eigenen Auffassung der Truppe auch nicht das geringste überließen. Ihre Beweglichkeit war noch nicht größer als im Siebenjährigen Krieg und wurde nicht zum wenigsten durch die schwere Belastung des Mannes behindert. Die Maximaldistanz der Schußweite betrug 300 Schritt. Im Salvenfeuer rechnete man neun Prozent Treffer. Die Bewegung der Infanterie war langsam und gemessen, 60 Schritt in der Minute. Nur bei Aufmärschen kam der „stärkere“ und der „Doublierschritt“ zur Anwendung. Das Feuergefecht bestand der Hauptsache nach aus dem Salvenfeuer, gliederweise, oder aller drei Glieder zugleich, in Abteilungsbreiten vom Zug (Peloton) bis zum Bataillon.

„Eine Formation“

Bei der preußischen wie auch der österreichischen Armee galt noch immer der Grundsatz Friedrichs des Großen von Preußen, welcher besagte daß ein entscheidender Angriff nur durch eine Linie von mindestens 10 Bataillonen in Front ausgeführt werden konnte. Grundsätzlich wurde von den österreichischen Generälen diese veraltete Ansicht der Formation angewandt. Diese „Eine Formation“ mußte aber geschlossen an den Gegner herankommen, was bei ihrer großen Frontausdehnung und besonders im durchschnittenen Gelände unter dem feindlichen Feuer fast unmöglich war.

Die Bewaffnung

Der kaiserlich-österreichische Infanterist war mit einem Vorderladergewehr mit Feuersteinschloß Modell 1784 ausgerüstet. Es war 150 cm lang, hatte einen Lauf von 112 cm und wog 4,86 kg, außerdem war es mit einem dreischneidigen Bajonett welche 32 cm lang war ausgestattet. Das Kaliber des Modells 1784 betrug 18,3mm, und die Gewehrkugeln aus Blei waren jeweils 26 Gramm  schwer. Desweiteren befanden sich in der Patronentasche des Infanteristen weitere 36 Kugeln. Als zweite Standardwaffe wurde auch oft die Muskete Modell 1774 geführt. Als weitere Waffe trug der österreichische Infanterist an seinem Ledergurt den sogenannten 43 cm Füsiliersäbel mit einer 4,2 cm breiten Klinge.

Die österreichische Infanterie

Die österreichische Linieninfanterie bestand zur Zeit des Ersten Koalitionskrieges aus drei verschiedenen Grundtypen: Linien-Regimenter, Grenz-Regimenter und Freikorps. Leichte Infanterie existierte wie bereits erwähnt nur in den Freikorps und bei den Grenztruppen.

Die Regimenter der Linien-Infanterie

Die Linien-Regimenter des kaiserlich-österreichischen Heeres wurden in „deutsche“ und „ungarische“ Regimenter unterschieden. Um dies leicht unterscheiden zu können, wurde dies auf der Uniform gekennzeichnet. Zum Beispiel trugen die Soldaten der ungarischen Regimenter blaue Hosen, die Soldaten der deutschen Regimenter weiße Hosen. „Deutsch“ waren alle jene die in diesem Gebiet (Österreich, Vorderösterreich, Böhmen, Mähren, Norditalien, Wallonien usw.) aufgestellt und rekrutiert wurden. „Ungarisch“ wurden alle Regimenter bezeichnet welche aus Ungarn, Kroatien und Transylvanien kamen. Die Regimenter wurden wie bereits beschrieben nach ihrem Regimentsinhaber benannt und nach dem Alter ihrer Aufstellung fortlaufend durchnumeriert.

Die 45 „deutschen“ Linien-Infanterie-Regimenter hatten bei Beginn des Ersten Koalitionskrieges 1792 bis 1797 eine Friedensstärke von zwei Bataillonen von 6 Füsilier- und einem dritten Bataillon von 4 Füsilier-Kompanien. Im Kriegsfall wurde auch das dritte Bataillon auf 6 Füsilier-Kompanien aufgestockt. Die 11 „ungarischen“ Linien-Infanterie-Regimenter hatten in Friedens- wie in Kriegszeiten ein Stärke von drei Bataillonen zu jeweils 6 Füsilier-Kompanien und ein weiteres Depot-Bataillon mit 4 Füsilier-Kompanien. Zusätzlich hatte jedes Linien-Infanterie-Regiment zwei Grenadier-Kompanien welche eine sogenannte Grenadier-Division bildeten. Diese wurde in der Regel aus dem Regiment herausgezogen, um mit zwei weiteren Grenadier-Divisionen aus zwei weiteren Linien-Infanterie-Regimenter das Grenadier-Bataillon zu bilden, welches nach seinem Feldkommandeur, in der Regel ein Oberstleutnant benannt wurde.

Jedes Füsilier- oder Grenadier-Bataillon bestand aus 6 Kompanien, jedes zu je zwei Zügen. Ein Füsilier-Bataillon hatte eine Sollstärke von 25 Offizieren, 114 Unteroffizieren, einem Artillerie-Unteroffizier (Für das Liniengeschütz; siehe weiter unten), 7 Trompeter, 12 Trommler, 6 Pfeifer, 29 Artilleristen, 1.200 Füsiliere, 26 Offiziersdiener und 12 Handwerker. Insgesamt betrug die Sollstärke eines Füsilier-Bataillons also 1.432 Mann, und wurde von einem Oberstwachtmeister (Major) kommandiert. Ein Grenadier-Bataillon bestand aus 26 Offizieren, 30 Unteroffizieren, einem Artillerie-Unteroffizier (Ebenfalls für das Liniengeschütz), 3 Trompeter, 12 Trommler, 12 Pfeifern 30 Artilleristen, 594 Grenadieren, 26 Offiziersdiener sowie 12 Handwerkern. Insgesamt zählte ein Grenadier-Bataillon somit 746 Mann und wurde wie bereits beschrieben von einem Oberstleutnant kommandiert. Rechnet man anhand dieser Angaben die theoretische Sollstärke eines drei Füsilier-Bataillonen starken kaiserlich-österreichischen Infanterie-Regiments in Kriegszeiten, so beträgt diese abzüglich des Grenadier-Bataillons 4.296 Mann.

Die Freikorps-Truppen

Freikorps waren Truppen, welche lediglich für die Dauer eines Krieges aus Freiwilligen aufgestellt wurden. Auch im Ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich wurde eine Vielzahl von Freikorps aufgestellt, die den Namen desjenigen Kommandeurs trugen, der sie aufgestellt hatte. Die Freikorps bestanden aber hauptsächlich aus abenteuerlustigen Freiwilligen, die daran interessiert waren, Beute zu machen und deren militärische Disziplin nicht sehr hoch war. Dementsprechend waren die Freikorps leichte Truppen, die vor allem abseits der Hauptarmee zum Kundschafter- und Vorpostendienst herangezogen wurden.

Die Grenzinfanterie

Da sich das Kaiserhaus Österreich während des gesamten 18. Jahrhunderts nahezu ständig mit dem Osmanischen Reich im Kriegszustand befand, wurden zur Verteidigung der Südostgrenze sogenannte Grenz-Infanterie-Regimenter aufgestellt. Sie bestand aus den wehrfähigen rekrutierten Männern der Militärgrenze (Kroatien, Slowenien, das Banat, Siebenbürgen) welche gegen das Osmanische Reich gerichtet war. Bei Ausbruch des Ersten Koalitionskrieges 1792 gab es 17 Grenz-Infanterie-Regimenter, welche entsprechend ihrer Ausbildung und ihrer Kampfesweise leichte Infanterie-Regimenter waren. Die 17 Grenz-Infanterie-Regimenter hatten eine Stärke von jeweils 2 Bataillonen zu je 6 Kompanien. Da diese Grenz-Regimenter im osmanisch-österreichischen Krieg von 1788 bis 1791 schwer gelitten hatten, wurden im Ersten Koalitionskrieg nur einzelne Bataillone der Grenzinfanterie in Mitteleuropa gegen Frankreich eingesetzt. So konnten im Jahr 1793 nur 13 kombinierte Bataillone mit jeweils 6 Kompanien und 2 Bataillone Grenzscharfschützen mit jeweils 4 Kompanien zum Kampf gegen die französische Armee formiert werden.  Ein Grenz-Infanterie-Bataillon zu 6 Kompanien hatte einen Kriegsstand von 25 Offizieren, 114 Unteroffizieren, 1 Artillerieunteroffizier (Für die Bataillonsgeschütze), 7 Stabsärzten,, 12 Trommlern, 6 Pfeifer, 29 Artilleristen, 1.200 Mann, 26 Offiziersdiener und 12 Fuhrleute, zusammen 1.432 Mann. Im Gegenteil zu der österreichischen Linien-Infanterie erreichten die Grenztruppen gewöhnlich diese Sollstärke.

Die österreichische Kavallerie

Auch die Kavallerie war pedantisch verbildet, aber ihre Leistungen im Anritt und im Feuergefecht zu Fuß waren sehr wertvoll. Noch wurden freilich die meisten Bewegungen im Schritt ausgeführt, selbst die Attacke im Schritt begonnen, im Trab fortgesetzt und erst auf 200 Schritt vom Gegner im Galopp beendet. Trotzdem gehörte die österreichische Kavallerie dank der ungarischen Pferdestuten zu der besten in ganz Europa. Die Reiterei wurde in schwere (Elite-Karabiniere und Kürassiere) sowie leichte Kavallerie (Dragoner, Chevauxlégers, Husaren und Ulanen) eingeteilt. Die taktische Grundeinheit der Kavallerie war die Eskadron (Schwadron). Sie wurde von einem Rittmeister (Hauptmann) geführt. Zwei Eskadronen bildeten die sogenannte Division. Jeder Kavallerist war mit einem Schwert oder Säbel, Pistolen und einem Karabiner ausgerüstet. Nur die Ulanen waren mit einer langen Lanze ausgerüstet. Zu Beginn des Jahres 1796 zählte die österreichische Kavallerie insgesamt 36 Regimenter: 2 Elite-Karabinier-Regimenter mit jeweils 6 Eskadronen Karabiniers und zwei Eskadronen Chevauxlégers (Sogenannte Chevauxlegers-Division), zusammen 8 Eskadronen von denen jede 168 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften zählte, 9 Kürassier-Regimenter mit jeweils 6 Eskadronen mit ebenfalls 168 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften pro Eskadron, 7 Dragoner-Regimenter und 7 Chevauxlégers-Regimenter mit jeweils 6 Eskadronen und einer Stärke von 203 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften pro Eskadron, sowie 10 Husaren-Regimenter mit jeweils 10 Eskadronen und 202 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften pro Eskadron, zuletzt das einzige Ulanen-Regiment mit 6 Eskadronen und einer Stärke von 202 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften pro Eskadron.

Auch die Kavallerie-Regimenter wurden wie bereits beschrieben nach ihrem Regimentsinhaber benannt und nach dem Alter ihrer Aufstellung fortlaufend durchnumeriert. Erst im Jahr 1798 wurden die alten Nummern aufgelöst, und die vorhandenen Kavallerie-Regimenter in Kürassier-, Dragoner,- Chevauxlégers- und Husarenkorps aufgeteilt, wobei sie hierbei neu durchnumeriert wurden. Unter anderem wurden z.B. 1798 beide Karabiniers-Regimenter Nr. 5 „Herzog Albert von Sachsen-Teschen“ und Nr. 6 „Kaiser Franz“ aufgelöst, und wurden als Kürassier-Regiment Nr. 3 „Herzog Albert von Sachsen-Teschen“ und Kürassier-Regiment Nr. 1 „Kaiser Franz“ Teil des Kürassierkorps der österreichischen Kavallerie. Wieder andere Regimenter wie z.B. das noch 1796 heißende Dragoner-Regiment Nr. 37 „Coburg“ wurde im Jahr 1798 aufgrund der Neunumerierung und Aufstellung im Rahmen des Dragonerkorps in Dragoner-Regiment Nr. 6 „Coburg“ umgeändert.

Die österreichische Artillerie

Mehr noch als die Schwerfälligkeit der Infanterie und die Langsamkeit der Kavallerie unterschied die Verwendung der Geschütze die Schlachten des ausgehenden 18. Jahrhunderts von jener Zeit der ersten Koalitionskriege. Wohl war die Bedienung des Geschützes und die Schießfertigkeit gerade in der kaiserlich-österreichischen Armee unter dem Fürsten Wenzel Liechtenstein auf eine sehr hohe Stufe der Ausbildung gebracht worden, aber die Verwertung dieser Vorzüge war eine sehr mangelhafte, weil das Zusammenwirken größerer Geschützgruppen auf dem Schlachtfeld, wie es z.B. Napoleon Bonaparte rechtzeitig erkannt hatte, nicht genügend bekannt war und man auch keinerlei Versuche machte, damit neue Erfolge zu erzielen.

Die Reichweite der neu modernisierten kaiserlich-österreichischen Artillerie war als sie 1753 eingeführt wurde, ohne Zweifel die beste in ganz Europas. Die Standardwaffe der österreichischen Artillerie waren 3-, 6-, und 12- Pfünder-Geschütze sowie die 7-Zoll-Haubitzen. Aber schon während des Ersten Koalitionskrieges wurde das österreichische Geschütz von seinem französischen Gegenstück weit übertroffen, und das Kaliber der österreichischen Artillerie war kleiner als das der französischen Artillerie, wie folgende Aufstellung schließen läßt:

Österreichische Geschütze

Französische Geschütze

Typ

Kaliber in mm 

Typ

Kaliber in mm

3-Pfünder-Kanone

75

4-Pfünder-Kanone

84

6-Pfünder-Kanone

96

8-Pfünder-Kanone

106

12-Pfünder-Kanone

116-120

12-Pfünder-Kanone

121

7-Zoll-Haubitze

150

6-Zoll Haubitze

165

Die Unterteilung der Artillerie

Die Artillerie der kaiserlich-österreichischen Armee, welche zu Beginn des Jahres 1706 drei Feldartillerie-Regimenter zählte, war in sogenannte Regimentsartillerie und Positionsartillerie organisiert. Die taktische Gliederung war total veraltet, und konnte der französischen Organisation nicht im geringsten die Hand reichen. Die Mehrzahl der leichten fußgehenden Geschütze wurde wie im folgenden weiteren Textverlauf beschrieben in kleinen „Dosierungen“ als „Linienartillerie“ oder sogenannte Bataillonsgeschütze unter den Infanterie-Bataillonen der Linien-Infanterie verteilt. Die übriggebliebenen kläglichen Reste der leichten Geschütze wurden zusammen mit den schweren Kalibern in gewöhnlich erst am Vortag der Schlacht oder vor Gefechtsbeginn neu zu bildende Batterien zusammengefaßt und als „Reserveartillerie“ zusammengestellt. Eine gebildete Batterie der Reserveartillerie bestand pro Linien-Infanterie-Regiment laut den vorliegenden Angaben jeweils aus zwei 6-Pfünder-Geschützen und zwei 12-Pfünder-Geschützen sowie zwei 7-Zoll-Haubitzen. Eine sogenannte Kavalleriebatterie (reitende Artillerie) der Reserve (welche auch erst gebildet werden mußte!) für zwei bis drei Kavallerie-Brigaden dotiert, bestand jeweils aus vier 6-Pfünder-Geschützen und zwei bis vier 7-Zoll-Haubitzen.

Das Liniengeschütz (Bataillonsgeschütz)

Das Liniengeschütz, seit 1793 drei 6-Pfünder Kanonen  pro Infanterie-Bataillon (wie es aus anderen Angaben heißt ab 1796 nur noch zwei pro Linien-Infanterie-Bataillon) wurde mit Beginn des Gefechts und zwar im Anschluß an die Infanterie, durch Artilleristen und Handlanger vom Infanterie-Regiment vor- und rückwärts bewegt, so daß das Feuer der Liniengeschütze (Bataillonsgeschütze) im besten Fall als eine Verstärkung des Salvenfeuers angesehen werden konnte. Die 6-Pfünder Kanonen welche hauptsächlich auf dem deutschen Kriegsschauplatz verwendet wurden, waren mit 160 Kugel- und 34 Kartätschenpatronen dotiert. Die Schußdistanz reichte bis auf 1.600 Schritt. Die österreichische Armee in Deutschland erhielt jeweils 6-Pfünder-Kanonen- und die österreichische Italien-Armee erhielt jeweils 3-Pfünder-Kanonen als Liniengeschütz. Die Grenz-Infanterie-Bataillone erhielt unabhängig vom Einsatzgebiet immer 3-Pfünder-Kanonen zugeteilt.

Das Kavalleriegeschütz

Das Kavalleriegeschütz war entweder eine 6-Pfünder Kanone oder eine 7-Zoll Haubitze, deren Bedienungsmannschaft auf der Lafette und auf den Bespannungspferden fortgebracht wurden. In sehr beschränkter Zahl vorhanden begleitete dieses Geschütz zumeist die Kavallerie, wenn sie „vorprellte“ oder bei Hinterhalten und überraschenden Extramanövern schneidiger Reitergeneräle.

Die Reserveartillerie

Das Reservegeschütz, vorherrschend 6- und 12-Pfünder Geschütze sowie 7-Zoll Haubitzen, stand zur Verfügung des Oberbefehlshabers der Armee oder überhaupt selbständiger Truppenkörper. Beim Reservegeschütz waren auch die Artillerieoffiziere eingeteilt, deren Verwendung dem Oberbefehlshaber zukam. Sie vereinigten am Vortag der Schlacht oder vor Schlachtbeginn mehr oder weniger Geschütze entweder zu einer gemeinsamen Feuerwirkung, oder sie krönten die vom Oberbefehlshaber ausgesuchten Stellungen mit Batterien, die zu diesem Zweck erst formiert werden mußten. Artilleristische Wirkungen konnten in größeren Gefechten somit nur vom Reservegeschütz erzielt werden.

 

Zur besseren Verständlichkeit für den Leser sind hier die österreichischen militärischen Ränge im Vergleich zu den französischen Rängen und jenen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1796 aufgelistet:

Österreich

Frankreich

Deutsches Reich

Feldmarschall (FM)

kein vergleichbarer Rang

Reichsfeldmarschall

General der Kavallerie (GdK)*

kein vergleichbarer Rang

General der Kavallerie

Feldzeugmeister (FZM)*

kein vergleichbarer Rang

Reichsfeldzeugmeister

Feldmarschall-Leutnant (FML)

Divisionsgeneral

Generalleutnant

Generalmajor (GM)

Brigadegeneral

Generalmajor

Oberst

Chef de Brigade (Colonel)

Oberst

Oberstleutnant

kein vergleichbarer Rang

Oberstleutnant

Obristwachtmeister

Chef de Bataillon (Major)

Major

    *Anmerkung:
    Bei der kaiserlich-österreichischen- sowie bei der Deutschen Reichsarmee sind die Ränge des Generals der Kavallerie und eines Feldzeugmeisters sind auf einer gleichen militärischen hierarchischen Ebene. Der Unterschied der Beförderung besteht nur darin, daß ein Kavalleriegeneral vom Feldmarschall-Leutnant bzw. Generalleutnant zum General der Kavallerie, und ein Infanterie- oder Artilleriegeneral zum Feldzeugmeister befördert werden konnte.