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Biberach 1796
Vorgeschichte

Der Beginn des Ersten Koalitionskrieges 1792-1797

Die französische Revolution begann am 14. Juli 1789 mit dem Sturm der Pariser Bevölkerung auf die Bastille. Dann ging es Schlag auf Schlag. Am 21. Januar 1793 wurde König Ludwig XVI. von Frankreich auf der Guillotine dem Fallbeil hingerichtet. Die Nationen Europas geschockt durch die Vorkommnisse in Frankreich versuchten durch Kriegsgewalt das alte System in Frankreich wiederherzustellen. Mit der Kriegserklärung der französischen Nationalversammlung an Österreich begann am 20. April 1792 der sogenannte Erste Koalitionskrieg. Von 1792 bis 1795 waren die Landschaften Belgiens, der Niederlande, Luxemburgs, des Elsaß, der Rheinebene und Frankreichs Schlachtfelder der kriegsführenden Nationen. Frankreich führte gegen Österreich, Preußen, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, Großbritannien, die Niederlande, Spanien, Sardinien-Piemont und einigen italienischen Kleinstaaten einen erfolgreichen Krieg. Frankreichs Hauptgegner auf dem Festland, Österreich, war eine Nation die an den alten Werten der Monarchie festhielt. Es war der Kampf von „aufgeklärten“ französischen Bürgern in Uniform unter ihren berühmten und tapferen Knabengenerälen gegen die zum Teil zwangsrekrutierten jungen Männer, Söldner und Adlige eines Vielvölkerstaates. Österreichs Generäle, meistens schon im greisenhaften Alter, zogen noch am liebsten mit der Taktik des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) in die Schlacht.

In der zweiten Hälfte des Ersten Koalitionskrieges wurden die deutschen Landstriche immer mehr und mehr zum Kampfgebiet der beiden Gegner.Der im Feldzugjahr 1795 anfänglich gefährlich erscheinende Zangenangriff zweier französischer Armeen unter Jean-Baptiste Jourdan (1762-1833; Ab 1804 Marschall Napoleons) und Charles Pichegru (1761-1804) wurde durch das tatkräftige Zusammenwirken der beiden kaiserlich-österreichischen Armeen unter Oberbefehl von Feldmarschall Franz Sebastian Graf Clerfayt de Croix (1733-1798) und dem General der Kavallerie Dagobert Siegmund Graf von Wurmser (1724-1797), welch letzterem auch die Truppen der süddeutschen Reichsstände unterstanden, siegreich zurückgewiesen. Graf von Wurmsers Unterführer, Feldmarschall-Leutnant Vitus Freiherr von Quosdanovich trieb Pichegru am 29. September von Heidelberg zurück, Graf von Clerfayt stoppte Jourdan bei Aschaffenburg und Offenbach, und zwang ihn, mit seinen Truppen, die zum Teil von den Bauern im Taunus arg mitgenommen worden waren, den Rückzug über den Niederrhein anzutreten. Ende Oktober 1795 wurde Mainz von Clerfayt entsetzt, während Wurmser sich vor die Festung Mannheim legte, und seine französische Garnison unter Divisionsgeneral Montaigu am 22. November 1795 zur Kapitulation zwang.


Der Feldzug von 1796

Französische Operationspläne

Im Frühling 1796 sollten drei französische Revolutionsarmeen zu einer neuen großen Offensive auf Wien antreten. Die Sambre-Maas-Armee unter General Jean Baptiste Jourdan sollte von Düsseldorf am Rhein aus den nördlichen Stoßkeil bilden, während General Jean Victor Moreau (1763-1813; Biographie siehe Seite 39/Kapitel VIII.), welcher den unglücklichen Pichegru ersetzt hatte, weiter südlich mit der Rhein-Mosel-Armee ebenfalls den Rhein überqueren und die Donau entlang nach Österreich vorstoßen sollte. Gemeinsam sollten diese Armeen dann auf Wien marschieren, während der dritte Schlag, ausgeführt durch die Italienarmee unter General Napoleon Bonaparte (1769-1821), nur als Ablenkungsmanöver gedacht war. Vor allem sollte Bonaparte nach Tirol vorstoßen und Verbindung mit Moreau aufnehmen, um so dessen Vormarsch in Süddeutschland zu unterstützen.

Die Erfolge Napoleons in Italien und die Folgen für die österreichische Armee in Deutschland

Ein Waffenstillstand in Deutschland sorgte dafür, daß hier die gesamte Rheinfront bis zum 31. Mai 1796 ruhig blieb. Ein erster Angriff Jourdans Anfang Juni 1796 über Niederrhein mißlang anschließend, so daß der junge General Bonaparte Anfang 1796 die Gunst der Stunde nutzen konnte. In einem spektakulären Feldzug gelang es ihm, die mit der österreichischen Italienarmee verbündeten sardinisch-piemontesischen Truppen von diesen zu trennen und zum Waffenstillstand zu zwingen. Danach zwang Napoleon Bonaparte die österreichische Italienarmee unter dem alten Feldzeugmeister Johann Freiherr von Beaulieu (1725-1819) zum Rückzug nach der Festung Mantua. Aufgrund der Erfolge Napoleons war der kaiserliche Hof in Wien dazu gezwungen, im Mai und Juni beträchtliche Kräfte unter dem General der Kavallerie Graf von Wurmser vom Oberrhein (25 Bataillone, 10 Jägerkompanien, 18 Eskadronen sowie 36 Geschütze) und aus dem Innern von Österreich (7 Bataillone, 12 Kompanien und 2 Eskadronen) in die Gegend der bedrohten Festung Mantua zu schicken. Dies schwächte die beiden am Rhein verbleibenden österreichischen Armeen - die Oberrhein-Armee unter Feldzeugmeister Maximilian Graf Baillet de Latour (1737-1806; Biographie siehe Seite 37/Kapitel VIII.) und die Niederrhein-Armee unter dem berühmten Erzherzog Karl von Österreich (1771-1847) – um insgesamt knapp 26.000 Mann sehr beträchtlich! Der Anfang Juni 1796 nunmehr auf 67 Bataillone und 99 Eskadronen (rund 50.300 Mann Infanterie und 16.350 Mann Kavallerie)abgeschwächt zählenden Oberrhein-Armee stand Moreaus Rhein-Mosel-Armee mit nahezu 78 Bataillonen und 88 Eskadronen (rund 71.600 Infanteristen und 6.500 Kavalleristen) gegenüber.

Beginn der Feldzuges in Deutschland

Die Schwächung der Österreicher am Oberrhein nutzte Moreau Mitte Juni 1796 aus. Nachdem er einige Scheinangriffe auf die verschanzten österreichischen Truppen vor der Festung Mannheim geführt hatte und die Aufmerksamkeit der Hauptmacht der Oberrhein-Armee dorthin ablenkte, überquerte Moreau bei Kehl am 24. Juni den Rhein. Da Feldzeugmeister Graf Baillet de Latour seine ohnehin schon stark geschwächte Armee noch durch zahlreiche Detachierungen (Kordon-System) entlang des Oberrheins hoffnungslos verzettelte, waren zum Zeitpunkt des Rheinübergangs Moreaus nur knapp 3.200 Mann des verbündeten Schwäbischen Reichskreiskorps zur Verteidigung Kehls zur Verfügung. Der Ausgang des Erfolges zugunsten Moreaus konnte unter diesen Umständen nicht angezweifelt werden. Bereits am Abend des 25. Juni standen 28.000 Mann der französischen Armee auf dem rechten Rheinufer. Anfang Juli 1796 setzte Moreau bei der Neuorganisation seiner Rhein-Mosel-Armee zum ersten Mal das Korpssystem ein, um sein Heer effektiver führen zu können. Dies war damit bereits ein Vorgriff auf den Einsatz des Korpssystems im Jahre 1800 als Moreau erneut eine starke Armee am Rhein kommandierte. Die Anfang Juli 1796 rund 58.600 Infanteristen und Artilleristen sowie 6.500 Kavalleristen zählende Rhein- und Moselarmee wurde in die drei Korps „Linker Flügel“ unter Divisionsgeneral Desaix (21 Bataillone und 24 Eskadronen), „Zentrum“ unter Divisionsgeneral Gouvion Saint-Cyr (18 Bataillone und 10 Eskadronen), „Rechter Flügel“ unter Divisionsgeneral Ferino (21 Bataillone und 17 Eskadronen) sowie einer „Reserve“ unter Divisionsgeneral Bourcier (6 Bataillone und 20 Eskadronen) eingeteilt.

Französische Siege

Die im Raum Kehl-Offenburg zahlenmäßig deutlich unterlegenen österreichischen Truppen und das zusammengewürfelte Korps des Schwäbischen Reichskreises konnten Ende Juni 1796 den Vormarsch der französischen Rhein-Mosel-Armee nicht aufhalten. Nach dem Rheinübergang Moreaus und einigen Gefechten im Schwarzwald löste sich das Korps des Schwäbischen Reichskreises weitgehend auf, während die meisten österreichischen Einheiten entlang des Rheins nördlich auswichen. Nur eine österreichische Truppenabteilung in der Stärke von 9 Bataillonen und 16 Eskadronen unter Feldmarschall-Leutnant Michael Freiherr von Fröhlich (1740-1814) verblieb zunächst zusammen mit den 3 ½ Bataillonen und 9 Eskadronen stark zählenden französischen Emigrantentruppen unter Prinz Ludwig Joseph Condé (1736-1818; Biographie siehe Seite 36/Kapitel VII.) bei Freiburg im Breisgau am Rhein zurück. Inzwischen war Erzherzog Karl mit Teilen seiner Niederrhein-Armee nach Süden Latour entgegen geeilt. Doch auch nach der Vereinigung mit Latour am 5. Juli bei Ettlingen und der Übernahme des Oberkommandos der Oberrhein-Armee gelang es dem Erzherzog in der Schlacht von Malsch am 9. Juli nicht, die nachdrängende Rhein-Mosel-Armee Moreaus aufzuhalten. Anfang Juli war auch Jourdan erneut am Niederrhein offensiv geworden, so daß sich der Erzherzog nach der Niederlage bei Malsch mit dem Großteil seiner Truppen nach Osten zurückziehen mußte, wohin ihm Moreau mit den beiden Korps von Louis-Charles-Antoine Desaix (1768-1800; Biographie siehe Seite 45/Kapitel VIII.) und Laurent Gouvion Saint-Cyr (1764-1830; Biographie siehe Seite 42/Kapitel VIII.) über Stuttgart und Neresheim folgte, während starke österreichische Garnisonen in Mannheim und Mainz im Rücken der Franzosen am Rhein zurückblieben. Der Rückzug Erzherzog Karls zwang nun auch Feldmarschall-Leutnant Fröhlich und das an die kaiserlich-österreichische Oberrhein-Armee angeschlossene französische Emigrantenkorps Condé dazu, die Gegend von Freiburg zu räumen. Vom inzwischen komplett auf das rechte Rheinufer gewechselten rechten französischen Flügel unter Kommando von Divisionsgeneral Pierre Marie Ferino (1747-1816) mit Abstand verfolgt, zogen sich Fröhlich und Prinz Condé bis Mitte August nach Vorarlberg und ins Allgäu zurück.

Der entscheidende Schachzug Erzherzog Karls

Die Sambre-Maas-Armee unter Jourdan trieb die österreichische Niederrhein-Armee unter Feldzeugmeister Ludwig Wilhelm Graf von Wartensleben (1734-1798) fast den ganzen August über den Main nach Osten entlang vor sich her. Entgegen den Anweisungen des Erzherzogs näherte sich Wartensleben nicht der unter Karls Oberbefehl an der Donau bei Ingolstadt stehenden österreichischen Oberrhein-Armee, sondern führte seine Truppen zur Deckung seiner Operationsbasis nach Böhmen vom Erzherzog weg (Böhmen war eine der reichsten und fruchtbarsten Gebiete der Habsburgermonarchie. Eine Besetzung durch französische Truppen hätte einen sehr schweren Verlust für Österreich dargestellt.). Erzherzog Karl, der mit seiner Oberrhein-Armee Mitte August in Bayern auf das südliche Donauufer gewechselt war, mußte nun schleunigst handeln. Gegenüber dem nachrückenden Moreau beließ er nur einen Teil seiner Truppen im Großraum München unter Feldzeugmeister Graf Baillet de Latour, um somit Moreaus Aufmerksamkeit zu binden und ihn von Jourdan fernzuhalten. Gleichzeitig rückte er am 17. August mit 28 Bataillonen und 56 Eskadronen (20.400 Infanteristen und 7.800 Kavalleristen) nach Norden, um seinem bedrängten Feldzeugmeister Wartensleben zu Hilfe zu eilen. Bei Neumarkt in der Oberpfalz gelang es dem Erzherzog am 22. August, einen Teil der Sambre-Maas-Armee unter Divisionsgeneral Jean Baptiste Bernadotte (1763-1844; Ab 1804 Marschall Napoleons) zurückzuwerfen. Daraufhin kehrte ein Teil der österreichischen Truppen unter dem Kommando von Generalmajor Graf Friedrich August Joseph von Nauendorf (1740-1801) wieder nach Süden um, während der Hauptteil, darunter 8 Grenadierbataillone und 38 Eskadronen mit dem Erzherzog weiter nach Norden vorrückte. Bei Amberg am 24. August und hauptsächlich in der Schlacht von Würzburg am 3. September erlitt Jourdan schwere Niederlagen gegen die unter Erzherzog Karl vereinigten Truppenteile der beiden österreichischen Armeen. Für Jourdan begann nun ein beschwerlicher Rückzug entlang des Mains an den Rhein. Bis Ende September 1796 mußte Jourdan, vom Erzherzog verfolgt, das rechte Rheinufer räumen.