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Jeder einigermaßen orientierte Tourist, der aus dem schwäbischen Oberland nach Paris kommt, weiß daß am Arc de Triomphe neben anderen berühmten Schlachtorten auch Biberach als Schlachtort der Napoleonischen Zeit verewigt ist. In der Tat ist die Gegend beiderseits der Riß, aber auch die ehemalige Reichsstadt selbst gleich zweimal Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen gewesen – am 2. Oktober 1796 während des Ersten- und am 9. Mai 1800 während des Zweiten Koalitionskrieges. Beidemal schlugen die französischen Truppen die Österreicher und beidemal waren General Jean-Victor Moreau und sein Unterführer Laurent Gouvion Saint-Cyr die siegreichen Feldherren. Die Kämpfe um Biberach dürfen als Schlachten bezeichnet werden. Das wird durch die Ausdehnung des Geschehens und leider auch durch die Zahl der Opfer gerechtfertigt. Das erste hier in diesem Gedenkbuch beschrieben Treffen ereignete sich im Verlauf des strategisch notwendigen Rückzuges der französischen Rhein-Mosel-Armee. Moreau war in diesem Feldzug von 1796 Ende August bis vor die Tore Münchens vorgestoßen. Da aber sein Kollege Jean-Baptiste Jourdan mit seiner Sambre-Maas-Armee in Franken gegen die Österreicher unter Erzherzog Karl katastrophale Niederlagen erlitt, wurde auch Moreaus Stellung unhaltbar. Unangefochten und ohne empfindlichen Verluste erreichte Moreau den Rhein, seinen nachdrängenden Gegner Maximilian Graf Baillet de Latour durch gezielte Schläge auf Distanz haltend. Eine solche Abwehrschlacht entwickelte sich am Sonntag den 02. Oktober 1796 zwischen Bad Schussenried und Uttenweiler auf einer Breite von mehr als 10 Kilometer und konzentrierte sich auf die frühere österreichische Nachschubbasis Biberach. Die dazuhin den Franzosen zahlenmäßig unterlegenen österreichischen Truppen welche nicht auf einen plötzlichen Gegenangriff der französischen Truppen Moreaus vorbereitet waren, wurden in die Flucht geschlagen. Die französische Rhein-Mosel-Armee beschränkte sich „nur“ auf eine viertägige Besetzung Biberachs. Während dieser Ersten Schlacht bei Biberach hatten die französischen Soldaten nahezu 4.000 Gefangene gemacht, die sie zu einer großen Auswechselaktion benutzten, ehe sie ihren Rückzug in Richtung Donaueschingen-Höllental-Freiburg fortsetzten. Der Sieg in diesem Ersten Koalitionskrieg wurde dann aber schließlich an anderer Stelle erfochten, nämlich in Oberitalien. Der dortige Heerführer, damals noch wenig bekannt, hieß Napoleon Bonaparte. Bei vielen Forschern und geschichtlich Interessierten der Napoleonischen Epoche ist der Feldzug von 1796 vor allem wegen der spektakulären Erfolge des damaligen Oberbefehlshabers der französischen Italien-Armee, General Napoleon Bonaparte, bekannt. Weitaus weniger bekannt ist der Feldzug von 1796 in Deutschland, der eigentlich den Hauptstoß der französischen Revolutionsarmeen gegen das österreichische Kernland bilden sollte. Obwohl weitgehend unbekannt, gehört der Feldzug von 1796 zu den interessantesten Operationen der französischen Revolutionskriege nicht zuletzt deshalb, weil der berühmte Bruder des deutschen Kaisers Franz II. von Habsburg, Erzherzog Karl hier seinen ersten großen Erfolg gegen die französischen Armeen verzeichnen konnte. Der Feldzug von 1796/97 wurde aber nicht in Deutschland sondern wie erwähnt in den Ebenen Norditaliens entschieden, wo die spektakulären Siege Napoleon Bonapartes die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zogen. Moreaus erwähnter Rückzug durch das Höllental - in jenen Tagen eine logistische Meisterleistung - wurde diesem durchaus als Erfolg anerkannt. Das Jahr 1800 brachte aber schließlich dann das, was der französische Historiker Adolphe Thiers „den schönsten Feldzug in Moreaus Leben“ nannte. Es sollte aber auch sein letzter sein. Denn Moreau war durchaus ein „politischer General“. Er mißbilligte offen die Alleinherrschaft seines ehemaligen Waffengefährten Napoleon, nach dessen erfolgreichem Staatsstreich im November 1799. Moreau war überzeugter Republikaner und auch eifersüchtig auf die Erfolge seines glücklicheren, wenn auch rücksichtsloseren Kollegen. Er gehörte wie Napoleon auch zu jenen Revolutionsgenerälen, die in der neu gegründeten Volksarmee als Senkrechtstarter in kürzester Zeit Karriere machten und schon mit dreißig Jahren ganze Divisionen kommandierten. Wie Masséna, Soult, Ney, Jourdan und wie sie alle hießen, hatte auch Moreau den „Marschallsstab im Tornister“ und auch ganz dieselben Chancen wie der Korse aus Ajacco. Dieser überragte sie letztlich doch alle. Während General Bonaparte nach seiner Machtübernahme fleißig an seiner eigenen Legende arbeitete, geriet der meisterhafte Rückzug Moreaus und sein brillant geführter Rekonter-Angriff gegen die ihn verfolgenden Österreicher bei Biberach im Jahre 1796 mehr und mehr in Vergessenheit. Albstadt-Lautlingen im September 2002; (c) Jens-Florian Ebert
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