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In der Gegend von Tschulanui, den 7. Juli 1812.
Den 6. Juli rückte die 25. Division in die Stellung bei Tschulanui, einer sehr angenehmen und fruchtbaren Gegend, voll üppiger Fruchtfelder und schöner Wälder. Doch bald hatte auch diese Gegend die Wehen des Krieges empfunden. Ohne Verpflegung aus den Magazinen oder von den Einwohnern wurden, wie überall so auch hier, die notdürftigsten Lebensrnittel durch ausgeschickte Truppenabteilungen gewaltsam herbei geschafft und die Felder durch Fouragierungen verwüstet. Den 9. Juli verliessen wir diese Stellung, und leere Baracken, zerstampfte und niedergemähte Saatfelder und gelichtete Wälder waren die Spuren, welche wir von unserer kurzen Anwesenheit hinterliessen. (Quelle: Kaussler)
Im Biwak bei Kokuticzki, den 9. Juli 1812.
In einem Lande, dessen Sprache wir nicht kannten, war der Juden Überzahl uns höchst erwünscht. Sie hielt, wenn alles vor des Krieges Greueln in die Wälder floh, die Habsucht fest an ihre schmutzigen Hütten gebannt; denn an die drückendste Behandlung gewöhnt und an Verachtung von den Fremden und Eingeborenen, war ihr ganzes Denken auf Gelderwerb und niedrigen Gewinn allein gerichtet. - Weil sie unsre Sprache bis hin zur Grenze Russlands fertig reden, bediente man sich ihrer oft als Führer; doch mit Gewalt nur wurden sie vermocht, dies Amt zu übernehmen, das gefahrvoll oft war und bei der Widerspenstigkeit der Juden selten anders ward bezahlt von den Soldaten als mit Kolbenstössen. (Quelle: Kaussler)
In der Gegend von Kozuscina, den 11. Juli, nachts 10 Uhr.
Den Niemen hatte die Armee mit Lebensrnitteln auf zwanzig Tage überschritten; denn man hatte fechtend Wilna zu erreichen und dort auf eine entscheidende Schlacht gehofft. So hätten die Lebensmitteltransporte immer folgen können, und ein vollständiger Sieg hätte dann das übrige gethan. Der unausgesetzte Rückzug der Russen aber verschob diesen. Halt zu machen, um die Zufuhr der Lebensmittel abzuwarten, hätte auf die Wahrscheinlichkeit verzichten geheissen, durch rasches Folgen die Vereinigung der Armeen von Barclay de Tolly und von Bagration verhindern und jede einzeln aufreiben zu können. Man rückte somit rasch nach, und 400 000 Mann sahen sich ohne Vorrat an Lebensmitteln, Tag für Tag, Marsch für Marsch, auf dem von Freund und Feind zerstampften Boden eines ohnehin unwirtlichen Landes, das einst die Handvoll Schweden des zwölften Karls kaum zu ernähren imstande war. Hierbei litt am meisten die Hauptkolonne unter den besonderen Befehlen des Kaisers, bei welcher sich auch das III. Armeecorps befand, die auf der grossen Strasse vorrückte, auf welcher alles, was der Verwüstung durch die sich zurückziehenden Russen entgangen war, die französische Vorhut aufgezehrt hatte. In die Notwendigkeit gesetzt, Lebensmittel während des Marsches herbeizuschaffen, errichteten die Regimenter mobile Abteilungen, welche sie täglich vor dem Abmarsch aus dem Biwak in die von den Truppen noch unberührte Nachbarschaft rechts oder links der Strasse schickten, mit dem Befehl, alles, was sie von Lebensmitteln finden, zusammenraffen und so, die Armee in der Entfernung von einigen Stunden, seitwärts begleitend, womöglich abends wieder bei dem Regimente einzurücken. Diese Abteilungen hatten sich des besseren Fortkommens wegen grösstenteils mit kleinen russischen Landpferden beritten gemacht, welche ihnen zu gleicher Zeit als Packpferde dienten, wenn sie keine Wagen auftreiben konnten. Näherte man sich abends dem Biwakplatze, so sah man immer derlei auf Requisition Ausgeschickte von allen Seiten herbeiströmen, die sich dann gewöhnlich, statt ihre schwerbepackten Pferde zu fuss zu begleiten, selbst noch oben auf das Gepäck gesetzt hatten. (Quelle: Kaussler)
In der Gegend von Jenolani, den 12. Juli 1812.
Mit jedem Tag erneuten sich diese Sorgen und Mühen und wiederholten sich viele hundertmal in immer abwechselnder Gestalt diese Scenen. Indessen konnte man beinahe mit Gewissheit annehmen, bei jeder etwas beträchtlichen auf Herbeischaffung von Lebensmitteln ausgeschickten Abteilung einen Juden als Begleiter, Führer und Dolmetscher zu finden, welchen entweder Gewalt oder Gier nach Gewinn oder beides an die Truppe gekettet hatte. Erst auf dem altrussischen Boden, hinter Smolensk, verschwanden diese Begleiter und mit ihnen eine Hilfe mehr für die Erhaltung der Armee. (Quelle: Kaussler) |
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