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Neben der Strasse von Braslaw nach Disna, den 21. Juli 1812.
Die Nachricht, dass Barklay seine feste Stellung bei Drissa verlassen habe und gegen Witebsk marschiere, rief uns den 19. Juli aus unserem mehrtägigen Aufenthalt bei Raskimosi am See von Braslaw ab, denn sämtliche unter den unmittelbaren Befehlen des Kaisers stehende Armeecorps setzten sich in Bewegung, um Witebsk noch vor Barklay zu erreichen oder denselben wenigstens dort zu einer entscheidenden Schlacht zu nötigen. Wege, durch die unendlich langen Fuhrwesenszüge beinahe ganz unbrauchbar gemacht oder durch morastige Wälder über Knüppeldämme führend, und ein immerwährender Kampf mit den verschiedenen Heeresabteilungen, welche einander unaufhärlich drängten und abzuschneiden suchten und welchen keine Heerespolizei Einhalt that, machten diese Märsche zu den beschwerlichsten des Hinmarsches. Unter solchen Umständen ganz erschöpft, bezogen wir den 21. Juli das Biwak rechts der nach Disna führenden Strasse unweit eines in Flammen stehenden Dorfes. (Quelle: Kaussler)
Biwak vor Disna, den 23. Juli 1812.
Den 22. Juli bezog das III. Armeecorps das Biwak vor Disna und verliess, eine Brigade Infanterie und eine Batterie von uns in dieser Stellung bis zur Ankunft des II. Armeecorps zurücklassend, dasselbe den 23. vormittags, um nach Polotzk zu marschieren. Kaum war das Biwak geräumt, so kamen die benachbarten Landleute aus ihren Schlupfwinkeln und durchsuchten gierig die Lagerstätten, um sich alles dessen zu bemächtigen, was die Truppen bei ihrem Abmarsche zurückgelassen hatten; grösstenteils Gegenstände, die aus den benachbarten Ortschaften zum Bedarf des Biwaks an Holz, Geschirren u.s.w. herbeigeschleppt worden waren. Äusserst interessant war es, die Kleidertracht dieser Leute bis auf die kleinsten Eigenheiten des Schnittes, ähnlich jener ihrer vor beinahe 1800 Jahren auf den Säulen Trajans und Antonins abgebildeten Vorfahren, zu sehen. Doch nicht diese Tracht allein, auch die Bildungsstufe jener Zeit und mit dieser die Sitteneinfalt schien ihnen geblieben zu sein; bei ihrem wenigen Verkehr mit dem Abendlande waren wir ihnen eine so fremde, aussergewöhnliche Erscheinung, als ob wir nicht allein durch Hunderte von Meilen, sondern durch viele Hunderte von Jahren von ihnen geschieden wären. Gegen Abend zeigten sich endlich die Spitzen der Kolonnen des II. Armeecorps, und nun brachen wir auf, um das III. Corps bei Polotzk einzuholen. (Quelle: Kaussler)
Marsch nach Disna Nun mussten wir weiter über die Orte Calcalcisna, Dauonary, Diescony, Driswiaty, Braslav, nach Disna, wo wir mitte im Julius ankamen. Imer schwächer wurden die Leuthe und täglich verringerten sich die Kompagnien, die Märsche wurden Tag und Nacht fortgesezt, und ein man nach dem ändern strekte sich todschwach auf die Erde, worunter die mehrsten über einige Stundenlang Starben, mehrere aber fielen unter dem Gliedern plözlich Tod zur Erde. Hauptsachlich dat solches der Durst, es gab in den mehrsten Gegenden kein Wasser welches trünkbar war, und so die Leuthe gezwungen waren aus Treglachen in, welche Krepierte Pferde und Tode Menschen lagen, trunken musste. Ich war gar oft ab der Kollon marschiert mehrere Stunden lang nach Wasser, allein selten türfte ich mit einem Wasser zurik oder vor körnen, und blieb meinem Durst überlassen. Die Städte waren durchgehens nicht nur ganz ausgeplintert sonder auch zur Hälfte schon abgebrandt. (Quelle: Jakob Walter)
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