Feldzeugmeister Graf von Kolowrat-Liebsteinsky

Vinzenz Maria Graf von Kolowrat-Liebsteinsky wurde im Jahr 1747 in Czernikowitz (n. a. Angaben am 11. Mai 1750) im böhmischen Kreis Königgrätz (heute: Hradéc Karlovice/Tschechei) geboren Er war der Sohn des Grafen Franz Joseph von Kolowrat-Liebsteinsky und der Gräfin Maria Karolina von Waldstein. Der junge Graf wurde im Alter von fünf Jahren in den Malteser-Orden aufgenommen, und zwei Jahre später, am 6. Januar, als wirklicher Ritter des Ordens eingeschworen. Später betrat Kolowrat-Liebsteinsky die militärische Bühne und trat am 6. Februar 1768 im Alter von 21 Jahren als Oberleutnant in das kaiserlich-österreichische Infanterie-Regiment Nr. 19 „Leopold Graf Pálffy“ ein, und wurde bereits am 27. März 1769 zum Hauptmann im Infanterie-Regiment Nr. 7 „Gyulay“ befördert. Im März 1776 legte Kolowrat-Liebsteinsky sein vorgeschriebenes Gelübde als Malteser-Ritter ab. Nach Ende des Bayerischen Erbfolgekrieges (1778/79) wurde Kolowrat-Liebsteinsky am 2. Juni 1782 zum Major im Infanterie-Regiment Nr. 7 „Harrach“ befördert.

Bei Ausbruch des Krieges mit dem Osmanischen Reich (1787-1792) wurde Kolowrat am 1. April 1788 zum Oberstleutnant im 2. Banal-Regiment befördert. Beim Sturmangriff auf Novi Sad am 3. Oktober 1788 konnte der Graf seine ihm unterhabenden Soldaten so erfolgreich begeistern, dass sie Wunder an Tapferkeit verrichteten, während er selber am linken Arm schwer verwundet wurde. Am 6. Juni 1789 wurde Kolowrat-Liebsteinsky als Belohnung seiner Tapferkeit vor Novi Sad zum Oberst und Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 59 „Langlois“ ernannt. Danach konnte er sich besonders in der Schlacht bei Calafat am 26. Juni 1790 rühmlichst auszeichnen. Als das kaiserliche Korps unter Feldzeugmeister Graf von Clerfayt gegen die bei Calafat verschanzten türkischen Truppen vorrückte um diese über die Donau zu werfen und das linke Ufer dieses Stromes zu säubern, die Osmanen aber trotz einer heftigen Kanonade aus ihren Verschanzungen nicht weichen wollten, wurde ein Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 59 „Langlois“, welches Graf Kolowrat-Liebsteinsky kommandierte, zum Sturmangriff beordert. Der Graf setzte sich persönlich zu Fuß, mit gezogenem Säbel in der Faust an der Spitze des Leibbataillons, und drang mit gefällten Bajonett in die gegnerischen Schanzen ein, wodurch er maßgeblich zum Waffenerfolg des Tages beitrug und hierfür mit dem Ritterkreuz des Maria-Theresien-Ordens (23. Promotion vom 19. Dezember 1790) ausgezeichnet wurde.

Zu Beginn des Ersten Koalitionskrieges im Frühjahr 1793 mit seinem Infanterie-Regiment Nr. 59 zur k.k. Hauptarmee unter Feldmarschall Prinz von Sachsen-Coburg-Saalfeld nach den österreichischen Niederlanden (Belgien) bestimmt, zeichnete sich Graf Kolowrat-Liebsteinsky am 22. Oktober 1793 im Gefecht bei Cysoing, woselbst er am rechten Flügel die Infanterie befehligte, abermals rühmlichst aus. Für seine Verdienste stieg der Graf im Dezember 1793 zum Generalmajor auf, verblieb aber bei der k.k. Hauptarmee in Diensten.

Wiederum persönlich auszeichnen, konnte sich Graf von Kolowrat-Liebsteinsky im Feldzug von 1796. Am 16. September 1796 war Erzherzog Karl nach der siegreichen Schlacht bei Würzburg (2. September 1796) bis an die Lahn vorgedrungen, und hatte bis dorthin Jourdans geschlagene französische Sambre-Maas-Armee verfolgt. Nun stand diese am rechten Ufer des Flusses, und hielt am linken Ufer Limburg mit noch zum Teil bedeutenden Streitkräften besetzt. Die Franzosen sollten aus dieser wichtigen Stellung geworfen, aber früher das strategisch wichtige Limburg nebst dem Lahnübergang eingenommen werden, wofür das Grenadier-Bataillon „Ghenedegg“ zum Sturm beordert wurde. Generalmajor Graf Kolowrat-Liebsteinsky unternahm freiwillig an der Spitze dieses Bataillons den Angriff, und es gelang ihm, die französische Infanterie nach heftigstem Widerstand aus Limburg zu vertreiben. Durch zwei weitere Grenadier-Bataillone verstärkt, hielt sich Kolowrat-Liebsteinsky den gesamten Tag gegen die wiederholt lebhaften Versuche und Gegenstöße des weit überlegenen französischen Gegners, und machte es dadurch Erzherzog Karl möglich, mit der Hauptmacht des österreichischen Heeres den am rechten Lahnufer stehenden Feind anzugreifen, zu schlagen und bis an den Niederrhein zu verfolgen. Diese persönlich tapfere Tat brachte Graf Kolowrat-Liebsteinsky später bei der 66. Promotion vom 18. August 1801 das Kommandeurskreuz des Maria-Theresien-Ordens ein, und am 28. Februar März 1797 die Beförderung zum Feldmarschall-Leutnant.

Zu Beginn des Zweiten Koalitionskrieg kommandierte Feldmarschall-Leutnant Graf von Kolowrat-Liebsteinsky das Reservekorps (9 Bataillone und 12 Eskadronen) der k.k. Hauptarmee unter Erzherzog Karl, und focht mit diesem bei Ostrach (21. März 1799) und bei Stockach (25. März 1799) (1799) dann unter Feldzeugmeister von Kray (1800). Während des Frühjahrs-Feldzuges von 1800 befehligte Kolowrat-Liebsteinsky in den Schlachten von Engen (3. Mai 1800), Messkirch (5. Mai 1800) und Biberach (9. Mai 1800) jeweils die Grenadier-Reserve. Nach dem Frieden von Lunéville, welcher den Zweiten Koalitionskrieg beendete, erhielt Graf Kolowrat-Liebsteinsky am 8. Mai 1801 die Inhaberstelle des Infanterie-Regiments Nr. 11 (ehemals „Michael Graf Wallis) und wurde anfänglich Adlatus des kommandierenden Generals in Niederösterreich.

Nur kurz darauf sollte Graf Kolowrat-Liebsteinsky, nunmehr da er vor dem Gegner seine Talente und seinen Mut gezeigt, und dabei schwere Wunden davongetragen, auch an der inneren Verwaltung des österreichischen Staates tätigen Anteil nehmen. Im Jahr 1805 wurde Kolowrat zum kommandierenden General in Siebenbürgen ernannt, rückte am 16. September 1808 zum Feldzeugmeister auf und entwickelte hier für den kommenden Krieg von 1809 dieselbe Energie in Auftreibung von Streitkräften wie er dies später für die Jahre der Befreiungskriege von 1813-1815 in Ungarn getan hatte, wo er von 1810 bis 1815 als kommandierender General tätig war. Im Jahr 1816 erhielt Kolowrat das Großkreuz der französischen Ehrenlegion, in Anerkennung der Fürsorge , welche er für die kriegsgefangene französischen Soldaten an den Tag gelegt hatte. Er kam dann als kommandierender General nach Prag und von da im Januar 1823 als Kapitän der kaiserlichen Trabanten-Leibgarde nach Wien, wo er schon am 7. Dezember 1824 sein tatenreiches Leben im Alter von 75 Jahren beschloss.

Kolowrat-Liebsteinsky war geheimer Rat und kaiserlicher Kämmerer, sowie besonders erwähnenswert Grossprior des Johanniter-Ordens durch Böhmen, Mähren, Schlesien, Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain außerdem Minister am kaiserlich-königlich österreichischen Hof und Komtur zu Mailberg. Der Graf hat während seiner 56jährigen Dienstzeit die Feldzüge seiner Epoche mitgemacht und ebenso glänzende Beweise seines Heldenmuts wie seines durchaus da gewesenen Feldherrntalents gegeben. Wie aus den Unterlagen hervorgeht ist der Graf unvermählt geblieben. In seinem Neffen, dem österreichischen Staats- und Konferenzminister Franz Anton Graf von Kolowrat-Liebsteinsky ist der Mannesstamm seiner Linie erloschen.