Feldzeugmeister Marquis von Chasteler de Courcelles

ChastelerJohann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles wurde am 22. Januar 1763 auf Schloss Malbais bei Mons im Hennegau (Belgien) geboren. Im Knabenalter besuchte er das Gymnasium des Forts von Metz, und trat im Alter von erst 13 Jahren 1776 als Kadett in das kaiserlich-österreichische Infanterie-Regiment Nr. 3 „Prinz Karl von Lothringen“ ein. Danach setzte er seinen Bildungsweg an der Ingenieurakademie in Wien fort. Unter dem berühmten Feldmarschall Ernst Gideon Graf von Laudon (1717-1790) nahm Chasteler am Krieg gegen das Osmanische Reich (1787-1792) teil. Hierbei erwarb sich Chasteler am 21. Juli 1789 im Rang eines Majors in der Schlacht von Focsani (Rumänien) das Ritterkreuz des Maria-Theresien-Ordens (23. Promotion vom 19. Dezember 1790), während ihm bei der erfolgreichen Belagerung der Festung Chotym (heute: Chocim in Polen) durch eine Kartätschenkugel das rechte Bein zerschmettert wurde. Nach Ende dieses Krieges zum Oberstleutnant befördert, und zum Oberleutnant der Arcieren-Garde in den österreichischen Niederlanden (Belgien) sowie zum kaiserlichen Kämmerer ernannt.

Bei Ausbruch des Ersten Koalitionskrieges im April 1792 ließ sich Chasteler wiederum zum Geniekorps einberufen. Hierbei leitete er zunächst den Wiederaufbau des verfallenen Kastells von Namur. Im Feldzug von 1794 nahm Chasteler unter Feldmarschall Friedrich Josias Prinz von Sachsen-Coburg-Saalfeld an der erfolgreichen Belagerung von Landrecies (21.-30. April) teil. Im Feldzug des Jahres 1795 war er unter Feldmarschall Graf von Clerfayt maßgeblich an der Befreiung der belagerten Festung Mainz beteiligt, für welche Waffentat er von Kaiser Franz II. zum Oberst im Generalquartiermeisterstab befördert wurde. Im Jahr 1797 folgte Chastelers Beförderung zum Generalmajor.

Während des Zweiten Koalitionskrieges diente Chasteler im Frühjahr 1799 nun bereits als Generalquartiermeister des verbündeten österreichisch-russischen Heeres unter dem legendären russischen Feldmarschall Alexander Wassiljewitsch Suworow Graf von Rimniksky (1729-1800) in Norditalien. Für seine glänzenden Leistungen bezüglich der Überquerung der Adda Ende April 1799 wurde Chasteler bei der 57. Promotion vom 15. Mai 1799 mit dem Kommandeurskreuz des Maria-Theresien-Ordens ausgezeichnet. Durch seinen persönlichen mutigen Einsatz trug Chasteler übrigens auch wesentlich dazu bei, dass sich das französische Heer des Divisionsgenerals Macdonald in der mörderischen Schlacht an der Trebbia (17.-20. Juni 1799) schließlich nach drei Tagen mörderischem Kampf über diesen blutgetränkten Fluss unter schweren Verlusten zurückziehen musste.

Nach einer erneuten, diesmal allerdings lebensgefährlichen Verwundung, während der erfolgreichen Belagerung von Alessandria (22. Juni bis 22. Juli 1799) in Piemont durch Feldmarschall-Leutnant Graf von Bellegarde, und nach seiner erfolgten Wiedergenesung, wurde Chasteler im Frühjahr 1800 als Zweiter Generalquartiermeister zur kaiserlich-österreichischen Hauptarmee nach Südwestdeutschland versetzt. Es könnte hierbei sein dass sich vielleicht Feldzeugmeister von Kray, der neue Oberbefehlshaber der Hauptarmee in Deutschland, Chasteler für sich erbeten hatte. Denn beide fochten 1799 bekanntlich in Norditalien, und Kray waren Chastelers Fähigkeiten und Leistungen als Generalstäbler dadurch bestens bekannt. Unter Kray focht Chasteler in den Schlachten bei Engen (3. Mai 1800) und bei Messkirch (5. Mai 1800). Später nach Krays Ablösung vom Oberkommando, erhielt Chasteler das Kommando einer Brigade in Tirol, welche am strategisch wichtigen Pass von Scharnitz eingesetzt war. Nach Ende des Zweiten Koalitionskrieges wurde er im Jahr 1801 zum Feldmarschall-Leutnant befördert.

Ganz besondere außerordentliche Dienste erwarb sich Chasteler um die Befestigung Tirols, wo der Marquis zu Beginn des Dritten Koalitionskrieges von 1805 wegen seiner genauen Kenntnisse dieses Alpenlandes den Oberbefehl über den rechten Flügel der kaiserlich-österreichischen Armee von Tirol (Kommandeur: Erzherzog Johann) übernahm. Während des Feldzuges von 1805 verteidigte Chasteler mit seiner Division am 2. und 3. November 1805 erfolgreich den Pass Strub gegen die bayerische Division unter Generalleutnant Graf von Deroy. Mit dieser Waffentat deckte Chasteler den Rückzug der Truppen Erzherzog Johanns aus Tirol. Langsam vom Gegner lösend und immerwährend in der Gefahr durch den übermächtigen Feind aufgerieben zu werden, zog sich Chasteler mit seiner Division schließlich ebenfalls aus Tirol zurück. Noch im November 1805 stieß der Marquis mit seiner Truppe zu Erzherzog Johann, welcher erfolgreich die Vereinigung mit dem vollständig intakten österreichischen Italienheer unter dem Oberbefehl von Erzherzog Karl am 26. November 1805 in Gonowitz bewerkstelligte. Chasteler erhielt nun von Erzherzog Karl das Kommando über 12 Bataillone und 16 ¼ Eskadronen übertragen, und wurde zum Befehlshaber der Avantgarde der nun vereinigten kaiserlich-österreichischen Heere von Italien und Tirol ernannt.

Während des Jahres 1808 leitete Marquis Chasteler die Wiederinstandsetzung der Befestigungswerke von Komorn (heute: Komárno). Bei Ausbruch des Krieges von 1809 erhielt Chasteler das Kommando über eine gemischte Division (rund 5.000 Mann stark) des VIII. Armeekorps (Kommandeur: Feldmarschall-Leutnant Albert Graf Gyulay) der Armee von Innerösterreich unter dem erneuten Oberbefehl von Erzherzog Johann. Von Norditalien kam er nach Tirol wo er im Gefecht bei Wörgl am 13. Mai 1809 mit seiner Division von den weit überlegenen französisch-bayerischen Truppen (ungefähr 9.500 Mann) unter Marschall Lefebvre vernichtend geschlagen wurde. Man kann hier übereinstimmend sagen dass Chastelers Division nach einem Verlust von über 3.000 Mann an Gefallenen, Verwundeten sowie Gefangenen, 9 Geschützen, 27 Munitionswagen und 3 Fahnen aufgehört hatte zu existieren! Nach dem Frieden von Schönbrunn am 14. Oktober 1809 wurde Chasteler zum Militärkommandeur von Österreichisch-Schlesien ernannt.

Zu Beginn des Jahres 1813 leitete er die Verteidigungsanstalten von Prag. Nach der Kriegserklärung Österreichs an Frankreich als Divisionskommandeur in der alliierten Hauptarmee (auch „Böhmische Armee“ genannt) unter Fürst Schwarzenberg eingesetzt, nahm Chasteler an den Schlachten von Dresden (26.-27. August 1813) und Kulm (29.-30. August 1813) teil. Inzwischen bereits zum Feldzeugmeister befördert, wurde er zum Gouverneur der Festung Theresienstadt ernannt. Doch kurz darauf übernahm er nach der Völkerschlacht von Leipzig (16.-19. Oktober 1813) das Kommando des IV. Armeekorps (vormals General der Kavallerie Graf von Klenau) und nahm unter dem Oberbefehl von Graf von Klenau an der siegreichen Belagerung der französischen Truppen Marschall Gouvion Saint-Cyrs in Dresden teil, welcher am 11. November 1813 kapitulierte.

Nach der Wiederherstellung des Lombardisch-Venetianischen Königreiches wurde dem Marquis Chasteler der Posten des Stadt- und Festungskommandeurs von Venedig übertragen, für dessen Befestigungen er unermüdlich wirkte. Feldzeugmeister Marquis von Chasteler, ein hochgebildeter Mann, welcher zwölf Sprachen (!) beherrschte, persönlich stets tapfer und mutig auf dem Schlachtfeld, verstarb am 10. Mai 1825 in Venedig.